[Rezension] Wiley Cash- Fürchtet Euch!

Fürchtet EuchWorum geht es?

In Marshall, einem abgelegenen Nest irgendwo in North Carolina ist eine seltsame Glaubensgemeinschaft ansässig, deren Treiben bisher  niemanden störte, bis es an einem Sommertag zur Katastrophe kommt. Der zwölfjährige Christopher Hall stirbt während der Abendmesse der Gemeinde. Sheriff Clem Barefield nimmt die Ermittlungen auf und versucht herauszufinden, wie es zu dem Tod des Jungen kommen konnte. Doch er steht einer Wand des Schweigens gegenüber – niemand will sich zu dem Vorfall äußern. Barefield findet durch intensive Nachforschungen heraus, dass der Junge in der Kirche der Sekte von seiner angeborenen Stummheit befreit werden sollte. Doch was ist wirklich in der Kirche geschehen? Der charismatische Prediger Carson Cambliss äußert sich nicht zu dem Vorfall. Im Gegenteil scheint er den Ermittlungen im Weg zu stehen…

Das sage ich …

Ich war in der Buchhandlung und dieses toll gestaltete Cover in Kombination mit dem Klappentext hat mich einfach angesprungen. Cashs Debüt Fürchtet Euch! ist ein spannender Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Es gibt keinen allwissenden Erzähler, sondern das Geschehen wird nach und nach aus der Perspektive unterschiedlicher Charaktere zusammen gesetzt, so dass sich nach und nach ein Bild des Geschehens ergibt. Bis dahin bleibt es spannend, auch wenn nicht immer alle Handlungen der Charaktere nachzuvollziehen sind. Aber ist das nicht im alltäglichen Leben auch so? Haben wir immer den Überblick über die Situation? Die erzählenden Personen steuern Eindrücke bei, ihre Gedanken zu Geschehnissen, die früher passiert sind, bevor Christopher starb. Denn einiges scheint in diesem Dörfchen im Argen zu liegen und zu viele fürchten sich vor Cambliss.

Nicht nur der Ermittler Barefield hat an persönlichen Problemen zu knabbern und an den Erinnerungen an längst vergangener Tage, auch die Hebamme des Dorfes, Adelaide Lyle, die Christopher Hall zur Welt brachte und in ihm immer einen glücklichen Jungen gesehen hat, der doch gar keine Heilung brauchte, versucht sich zusammenzureimen, was in der Kirche passiert sein könnte. Und Christophers kleiner Bruder Jess, der am Abend der Katastrophe nicht in der Kirche war, knabbert ebenfalls an einem Schuldkomplex. Häufig sind es die kleinen Dinge, die Kinder beobachten, die der Situation eine noch viel dramatischere Komponente geben und Jess hat einiges gesehen.

Wer einen Thriller oder Krimi erwartet, nur weil es einen Ermittler gibt, liegt sicherlich daneben. Stattdessen geht es um die komplexen Beziehungen zwischen den Protagonisten, um Chancen, die jeder von ihnen vertan hat, um zu helfen und um ihr Leben, irgendwo in der Ödnis von North Carolina, in der es einem Prediger gelingt, unbehelligt und gefeiert von der Dorfgemeinschaft, immer mehr Einfluss zu gewinnen. Und das mit Methoden, die nicht mehr durch Religionsfreiheit gerechtfertigt können. Einziges Manko: ich hätte gerne noch mehr über die anderen Gemeindemitglieder und das Leben dieser Gläubigen erfahren. Am Ende bleibt vieles ungesagt und nicht alle Fäden laufen zusammen, aber das hat mich nicht gestört. Vielleicht ist Fürchtet euch! eher Milieudrama, als Kriminalgeschichte, aber deshalb nicht weniger überzeugend. Noch nebenei, das Debüt wurde 2012 von Library Journal und Kirkus Reviews zum besten Roman 2012 gewählt.

Wiley Cash – Fürchtet Euch. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Fischer Taschenbuch 2013.

ISBN-10: 3596194431 ISBN-13: 978-3596194438 (352 Seiten)

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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