[Rezension] Daniel Pennac – Schulkummer

Der ehemalige Lehrer Daniel Pennac versucht zu beschreiben, was es ausmacht Lehrer zu sein. Dabei greift er auf seine Biographie zurück und erinnert sich daran, wie es war, einmal selbst als sehr schlechter Schüler die Schule gezwungenermaßen erleben zu dürfen. Im Französischen gibt es einen Begriff dafür, es handelt sich um den sogenannten „cancre“ (deutsch: Krebs), der die Schule nicht auf graden Linien durchschreitet, sondern sich sehr langsam und häufig auch noch seitwärts bewegt – ein Schüler, der nicht vorankommt und für den die Schulerfahrungen deshalb schmerzhaft werden. In seinem Buch beschreibt Pennac in kleinen essayartigen Kapiteln, was ihn dazu bewogen hat Lehrer zu werden, wie er sich als Schüler gefühlt hat und was er und seine Kollegen mit verschiedenen Schülern erleben. Dabei sind es keineswegs nur Erfolgserlebnisse, von denen er berichtet. Die Angst zu versagen, die er als Schüler fühlte, taucht auch heute noch manchmal auf. Ein Anzeichen dafür, wie prägend Schulerfahrungen auch für das weitere Leben sind.

Pennac - Schulkummer

Mir hat das Buch sehr gefallen, da es abseits von Methodentrainings oder Stundenplanung eine pädagogische Grundhaltung widerspiegelt, die ich sehr schätze: Lehrer sein heißt auch am Ball zu bleiben, nicht aufzugeben und kleine Erfolge von Jugendlichen zu sehen – unabhängig von ihrer fehlerhaften Sprache oder mangelnden Ausdrucksmöglichkeiten. Pennac nennt das etwas kitschig „Liebe“ und gibt im selben Atemzug zu, dass er mit so einer Antwort in keinem Lehrerseminar bestehen könnte. Dadurch ergaben sich auch bei mir viele Fragen: Was für ein Lehrer möchte ich sein? Was oder wie ist ein guter Lehrer? Eine interessante Anregung von jemandem, der immerhin selbst über zwanzig Jahre in diesem Beruf tätig war. Leider bin ich mit dem französischen Schulsystem nicht sehr vertraut und musste sehr viel im Glossar nachschauen. Zudem wirken einige Kapitel etwas langatmig, da er sehr ausführlich schreibt.

Daniel Pennac – Schulkummer. 288 Seiten. Köln: KiWi  2010.

Aus dem Französischen von Eveline Passet. 

Originaltitel: Chagrin d’école.

ISBN 9783462042528.

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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