Texthäppchen II

Ich habe einen Bücherstapel in meinem Zimmer, der immer höher wächst. Bald kann ich die Tür nicht mehr aufmachen. Deshalb habe ich mir das Mini-Format Texthäppchen überlegt, in dem ich euch ganz kurz sage, warum die Bücher grandios waren – oder eben nicht. Und bevor ich hinter meinem Bücherstapel verschwinde, schreibe ich lieber ein paar Sätze zu den Romanen, bei denen es für mich nicht für eine länge Rezension gereicht hat, zu denen ich euch aber trotzdem etwas sagen möchte. Den letzten Beitrag zu diesem Format findet ihr hier.

Texthäppchen II (2)

Carol Rilka Brunt – Sag den Wölfen, ich bin Zuhause 

Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen, die Ich-Erzählerin June. Der wichtigste Mensch in Junes Leben ist ihr Onkel Finn, der Bruder ihrer Mutter, den sie gemeinsam mit ihrer Schwester Greta und ihrer Mutter häufig besucht. Finn ist ein berühmter Maler, der aufgehört hat, seine Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er arbeitet an diesen Besuchsnachmittagen an einem Porträt seiner beiden Nichten. Aber sie sehen sich auch zu zweit: June und ihr Onkel haben eine innige, vertraute Beziehung miteinander. Als Finn an den Folgen einer HIV-Infektion stirbt, ist Junes Mutter geschockt. Es sind die 1980er Jahre, Aids ist ein Tabuthema. Auf Finns Beerdigung sieht June einen schüchternen jungen Mann. Er hinterlässt ihr eine Nachricht, bevor er verschwindet. Toby war der Lebensgefährte von Finn, ihr Onkel hat seiner Familie nie seinen Freund vorgestellt. Toby und June freunden sich an und stellen fest, dass gegen Trauer nur ein Mittel hilft: Freundschaft und Zusammenhalt. Ein Buch über die erste Liebe, Geheimnisse, Freundschaft und Vergebung – geht ganz tief ans Herz.

Naomi Alderman – The Power

Wahrscheinlich die beste Dystopie, die ich dieses Jahr gelesen habe. In Naomi Aldermans viertem Roman sind Frauen das starke Geschlecht. Sie dominieren die Wirtschaft, das Militär, die Politik, die Religion. Was diesen Wandel hervorgerufen hat, erfahren die Leser_innen in Rückblenden. 14- jährige Mädchen entdecken, dass ihnen ein besonderer Muskelstrang gewachsen ist, der ihnen die Fähigkeit verleiht, Stromschläge zu verteilen. Mit einer einzigen Bewegung können sie verletzen, lähmen, sogar töten. Als klar wird, dass junge Mädchen diese Gabe auch in älteren Frauen erwecken können, steht die Gesellschaft vor einem unglaublichen Wandel – mit ungeahnten Folgen. Spoiler: Nein, die Welt wird nicht zu einem schöneren und besseren Ort, nur weil auf einmal Frauen an der Macht sind. Deswegen ist der Roman so lesenswert. Ein geniales Gedankenexperiment, das mich begeistern konnte.

E. Lockhart – We were liars

Mein Überraschungsbuch des Sommers. Die fünfzehnjährige Cadence Sinclair Eastmen hat eine sehr reiche Familie. Ihr Opa besitzt eine eigene Insel, Beechwood Island in Massachusetts. Jedes Jahr verbringt sie den Sommer dort – zusammen mit ihrer Mutter, ihren zwei Tanten und ihren Cousins und Cousinen. Für jede seiner Töchter hat Cadence Opa  ein eigenes Haus auf der Insel gebaut. Cadence und ihre Cousins und Cousinen werden von der Familie nur „the liars“ genannt. Dann erleidet Cadence eine Kopfverletzung, infolgedessen auch einen kurzzeitigem Gedächtnisverlust. Was passiert ist, weiß sie nicht mehr. Ihre Mutter verbietet ihr den jährlichen Familienurlaub und schickt sie auf eine Europareise. Cadence versteht nicht, warum sie nicht mehr auf die Insel darf. Die anderen liars ignorieren sie. Cadence muss sich der Vergangenheit stellen auch wenn ihr niemand verraten will, was passiert ist. Als Leser_innen kennen wir nur die Perspektive von Cadence und begleiten sie durch ihren Sommer, in dem sich vieles von dem, was sie in ihrer Familie für selbstverständlich hält, als falsch herausstellt. Ein wahnsinnig spannender und sehr dramatischer Young-Adult-Roman mit einem absolut überraschenden Ende.

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Welche Romane habt ihr zuletzt gelesen?

 

E. Lockhart – We were liars. Hot Key Books 2013.

Carol Rilka Brunt -Sag den Wölfen, ich bin Zuhause. Aus dem amerikanischen Englisch von Frauke Brodd. Eisele 2018.

Naomi Alderman – The Power. Penguin Books 2016

 

5 Kommentare

  1. Meine letzten Romane:
    Sally Rooney, Normal People – Eine Liebesgeschichte ganz ohne Kitsch, die es von der Longlist leider nicht auf die Shortlist des Man Booker Prize geschafft hat.
    Judith Arendt, Helle und der Tote vom Tivoli – ein Skandinavienkrimi von einer deutschen Autorin, solide Unterhaltungsliteratur für Regentage

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