[Rezension] Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

„Truman Capote ist der perfekteste Schriftsteller meiner Generation. Ich hätte keine zwei Wörter in „Frühstück bei Tiffany“ ändern wollen.“ Norman Mailer

Tja, wer kennt sie nicht, die grandiose Verfilmung dieses Klassikers des 20. Jahrhunderts mit der zauberhaften Audrey Hepburn in der Hauptr- …. Moment! Zugegeben, ich kenne den Film nicht und hatte, obwohl ich Gossip Girl liebe und Blair wunderbar ist, auch noch nie den Wunsch, diesen Klassiker der Filmkunst anzusehen. Warum? Ich habe versucht Krieg und Frieden in der Verfilmung mit Audrey zu sehen und was soll ich sagen – es war fürchterlich. Ich konnte mit ihr einfach gar nichts anfangen und war von ihrer Filmfigur riesig genervt. Und dann lacht mich Audrey auf dem Cover des Buches an, so wie man sie kennt, mit der Perlenkette und dem schwarzen Kleid und ich denke mir, warum nicht mal Truman eine Chance geben?

Worum geht es?

Der namenlose angehende Schriftsteller befreundet sich in den 1940er Jahren mit seiner Nachbarin, Holly Golightly, die ihn fortan „Fred“ nennt, da so ihr älterer Bruder geheißen hat. Holly ist ein Starlett (oder eine Prostituierte?), in jedem Fall ein hübsches It-Girl, das es irgendwie geschafft hat, die richtigen Männer zu kennen und zu den richtigen Partys eingeladen zu werden um irgendwann einen ihrer reichen Verehrer zu heiraten. „Fred“, ihr Nachbar, wird bald darauf ebenfalls Teil ihres exquisiten Zirkels und Holly versucht sogar, durch Strippenzieherei bei einem Bekannten, einen Verlag für „Fred“ aufzutun. Holly, die überall ist, aber scheinbar nirgends richtig ankommt, scheint wie aus dem Nichts in der Stadt gelandet zu sein. Sie scheint keine Vergangenheit zu haben und verzaubert den Schriftsteller. Dabei ist Holly nicht nur das Happy-Go-Lucky-Girl. Manchmal überfällt sie das „rote Elend“, wie sie selbst sagt. Dann bleibt ihr nichts als Weltschmerz, Angst, Einsamkeit. Und was hilft? Ein Gang zu Tiffany’s, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Manchmal nimmt sie ihre Gitarre und spielt dann Lieder, von denen sich der Erzähler fragt, wo sie diese denn gelernt haben könnte :“rauzärtliche, umherirrende Melodien mit Worten, die nach Südstaaten-Nadelwäldern oder der Prärie schmeckten“. Und dann gibt es da wirklich diesen Mann, der sie heiraten möchte – zumindest glaubt Holly das. Und in einer Stadt wie New York, in der das Verbrechen nie schläft, haben es einsame Herzen auf der Suche nach Katzen oder der Frau für’s Leben gar nicht so leicht, vor allen Dingen, wenn die Mädels gar nicht Holly, sondern eigentlich Lullamae heißen…

Hier noch ein Youtube-Schmankerl aus dem Film (+ unvergesslicher Melodie):

Das sage ich …

Ich möchte doch noch den Film sehen! Ich will, ich will, ich will! Mir hat die Novelle sehr gut gefallen. Auf knapp 100 Seiten wartet Capote mit überraschenden Wendungen auf, während die knapp einjährige Bekanntschaft des Protagonisten mit Miss Golightly näher beleuchtet wird. Die Erzählung ist spannend und zum Teil sehr schnoddrig und witzig erzählt. Das liegt besonders an Miss Golightly, dieser gerade einmal 19jährigen, die ihre männlichen Bekanntschaften gerne mit „Herzchen“ oder „Schätzchen“ anspricht, während sie einen Drink kippt. Dabei merken die Leser_innen aber auch, dass Holly bisher kein leichtes Leben hatte – aber auch, dass sie für ihren großen Traum, die Heirat mit einem reichen Mann, alles tun will. Außerdem ist Holly jemand,  der sich nach Sicherheit sehnt und dabei weiß, dass die Männer die sie braucht, sie doch nur für ihre Zwecke benutzen wollen. Der angehende Schriftsteller ist dabei eine herausragende Ausnahme, wenn sonst nur das Motto „Fressen oder gefressen werden“ gilt. Insgesamt kann ich nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen und bin jetzt gespannt, ob der Film das Niveau des Buchs halten kann. Ich kann es mir kaum vorstellen. Aber die Perlenkette, die Sonnenbrille, das schwarze Kleid – das was ich als typischen Audrey- Stil empfunden habe, ist genau das, was Capote sich für Holly vorgestellt hat. Ich freue mich auf den Film.

Truman Capote: Frühstück bei Tiffany (=Süddeutsche Zeitung Bibliothek Band 51). Kein & Aber Verlag, Zürich 2006. 108 Seiten.

ISBN: 978-3-86615-501-5

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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