42 Leserückblick November

Es ist nicht gut vom November zu sprechen, solange er da ist. (Ernst Wiechert)

Ich möchte mich ganz nach diesen weisen Worten Wiecherts richten, deswegen erst jetzt eine kleine Lesestatistik für den November. Im November habe ich sechs sehr unterschiedliche Bücher gelesen.

1. Für die Uni habe ich von Wilhelm Raabe Der Lar gelesen. Mein absolutes Highlight diesen Monat. Die Erzählung macht einfach unglaublich Spaß, bietet viele zu interpretierende Momente und die Figuren sind so herrlich verschroben. Schon allein, dass Karl von Bogislaus immer „Puppe“ genannt wird! Außerdem die „skönke oke“ des mysteriösen Affentiers. <3

2. & 3. Sprachlich wunderbar waren Herta Müllers Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet und natürlich Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. Beide in einer Nacht durchgelesen und gefeiert.

4. Atmosphärisch hatte Der Gott der Alpträume von Paula Fox eindeutig die schönsten Leseaugenblicke. Außerdem ist Paula Fox die Oma von Courtney Love und die ist ja bekanntlich die Witwe von Kurt Cobain – Nirvana und New Orleans ist also gar nicht so weit voneinander weg, wie man meinen könnte.

5. Richtige Alpträume hatte ich dann aber von Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel, das ich für die Rory-Gilmore-Lesechallenge gelesen habe. Keine Ahnung, warum mich ausgerechnet dieses Buch so verstört hat. Die Verfilmung des Buches läuft ab 2013 im Kino, ich bin noch unsicher.

6. Frau im Schatten von Dorinde van Oort war insofern ein außergewöhnliches Buch, als dass es in meinem Lesemonat schon deutlich aufgefallen ist. Der Roman war ein Bestseller in den Niederlanden und handelt von einer verstrickten Familiengeschichte, die dazu auch noch halbbiographisch motiviert ist. Bei der Trauerfeier für ihre mit hundert Jahren verstorbene Stiefgroßmutter, bemerkt die Erzählerin Emma Mansbourg, dass über die Verstorbene zum Teil recht scharfzüngig gesprochen wird. Sie spricht ihren Vater an, der sich allerdings über die Hintergründe bedeckt hält. Kurz danach bemerkt Emma, dass ihr Vater alte Dokumente und Briefe verbrennt. Sie beginnt, unter großer Kritik der verbleibenden Familienmitglieder, mit einer intensiven Recherche und entdeckt, dass ihre Großmutter ein Kind geboren hat, dass offiziell für tot erklärt wurde, tatsächlich aber lebte. Im Verlaufe der Recherche verstricken sich die Zusammenhänge und die Leser stellen fest, dass die Großmutter Ann nicht nur Opfer, sondern auch Täterin in einer komplizierten Familiengeschichte wurde. Teilweise extrem spannend. Dann wieder sehr langatmig. Trotzdem eine berührende Familientragödie, die durch die alten Schwarz-Weiß-Fotos im Mittelteil des Buches eine erstaunliche Nähe zu den Figuren entstehen lässt. Man sieht sie ja. Sie sind echt. Es hat sie gegeben. Damit wäre ich wieder bei Barthes. ;)

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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