Texthäppchen I

Ich habe einen Bücherstapel in meinem Zimmer, der immer höher wächst. Bald kann ich die Tür nicht mehr aufmachen. Deshalb habe ich mir das Mini-Format Texthäppchen überlegt, in dem ich euch ganz kurz sage, warum die Bücher grandios waren – oder eben nicht. Und bevor ich hinter meinem Bücherturm verschwinde, schreibe ich lieber ein paar Sätze zu den Romanen, bei denen es für mich nicht für eine länge Rezension gereicht hat, zu denen ich euch aber trotzdem etwas sagen möchte.

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Mirko Bonné – Nie mehr Nacht

Markus reist mit seinem fünfzehnjährigen Neffen in die Normandie, weil er für ein Kunstmagazin eine alte Brücke zeichnen soll, die 1944 bei der Landung der Allierten eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Reise an die französische Küste wird unversehens zu einer Reise in die Vergangenheit und in die Abgründe von Markus‘ Leben. Genial geschrieben, schwebend und gleichzeitig verstörend, unglaublich tragisch und gleichzeitig spannend. Ein toller Roman, den ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde.

Julia Wolf – Walter Nowak bleibt liegen

Walter Nowak schwimmt jeden Morgen seine Bahnen im Freibad, bis ihn etwas aus der Fassung bringt. Unbeweglich liegt er auf dem Boden seines Badezimmers, während seine Vergangenheit in einem langen Gedankenstrom an ihm vorbeizieht. Er erinnert sich an den Versuch für seine Mutter ein Elvis-Autogramm zu erstehen, an seine erste Frau Gisela, an ihren Schweinebraten (der Schweinebraten spielt eine wirklich wichtige Rolle!), seinen Sohn Felix, der ihm schon lange fremd geworden ist,  und er erinnert sich an die Diagnose, die ihm der Arzt gestellt hat…. Julia Wolf stand mit ihrem Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und hat beim Bachmann-Wettbewerb teilgenommen. Ich fand Walter Nowak sehr experimentell, lustig, ein bisschen traurig und wirklich toll geschrieben.

Olga Grjasnowa – Gott ist nicht schüchtern

Hamoudi und Amal, zwei syrische Flüchtlinge, die irgendwie ihren Weg nach Deutschland finden. Während Hamoudi eigentlich in Frankreich lebt, darf er nach einer Reise in sein Heimatland nicht mehr zurückkehren. Als der Chirurg im Krieg auch dazu gezwungen wird, Kämpfer des IS zu behandeln, plant er seine Flucht. Amal ist engagiert und setzt ihre Existenz aufs Spiel, weil sie sich für die Demokratie einsetzt. Amal und Hamoudi landen in Berlin, doch das heißt noch lange nicht, dass sie in Deutschland angekommen und sicher sind. Grjasnowa ist mit einem syrischen Schauspieler verheiratet, natürlich schreibt sie sehr engagiert, auch über die Grausamkeiten des Krieges. Das ist sehr bewegend. Die Figuren Hamoudi und Amal empfand ich hingegen als ein wenig stereotyp, das gefiel mir nicht so gut.

 

Was habt ihr als letztes gelesen?

 

Mirko Bonné – Nie mehr Nacht. Fischer 2013.

Julia Wolf – Walter Nowak bleibt liegen. Frankfurter Verlagsanstalt 2017.

Olga Grjasnowa – Gott ist nicht schüchtern. Aufbau Verlag 2017.

 

 

 

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