[Rezension] Glee ohne Slushies – Will & Will

Mara hat sich vor kurzem gefragt, warum sie momentan so viel Lust auf Jugendbücher hat. Handelt es sich doch um ein Genre, das sie lange Zeit kaum interessiert hat. Ich fand die Frage spannend, denn mir geht es im Moment ähnlich und ich kann ihren Gründen nur zustimmen. Und was spricht eigentlich dagegen, E und U gleichberechtigt zu feiern? Eben – nichts.

Vor kurzem habe ich Will & Will von John Green und David Levithan gelesen. Und das hat mir sehr viel Spaß gemacht – es muss ja nicht immer Thomas Mann sein. ;)

Tiny Cooper ist nicht der schwulste Mensch auf der Welt und er ist auch nicht der größte Mensch auf der Welt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er der größte Mensch auf der Welt ist, der richtig, richtig schwul ist, und der schwulste Mensch auf der Welt, der wirklich, wirklich groß ist. Tiny ist seit der fünften Klasse mein bester Freund, sieht man mal vom letzten halben Schuljahr ab, in dem er hauptsächlich damit beschäftigt war, die große Bandbreite seines Schwulseins zu entdecken, und in dem ich hauptsächlich damit beschäftigt war, mir das erste Mal in meinem Leben einen Freundeskreis Für Mich (FFM) aufzubauen, von dem inzwischen keiner mehr mit mir spricht. (S.7)

Will Grayson ist 17 Jahre alt, wohnt in Chicago und sein bester Freund ist Tiny. Tiny schreibt sehr ambitioniert an dem Musical Tiny Dancer, das hauptsächlich von ihm selbst handelt. Will hingegen ist hoffnungslos in Jane verliebt, kann das aber vor niemandem zugeben. Blöderweise ist Tiny, dessen Extrovertiertheitsgrad seinesgleichen sucht, gerade auch noch dabei, ihre Freundschaftsgeschichte in sein Musical einzubauen und zwar mit dem künstlerischen Holzhammer. Die Figur Gill Wrayson ist Will so ähnlich, dass die Aufführung nur eine Blamage für ihn werden kann. Ihre Freundschaft kriselt, denn die Dinge, die der zurückhaltende Will eigentlich mit sich selbst ausmacht, hängt Tiny erst Recht an die große Glocke. Und was soll Jane dann von ihm denken, die immer noch an ihrem Ex hängt? Da helfen Will auch seine beiden goldenen Regeln: „1. Lass nichts zu nah an dich ran und 2. Maul halten“ , wenig.

Will Will von John Green
Will Will von John Green

am anderen ende der Stadt Chicago wohnt d.a.W.G., der andere will grayson, ebenfalls 17 jahre alt. er ist ständig online unterwegs und flüchtet sich lieber in eine dubiose internetbeziehung mit einem typen namens isaac als seiner einzigen freundin maura, die ihn sehr mag, endlich mitzuteilen, dass er nicht auf mädchen und erst recht nicht auf sie steht. er hat depressionen und kann sich kaum vorstellen, jemals ein glückliches leben zu führen – außer vielleicht mit isaac.

jeden morgen bete ich, dass der schulbus einen unfall hat und wir alle in dem brennenden wrack umkommen. (S. 32)

da will II so viel im internet unterwegs ist, ist ihm groß- und kleinschreibung egal. Sein sonniges Gemüt lässt mich diesen Umstand allerdings schnell vergessen und sollte tatsächlich ein_e Leser_in nicht mehr wissen, welcher Will gerade erzählt, bietet immerhin das Druckbild eine Orientierung. Aber ganz ehrlich? Will Grayson ist nicht gleich will grayson und das ist sofort klar. Durch eine Verkettung merkwürdiger Umstände treffen sich Will & will eines Abends – wo, dass dürft ihr gerne selbst herausfinden. Und auf einmal ist nichts mehr wie vorher.

Green und Levithan haben einen tollen Coming-of-Age-Roman geschrieben, der die Erlebnisse der beiden Will Graysons mit einer Leichtigkeit verbindet, die mich überrascht und begeistert hat. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich gehe davon aus, dass John Green die Episoden mit Will und Jane und  Tiny verfasst hat und David Levithan die Geschichte des „anderen“ Will. John Green war mir spätestens seit Looking for Alaska ein Begriff und nach The Fault in Our Stars ist er aus meinem Leserepertoir nicht mehr wegzudenken.

Einziger Wehrmutstropfen in dieser Geschichte: das Ende ist wirklich ein kleiner Kitschaufguss und setzt ganz auf Wohlfühlmomente und viel Gänsehaut. Der schmale Grad zwischen Plakativität und viel Gefühl gelingt nur haarscharf, gerade weil die Figuren, allen voran die beiden Wills, sehr authentisch  erscheinen und so ein Griff tief in die Klischeekiste vermieden wird. Die Dialoge sind witzig und charmant und alles andere als 0815. Und das furiose Finale eignet sich –  so nebenbei – ganz wunderbar für eine mögliche Verfilmung.

Beide Wills erkennen im Lauf der Handlung, dass eine Riesenangst vor der ersten großen Liebe gar nichts nützt, sondern die Dinge nur viel komplizierter macht. Nur Mut, ruft der Text und verhandelt dabei nicht nur die Bedeutung der ersten großen Liebe im Leben, sondern auch die Bedeutung von Freundschaften, die sich immer wieder wandeln können. Und sei es deshalb, weil der beste Freund auf einmal in einer Beziehung ist und man selbst alleine dasteht. Mir hat diese Kombination sehr gut gefallen. Natürlich ist Tinys Musical der Garant für eine Menge Glitzerregen am Ende des Romans und könnte deshalb problemlos mit jedem Staffelfinale von Glee mithalten. Ohne Slushies. *klick*

Doch so vorhersehbar wie ich anfänglich vermutet habe, ist die Geschichte zum Glück gar nicht. Besonders der Erzählstrang um Isaac und will wartet mit überraschenden Wendungen auf und auch Tiny entwickelt ganz unerwartete Charakterzüge. Manchmal gingen mir die coolen Sprüche von Will & d.a.W.G. auf die Nerven, meistens habe ich sie aber gemocht. Und deswegen präsentiere ich euch noch zwei ausgefallene Exemplare, die einfach zu gelungen sind, um sie nicht zu erwähnen:

Will I: „Ich sage ihm (Tiny) andauernd, dass ich nicht sicher bin, ob die Gesetze aus ,Sex and the city‘ auch bei uns gelten, wo es weder sex noch eine city gibt.“ (279)

will II: „“… und ganz blau in blau zu gehen, das bringen nur typen wie krümelmonster mit anstand fertig.“ (130)

Also, auf die Plätzchen fertig los – Will & Will lesen! ^^

John Green/David Levithan: Will & Will. (Will Grayson, Will Grayson). Übersetzt von Bernadette Ott.

cbt 2012.

ISBN: 9-783570-308851

Advertisements

Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat einen M.A. in Literatur- und Kulturwissenschaft. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

4 Kommentare zu „[Rezension] Glee ohne Slushies – Will & Will“

  1. Das Buch hört sich richtig gut an, und es eines von John Green, von dem man noch nciht so viel gehört hat. Ab damit auf die WuLi.
    Ich habe momentan auch eine Jugendbuchphase, finde das aber auch nicht schlimm. So manches Jugendbuch hat mir schon viel mehr tiefgründige Gedanken mitgegeben, als Kafka es je schaffen wird. ;)
    Liebe Grüße
    Ciri

      1. Liebe Eva, immer wieder gerne ;)
        Ja, es ist auch nicht so, als hätte ich allen anderen Büchern abgeschworen, ich glaube, ich habe nur eine kleine Phase. Spätestens im Herbst möchte ich mich auch wieder mehr der Rory Gilmore Liste widmen.
        Ich lese zur Zeit unheimlich gerne die Luna-Chroniken.

      2. Liebe Ciri,

        von den Luna-Chroniken habe ich auch schon gelesen. Aschenputtel als Cyborg klang gut. Uh, ja – diese Liste ist auch wirklich lang. Ich bin gespannt, ob Pia bald mal wieder ein Update veröffentlicht. :)

        Liebe Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s