Buchblog Award 2017 – „Dabei sein ist alles“

NetGalley und der Deutsche Börsenverein vergeben in diesem Jahr das erste Mal den Buchblog-Award für den besten deutschsprachigen Blog. Einen Sonderpreis gibt es für den schönsten Bookstagram-Account. Die Preise werden in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse vergeben. Eine wirklich große Sache also.

Manchmal neige ich zu Kurzschlussreaktionen. In einem wahnwitzigen Moment in der Bewerbungsphase, dachte ich mir ganz sportlich: „Warum denn eigentlich nicht?“

Mein Blog ist klein und ich kann es mir kaum erklären, aber ich habe es tatsächlich auf die Longlist geschafft. Jetzt stehe ich da – neben unzähligen fantastischen Buchblogger*innen. Großes Kino.

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Ich freue mich sehr und fühle mich geehrt, auch wenn ich mir keine realistischen Chancen auf irgendetwas ausrechne. Wenn es um die Shortlist geht, halte ich das eher so wie damals zu Schulzeiten mit den Bundesjugendspielen…

Dabei sein ist alles! 

Vom 01. bis zum 11. September läuft ein Voting für die Shortlist. Falls ihr Lust habt, klickt doch einmal hier vorbei und lasst mir eure Stimme da. Als Dank bekommt ihr von mir virtuelle Kekse und ich wünsche euch ewige Schönheit. Ich freu mich sehr.

Merci! 

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Himbeeren mit Sahne im Ritz

Lust auf Nachtisch? Auf kleine, kurze Erzählungen mit Witz und Ironie? Hatte ich auch. Himbeeren mit Sahne im Ritz, ein Kurzgeschichtenband von Zelda Fitzgerald, klang erst einmal ziemlich gut.

Himbeeren mit Sahne im Ritz bearbeitetFitzgerald? Ui, muss ich lesen. Und nein, nicht ihn. Sie! Zelda. Das It-Girl der Zwanziger Jahre war nicht nur Balletttänzerin und Malerin, sie konnte auch schreiben und soll auch bei vielen Texten ihres Mannes – vorsichtig  formuliert – „involviert“ gewesen sein. Und zwar nicht nur als Muse, sondern als kreativer Kopf. Tatsächlich hat Scott einfach Teile ihrer Tagebücher zu „Inspirationszwecken“ genutzt. Vermarktet wurden die Geschichten dann unter seinem Namen, das kam besser beim Publikum an.

Nachdem Zelda nicht mehr als Koautorin genannt wurde, brachte zum Beispiel die Veröffentlichung von Das Mädchen und der Millionär nicht mehr schlappe 500, sondern sage und schreibe 4000 Dollar ein. Man kann sich vorstellen, wie deprimierend diese Erfahrung für Zelda gewesen sein muss. Ihr erstes Buch, Save Me the Waltz, konzipiert als Enthüllungsroman, wurde von ihrem Ehemann um über 100 Seiten gekürzt. Details aus dem Privatleben des Paares wurden von Scott gestrichen, zu dem Zeitpunkt hatte Zelda schon angedroht, ihren Ehemann zu verlassen und auch finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.  Scott notierte 1933 in sein Notizbuch:

„Angriff auf allen Ebenen: Theaterstück (unterdrücken), Roman (verzögern), Bilder (unterdrücken), Charakter (angreifen), Kind (entfremden), Tagesablauf (durcheinanderbringen, um Schwierigkeiten zu machen). Kein Maschinenschreiben. Wahrscheinliches Resultat: neuer Nervenzusammenbruch.“

Scott Donaldson: Fool for Love. F. Scott Fitzgerald, New York 1983, S. 86

Zelda war immer wieder in unterschiedlichen Psychiatrien, auch wenn die Ärzte es ablehnten, ihrem Mann einen Freifahrtschein auszustellen, der es ihm erlaubt hätte, sie jederzeit einweisen zu lassen. Scott konnte sich nicht durchringen, in die Scheidung einzuwilligen. 1940 konnte Zelda aus der Klinik entlassen werden, weil ihr behandelnder Arzt eine Patientin vergewaltigt hatte.  Ihr Mann war zu dem Zeitpunkt schon verstorben. Zelda selbst starb 1948 bei einem Brand in einer anderen Nervenklinik.

„Im Stillen erwartete sie Großes vom Leben, und zweifellos war das einer der Gründe, warum das Leben ihr Großes gewährte.“

(aus der Erzählung Unsere Leinwandkönigin)

In dem Kurzgeschichtenband, übersetzt von Eva Bonné, findet sich unter den elf Kurzgeschichten auch eine bisher unveröffentlichte Erzählung. Alle Erzählungen drehen sich um selbstbewusste Frauen, die ihr Glück und ihre Selbstverwirklichung in der Kunst suchen. Showgirls, angehende Schauspielerinnen und Tänzerinnen – sie alle suchen keinen Mann für’s Leben, sondern verbreiten den Glamour von Champagner, Perlen und großen Träumen. Es geht um Selbstinszenierung und rauschende Partys, aber es finden sich auch viele assoziative Passagen oder Aphorismen.

„Für viele Menschen ist die Liebe so trügerisch wie die Marmelade in „Alice im Wunderland“ – gestern Marmelade, morgen Marmelade, nur heute gibt es keine.“

(aus der Erzählung Miss Ella)

Zelda Fitzgerald hat einen Blick für kleine Details und atmosphärische Beschreibungen, auch wenn ihre Charaktere oft wie Figuren auf einer Bühne wirken. Relativ eindimensional und ohne ausgeprägte hervorstechende Eigenschaften. Abgesehen von ihrem Dasein als Flappergirls im Jazz Age (was auch immer das heißen mag) und ihren großen Träumen, haben sie wenig gemeinsam – und doch sind ihre Geschichten ähnlich.

Sie war sehr kaleidoskopisch. Manchmal saß sie nur da, trank Unmengen und verfiel gegen Ende des Abends in einen britischen Akzent; bei anderen Gelegenheiten rührte sie keinen Alkohol an, aß einen Teller Spargel mit Sauce hollandaise nach dem anderen und schwor, ins Kloster zu gehen.

(aus der Erzählung Die erste Revuetänzerin)

Und das wurde mit der Zeit leider recht langweilig. Die Geschichten ähneln sich, die Probleme ähneln sich – da kann auch die feine Ironie der Erzählerstimme nicht mehr helfen. Der charmante Plauderton, in dem die Erzählungen gehalten sind und der mich zunächst für den Band eingenommen hat, reicht einfach nicht aus um die Belanglosigkeit der Erzählungen zu tragen. Die Geschichten verschwimmen ineinander und irgendwann spielt es keine Rolle mehr, ob Daisy oder Gracie oder Gay gerade Champagner mit ihren Freunden trinken oder von ihrem Durchbruch als Leinwandsternchen träumen. Sie sind  sich ja doch alle zu ähnlich, als dass ich im Nachhinein noch wüsste, wer wie an seinem Dasein vor sich hin leidet und auf den großen Moment wartet. Die Kurzgeschichten sind nett, wenn man nicht alle auf einmal lesen möchte. Aber anders als bei Alice Monroe oder Julie Orringer fehlt das gewisse Etwas, dass die Geschichten zu einem besonderen Leseerlebnis machen. Schade. Ich gehe jetzt Himbeeren essen. Ohne Sahne. Auf dem Balkon.

Zelda Fitzgerald – Himbeeren mit Sahne im Ritz. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva Bonné. Manesse Verlag 2016.

Ich habe den Kurzgeschichtenband als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank an den Verlag.

 

[Sonntagsjazz] All I Ask

Vor acht Jahren ist Adele erstes Album erschienen. 19 war lange Zeit mein Lieblingsalbum. Mittlerweile finde ich auch Coverversionen ganz spannend, auch wenn ich glaube, dass fast keiner an Adeles Stimme herankommt. Außer Jenny. ;)

John Saga hat All I Ask von Adele toll gecovert und Will B. Bell hat eine Ballettchoreo dazu entwickelt, die einfach wunderschön ist. DJ Smart und Zola Williams harmonieren perfekt miteinander und das gesamte Editing dieses kurzen Tanzclips gefällt mir sehr. Ich glaub, ich habe das Video mittlerweile schon zehn Mal gesehen. Diese Technik und es sieht alles so leicht aus *-*

 

Was lest ihr gerade? Ich lese gerade Schuld war Elvis und Hippiesommer und nächste Woche bekommt ihr hoffentlich auch mal wieder eine Rezension von mir.

Lasst es euch gut gehen, habt einen wunderschönen Sonntag! :)

Frohes Neues!

Das neue Jahr ist zwar schon genau eine Woche alt, aber ich habe mich hier noch nicht zu Wort gemeldet. Ich war zu Hause und unterwegs und dann bin ich einfach in ein paar wunderbaren Romanen versunken und war verschwunden. Aber jetzt bin ich wieder hier.

Ich bin gespannt, was alles noch in diesem Jahr passieren wird und wünsche mir viele gute Romane und inspirierende Gedanken und Musik.

Schön, dass ihr hier seid und weil ich noch nicht dazu gekommen bin, meine Lieblingsbücher aus dem letzten Jahr zusammenzusammeln und einen Blogeintrag dazu zu schreiben, bekommt ihr meine Lieblingslieder 2015.

Ganz einfach, weil ich das kann und ich mich durch Nadia inspiriert gefühlt habe. ;)

CHVRCHES – Leave a Trace

Of Monsters and Men – Hunger

Aron Chupa – I’m an Albatraoz

Foo Fighters – Learn To Fly

K.I.Z. feat. Henning May – Hurra, die Welt geht unter

Fifth Harmony – Worth It feat. Kid Ink

Lena – Traffic Lights

Deichkind – Porzellan und Elefanten

Conor Oberst – Artifact 1

 

 

 

 

 

 

 

[Sonntagsjazz] Talia Favia – Let it go

Hohoho! Keine Sorge, es gibt keine Weihnachtstanzvideos. Und dabei habe ich wirklich lange gesucht. Aber egal ob Jingle Bell Rock oder All I Want For Christmas Is You, so richtig überzeugen konnte mich keine Variante. Zu Santa-Claus-lastig. Deswegen gibt es hier gerade keine Weihnachtsstimmung, aber die gibt es wahrscheinlich um euch herum auch schon überall. Im Moment packe ich im Weihnachtsgeschäft Geschenke ein und weiß wovon ich rede … Also ist das gerade nicht tragisch, dass dieser Blog erst einmal noch weihnachtsfreie Zone bleibt. ;)

Talia Favia choreografiert bei der US-amerikanischen Castingshow „So you think you can Dance“ und hat eine eigene Contemporary Gruppe „The Difference Between“. Courtney Schwarz und Chaz Buan, der schon für Madonna tanzte, sehen zusammen einfach wunderschön aus. Das Video wurde von Tim Milgram produziert, der eigentlich auch professioneller Tänzer ist, aber mittlerweile vor allen Dingen recht hübsche Tanzvideos dreht und zum Beispiel schon mit will.i.am zusammen gearbeitet hat. Wenn er gerade keine Tanzvideos dreht, macht er Werbung. Für Klamotten, Monster High oder Sojasauce. Und zwar in genau dieser Reihenfolge.

Das Video ist Teil des YouTube-Kanals Dance On, der für sein neues Projekt einiges verspricht:

„DanceOn’s „James Bay – Let It Go | A Breakup Story“ is the premiere episode of ARTIST REQUEST, a weekly series that pairs emerging music artists with industry-leading choreographers and dancers.“

Ich bin gespannt, was da wohl noch Schickes auf uns wartet und habe den Kanal gleich abonniert. Und jetzt mache ich auch Werbung! ;)

 

Ich wünsche euch einen schönen zweiten Advent!

Der Lovelybooks Leserpreis 2015

Hallo ihr Lieben,

noch bis zum 24. November könnt ihr auf Lovelybooks darüber abstimmen, welche Romane den Leserpreis 2015 bekommen sollen. Der Leserpreis geht mittlerweile in die siebte Runde und ist der größte von Leser_innen vergebene Buchpreis im deutschsprachigen Raum. Das Wichtigste: er wird allein von uns bestimmt. Keine Fachjury und keine Expert_innen entscheiden, sondern wir.  Es stehen 10 unterschiedliche Kategorien zur Auswahl, die Romane mit den meisten Stimmen werden am 26. November bekannt gegeben.

Viele meiner Favoriten haben es leider nicht auf die Shortlist geschafft. Ich hätte gerne Der Dieb in der Nacht, Lieber Mr. Salinger oder In guten Kreisen in der Kategorie Romane weiter vorne gesehen. Und einige meiner Favoriten haben komplett gefehlt und im Umzugsstress habe ich auch vergessen, selbst noch Romane zu nominieren. -.-

Ich bin gespannt.

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[Sonntagsjazz] Levis Ballett Commercial

Zufällig habe ich diesen Clip letzte Woche bei YouTube gefunden. Ein Tänzer und eine Tänzerin begegnen sich und lassen sich durch die Stadt treiben. Gemeinsam. Das es sich um Werbung handelt, wurde mir erst in den letzten Sekunden klar. Die Levi Strauss Kampagne ist mittlerweile auch schon drei Jahre alt und eine interessante Kooperation mit dem südkoreanischen Staatsballett, gedreht wurde in Seoul. Ballett und Kommerz – ja, geht das denn? Ich finde schon, dass die Idee aufgeht, ohne dass das beworbene Produkt den Künstler_innen die Show stiehlt. Auch wenn ich nicht sofort wusste, worum es in dieser Werbung eigentlich geht. Es hätten auch Dancesneaker beworben werden können. Die Jeanskollektion heißt Stretch To Fit und da haben sich die Marketingmenschen natürlich gedacht, dass Tänzer_innen in Jeans dieses Konzept am besten veranschaulichen können. Funktioniert, sieht aber auch einfach nur toll aus und macht auch ohne Kaufabsicht sehr viel Spaß.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag! :)