[Leserückblick] Juni

Der Juni kam

Lind weht die Luft

Geschoren ist der Rasen

Eine Wonne voller Rosenduft

Dringt tief in unsere Nasen.

(Wilhelm Busch)

Oder so. Auf jeden Fall ist der Juni schon wieder vorbei und innerlich kann ich eigentlich nur rufen: Ahhhhh, ich muss noch so viel für die Uni tun!!! Trotzdem hatte ich im Juni etwas Zeit zu lesen und was ich da eigentlich gelesen habe, das seht ihr hier:

Bücher Juni
Das große Haus ist wieder in der Bücherei… :)
  • William Faulkner – Als ich im Sterben lag

Ich wollte sowieso schon immer einmal ein Buch von Faulkner lesen und als ich dann in der Buchhandlung auch noch so ein schönes Exemplar in der Neuübersetzung von 2013 gefunden habe, musste ich einfach zugreifen (außerdem: Rory-Gilmore-Leseliste!). Ein beeindruckender Roman, in dem aus den Perspektiven der unterschiedlichen Familienmitglieder ein chaotischer Roadtrip beschrieben wird, indessen Zentrum der Leichnam ihrer Mutter steht. Richtig, Mutti wollte eben an einem anderen Ort begraben werden. So macht sich ein Gespann auf den Weg, das sich keineswegs immer einig ist, sich zum Teil auch einfach nicht leiden kann. Zumal jeder der verschrobenen Sippe eine ganz andere Motivation für die Reise hat… Es lässt sich schon erahnen – so richtig glückliche Familien gibt es bei Faulkner nicht. Aber das muss ja nichts schlechtes sein :)

  • Nicole Krauss – Das große Haus

Ein herausfordernder Roman, in dessen Mittelpunkt eigentlich ein – ja, ein Schreibtisch steht? *klick*

  • Nicolas Christopher – Tiger Rag

Eine Neuerscheinung, die mir Spaß gemacht hat, von der ich mir aber mehr erhofft hatte. *klick*

  • Scarlett Thomas – PopCo

Oh man, ja, diesen fast 800 Seiten Wälzer habe ich auch gelesen und irgendwie bin ich auch froh darüber, vielleicht kann ich ihn jetzt guten Gewissens bei rebuy verscherbeln. Ich nehme bei Lovelybooks an einer SUB-Abbau-Challenge teil und das Buch wurde für mich ausgesucht – was sehr gut ist, denn sonst hätte es wahrscheinlich noch jahrelang auf meinem SUB herumgedümpelt. Um es kurz zu machen, ich war am Ende so enttäuscht von diesem Buch, dass ich nicht in der Lage war, eine vernünftige Rezension zu schreiben. Deswegen nur ein paar kurze Worte. Worum geht es? Die Protagonistin Alice arbeitet für den Konzern PopCo – ein Global Player für Spielwaren. Sie entwickelt eine Detektivspielzeugreihe, denn Codes knacken und Rätsel lösen waren schon immer ihr Hobby. Und das liegt in der Familie: Vater und Großvater beschäftigten sich seit Ewigkeiten mit Kryptologie. Doch eines Tages verschwand Alices Vater spurlos, sein Verschwinden konnte nie geklärt werden. PopCo lädt nun alle vielversprechenden Talente zu einem „ThoughtCamp“ (Echt jetzt?) ein, in der nicht nur neue Ideen entwickelt werden sollen, auch die Corporate Identity des Unternehmens soll gefördert werden. Doch vom ersten Tag an, erhält Alice merkwürdige Nachrichten von einem Unbekannten. Geht es um das Verschwinden ihres Vaters oder hat etwa jemand herausgefunden, dass die Marketingstrategie des Unternehmens doch nicht so harmlos ist, wie gedacht? Der Plot klingt erst einmal sehr spannend und vom ersten Moment war ich gefesselt. Doch irgendwann wusste ich einfach nicht mehr, wohin Scarlett Thomas mit diesem Roman eigentlich will.  Thriller? Kindheitsdrama? Coming-of-Age-Geschichte? Ökoverschwörungsdystopie? Vorlesung über Dechiffriermethoden? Okay, Alice mag Rätsel und Alice mag Mathematik. Ich glaube, man könnte fast 300 Seiten des Buchs kürzen, wenn man diese vorlesungsähnlichen Einschübe, die eher an ausgewälzte Lexikonartikel erinnern, einfach wegließe. Aber trotzdem konnte mich die Geschichte fesseln, immerhin wollte ich doch wissen, wie sich alles zusammenfügt. Und dann? Das Ende wird den angerissenen Themen kaum gerecht. Zusammengefasst: Die Konzerne sind böse und unterwandert das System von innen. Und weil das so schön einfach klingt und diese griffige Lösung erst gefühlte fünfzig Seiten vor Schluss präsentiert wird, haben wir damit schon eine Lösung für die angedeuteten Schrecklichkeiten der bösen Konzerne und Alice muss sich keine Sorgen machen, denn die Undercoverrevolution läuft ja bereits. Damit können alle glücklich sein, vor allen Dingen die Autorin, denn sonst hätte sie ja noch erklären müssen, wie sich Alice jetzt zu den ganzen Ungerechtigkeiten verhält, die sie entdeckt. So bleibt alles wunderbar simpel und man spart sich weitere 300 Seiten, die man im Vorfeld ja auch schon für die Beschreibung von irgendwelchen Zahlenspielen verbraten hat. Ein unglaublich enttäuschendes „Happy End“, das den angedeuteten Problematiken innerhalb der diegetischen Welt in keinster Weise gerecht wird. Wie gesagt, vielleicht mache ich mit dem Roman noch jemanden auf rebuy glücklich.

  • Ian McEwan – Der Zementgarten

Ich mag McEwan. Der Zementgarten, bereits 1978 erschienen, ist ein so schmales Werk, entfaltet aber eine unglaubliche Wucht. Was machen die Mäuse, wenn die Katze nicht zu Hause ist? Genau, sie tanzen auf dem Tisch. Doch was ist, wenn die Eltern nicht zu Hause sind? Wenn die Eltern auch nicht mehr wiederkommen werden, weil sie schon tot sind – begraben unter dem Zement im Keller? Wie leben die Kinder dann, wenn auch niemand erfahren darf, dass die Eltern tot sind? Gruselig, dieser Roman und finster, bis hin zum Inzest zwischen den Geschwistern. Es ist ein bisschen so, als würde man die Gefahr schon lauern sehen, ganz weit hinten am Horizont. Und als „es“ dann endlich passiert, war ich fast schon abgestumpft und gewöhnt an die Regeln dieser kleinen, familiengroßen Parallelgesellschaft. Ziemlich harte Geschichte.

  • Aldous Huxley – Schöne neue Welt

Ein Klassiker der dystopischen Literatur (und ein weiterer Winzschritt auf der Rory-Gilmore-Leseliste), den ich jetzt auch endlich gelesen habe. Der große Fort, die vielen Klone und ein paar Drogen und die Gesellschaft funktioniert – bis zum wahnsinnigen Exzess. Ziemlich gut!

  • Leif Randt – Schimmernder Dunst über CobyCounty

Hm. Irgendwie hat Huxley meinen Eindruck von CobyCounty geprägt. Eistee statt Soma? *klick*

 

Alles außer Bücher:

erlebt: auf der Bühne gestanden und soooo viel Stress gehabt vorher – aber es war toll! / gedacht: Ich muss dringend diese Hausarbeit fertig schreiben/ geärgert: über Orga-Kram und Menschen, die vieles für viel zu selbstverständlich nehmen und respektloses Verhalten im Allgemeinen/ gefreut: über die vielen Zuschauer_innen bei unserem Auftritt <3 / besucht: das rock’n’pop-museum in gronau / geplant: Urlaub in Berlin/ gefeiert: Literatur von 1909-1925/ gewünscht: mehr Verständnis /geshoppt: wahrscheinlich mehr als fünf unterschiedliche Kostüme für zwei Auftritte – aber am Ende war ja alles richtig :)

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat mal was mit Literatur- und Kulturwissenschaft studiert. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

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