112 [Gesagt]

„In Paris konnte man damals beinahe umsonst leben, und wenn man gelegentlich eine Mahlzeit ausließ und niemals neue Kleider kaufte, konnte man sparen und sich Luxusdinge leisten.“  (S.87)

„Ich will Die Brüder Karamasov noch mal versuchen. Es war wahrscheinlich meine Schuld.“ –  „Manchches kann man nochmal lesen. Das meiste. Aber dann fängt es an, einen zu verägern, ganz gleich wie großartig es ist.“ (S.114)

„Er wollte, dass ich das neue Buch Der große Gatsby las, sobald er sein letztes und einziges Exemplar von jemandem, dem er es geliehen hatte, zurückbekam. Wenn man ihn so darüber sprechen hörte, wusste man noch lange nicht, wie ausgezeichnet es war; man spürte nur die Schüchternheit, die alle nicht eingebildeten Schriftsteller haben, wenn sie etwas sehr Gutes geschrieben haben, und ich hoffte, er würde das Buch bald zurückbekommen, damit ich es lesen konnte.“ (S.127)

Ernest Hemingway lebte in den 1920er Jahren einige Zeit in Paris und hing da mit solchen verrückten Künstler_innen wie Ezra Pound, Gertrude Stein, James Joyce und natürlich F.Scott Fitzgerald ab. Hemingway hat keine Lust mehr auf Journalismus, sondern widmet sich ganz dem Schreiben – oder versucht es zumindest. Das kann er am besten mit einem Café Creme, möglichst nicht zu Hause bei Frau und Kind, sondern irgendwo in der Öffentlichkeit. Denn da trifft man auch alle anderen, die gerade versuchen, ihre Romane, Novellen und Gedichte fertigzustellen. Und wenn mal einer etwas durchhängt, dann sammelt man eben etwas Geld – Künstler_innen helfen sich nämlich, Ehrensache. Und natürlich liest und rezensiert man sich gegenseitig, sofern die Chemie stimmt. Am besten hat mir die Episode mit Fitzgerald gefallen, aber auch die anderen kurzen Erzählungen machen Spaß und geben interessante Einblicke in eine spannende Zeit. Aber auch in New York war damals schwer was los, glaubt man den Geschichten um Louise Brooks aus meinen letzten Post. Was trieb also die ganzen amerikanischen und britischen Schriftsteller_innen ausgerechnet nach Paris? Wahrscheinlich das Gefühl am Puls der Zeit zu sein. Hemingway war auf jeden Fall begeistert von der Stadt und dem künstlerischen Leben, das die Metropole ermöglichte. Deshalb schrieb er auch 1950 an einen Freund:

„Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben.“

Alle Zitate aus Ernest Hemingway: Paris – ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast, 1964). Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2004.

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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