Der Bücherdrache

Zamonien ist mittlerweile fast 20 Jahre alt. Der Schöpfer dieses schönen Kontinents ist Walter Moers, dem wir nicht nur die Übersetzung der fantastischen Werke von Hildegunst von Mythenmetz zu verdanken haben , sondern der sich schon mit Käpt’n Blaubär in mein Leser*innenherz geschlichen hat. Auch sein neuestes Werk Der Bücherdrache spielt wieder in Zamonien und aufmerksame Leser*innen werden einige bekannte Schauplätze wiederentdecken.

Zamonien ist das Land der Literatur, der Literaturliebhaber*innen, der Schriftsteller*innen und der gefährlichen Bücher. In der Hauptstadt Buchhaim treffen sich alle, die mit Büchern im Weitesten Sinne zu tun haben. Das ist nicht immer ungefährlich. Manche Bücher haben Reißzähne, andere sind tödlich. Nur gewiefte Bücherjäger*innen können mit ihnen umgehen. Unter der Stadt erstreckt sich ein Tunnelsystem aus Katakomben und versteckten Gängen: im Labyrinth der träumenden Bücher haben sich schon viele Mutige verirrt. Die Geschichte um den Bücherdrachen Nathaviel spielt in einer ähnlich wilden Gegend – im Ormsumpf versucht ein Grüppchen wilder und ausgesprochen wagemutiger Buchlinge den sagenumwobenen Bücherdrache zu finden. Natürlich ist auch Hildegunst von Mythenmetz wieder mit von der Partie, allerdings fungiert der grandiose Schriftsteller als Gesprächspartner für seinen Buchling, Hildegunst 2.

Wir erinnern uns kurz zurück: alle Autor*innen in Zamonien haben einen Buchling, ein kleines und belesenes einäugiges Wesen, dessen Daseinszweck darin besteht, die Werke der großen Schriftsteller*innen auswendig zu lernen, damit sie nicht verloren gehen. Da kann man es als Buchling sehr leicht haben, wenn man jemanden repräsentiert, der nur ein Debüt verfasst hat und danach wieder von der Bildfläche verschwunden ist und den folglich das Orm, also der Musenkuss auf Zamonisch, nur einmal ereilt hat oder eben relativ schwer, wenn man die Werke von jemandem auswendig lernen muss, der am laufenden Band Geschichten produziert und dessen Orm sehr stark ist. Hildegunst 2 hat wie viele seiner zyklopenartigen Kolleg*innen eigentlich seine Daseinsberechtigung durch das Wiederholen der Texte von Mythenmetz gefunden. Aber hier geht es tatsächlich anders los: der unscheinbare Einäugige und seine Gang aus Buchlingsfreunden wird überraschend in ein Abenteuer verwickelt, denn auf ihn wartet im Ormsumpf ein Bücherdrache. Und warum sollen Buchlinge nicht auch endlich einmal die Helden einer Geschichte werden?

Um den Drachen Nataviel ranken sich viele Legenden und Spekulationen, denn er ist ganz tief in den Katakomben Buchheims versteckt. Nataviel ist ein mythisches Wesen, denn der Drache weiß auf fast alle Fragen eine Antwort, er spricht alle Sprachen Zamoniens und seine Schuppen bestehen aus alten Büchern. Außerdem ist er ein schlauer Gesprächspartner, der Dialog zwischen Hildegunst 2 und Nataviel hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Die Illustrationen von Moers sind fantastisch und runden diese schöne Geschichte ab. Einziges Manko: sie war mit knapp 186 Seiten viel zu kurz! Ich hätte gerne noch mehr von Hildegunst 2 und seinen Freunden gelesen.

Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank!

Walter Moers: Der Bücherdrache. Ein Roman aus Zamonien von Hildegunst von Mythenmetz. Aus dem Zamonischen übertragen und illustriert von Walter Moers. Penguin Verlag 2019.

Autor: the lost art of keeping secrets

32. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.