Skulptur Projekte – Beliebte Stellen/Privileged Points

In Amsterdam im Stedelijk Museum hat Nairy Baghramian ihre Skulpturen 2011 das erste Mal gezeigt. Ich war zwar am Wochenende in Amsterdam, aber in der Stadt gibt es so viel zu sehen und wir haben einen Freund besucht, dass wir es leider nicht auch noch ins Museum geschafft haben. Auch im Berliner Kunstverein konnte man die offenen Ringe aus massivem Metall, die mit mehreren Schichten Lackfarbe überzogen wurden, schon in einer Ausstellung bewundern. Die Objekte sind bogenförmig und an vielen Stellen bleiben Tropfen von der Lackierung hängen. Das sieht irgendwie tentakelig-schön aus. Tentakelig oder wattwurmig, ich bin mir noch nicht sicher.

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In Münster stehen die glänzenden Lackkringel an prominenter Stelle auf dem Platz vor dem Erbdrostenhof. Das historische Gebäude wurde 1757 von Johann Conrad Schlaun gebaut. Wenn man Glück hat, kann man durch den Erbdrostenhof laufen. Auf der Rückseite des barocken Palais liegen die tropfigen Einzelteile von zwei weiteren Privileged Points, also diesen Kringelschlangen. Vielleicht warten sie darauf, dass sie zusammengebaut werden?

Unabhängig vom Kunstwerk wurde auch gerade eine Feier vorbereitet, aber ich finde die herumstehenden Tische stören fast gar nicht. ;)

Das Unvollständige ist in jedem Fall gewollt. Baghramian wartet darauf, dass das Werk nach der Ausstellung verkauft wird. Erst dann sollen die Einzelteile zusammengeschweißt und die Kringel wieder hergestellt werden. Gleichzeitig macht sie damit schon jetzt deutlich, dass ihre Kunst eigentlich überall zusammengebaut und aufgestellt werden kann und der Erbdrostenhof nicht unbedingt die einzige beliebte Stelle ist, an der die Skulptur stehen kann. Das gefällt mir.IMG_20170901_134505

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Die Skulptur Projekte 2017 sind in Münster noch bis zum 1. Oktober zu sehen. Privileged Points ist eins von 35 Objekten, die überall in der Stadt verteilt sind.

Der Eintritt ist frei.

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Skulptur Projekte – Nuclear Temple

Auf dem alten Zoogelände in Münster steht eine drei Meter hohe und 2,5 Tonnen schwere Stahlskulptur. Es handelt sich um den „Nuclear Temple“ und ich fand die Skulptur richtig toll. Der Künstler Thomas Schütte ist zum vierten Mal in Münster dabei und damit einmal mehr, als bei der Documenta in Kassel. 2017 hat er in Marl als Pendant zur Kirschensäule in Münster eine Melonensäule errichtet. Das ist für mich eigentlich schon genug Grund, um irgendwann in meinem Leben mal nach Marl zu fahren.  Aber zurück zur Skulptur.IMG_20170729_140623

Sie hat auf jeden Fall etwas von einem Tempel, irgendeinem antiken Kuppelbau vielleicht, an jeder der achte Seiten gibt es einen Torbogen. Das Material ist relativ ungewöhnlich, der runde Tempel besteht aus rostigen Stahlblechen. Im Innenraum befinden sich 16 Stahlwände, die alle auf das Zentrum des „Tempels“ ausgerichtet sind.  Angeblich soll der Kuppelbau an das ehemalige Elefantenhaus im alten Zoo erinnern und verweist damit auch auf Münsters Kolonialgeschichte, wie Nicola Torke im Begleitheft zu den Skulpturprojekten schreibt. In Münsters  Zoologischem Garten wurden von 1879 bis Ende der zwanziger Jahre Menschen ausgestellt. Besonders beliebt waren die „Völker Afrikas“, ein Renner war die „Sudanesen-Karawane“. 1894  kamen mehr als 2000 Besucher täglich in den Zoo, um während der achttägigen Show einen Blick auf die ausgestellten Menschen zu werfen. Die Kasse klingelte und das besondere Spektakel des „großen afrikanischen Hammelfestes“ (vielleicht mit live-Schlachtung – wer weiß) versprach noch mehr Profit. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass gerade diese „Völkerschauen“ zur Verfestigung und Akzeptanz rassistischer und kolonialistischer Perspektiven beitrugen. Auch auf dieses düstere Kapitel Geschichte verweist der Tempel.

Es gibt Menschen, die versuchen, in diese kleinen Türen hineinzukriechen.IMG_20170729_141014 Wirklich hineinkriechen, können aber nur kleine Kinder. Manche von ihnen haben gesehen, dass Licht durch die Kuppel ins Innere des Tempels fällt. Durch die eingesetzten Stahlwände wirkt es so, als wäre der innere Kern des Tempels zersplittert. Nuclear – der Begriff verweist auf zwei Sachverhalte. Zum einen auf den Wesenskern eines Objekts, zum anderen auf atomare Katastrophen. Und sieht der Tempel nicht auch ein bisschen aus wie eine Atombombe? Ob Schütte jetzt auf Hiroshima und Nagasaki anspielt oder eine weitaus aktuellere Katastrophe im Kopf hat, wie Fukushima 2011, sei einmal dahingestellt. Ich habe mich sofort gefragt, ob der Tempel nicht vielleicht auch eine Art Bunker sein soll. Ein Schutzraum (Tempel klingt für mich da passend) für die Zeit nach einer atomaren Katastrophe. Ein Raum, in den nur Kinder passen, weil sie es wert sind, gerettet zu werden. Die Erwachsenen müssen leider draußen bleiben…

Mir hat an dieser Skulptur besonders gut gefallen, dass sie so offen für unterschiedlichste Assoziationen ist.

Was fällt euch ein, wenn ihr den Tempel seht?

 

Die Skulptur Projekte 2017 sind in Münster noch bis zum 1. Oktober zu sehen. Der Nuclear Temple ist eins von 35 Objekten, die überall in der Stadt verteilt sind.

Der Eintritt ist frei.

[The Book Blogger Tag]

Ich habe einen tag gefunden, der mir gut gefallen hat und da ich bisher noch nicht oft bei solchen Aktionen mitgemacht habe, dürft ihr jetzt meine Antwort lesen.

 

1. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Das sind mehrere. Zum einen der Essayband von Karl-Ove Knausgard, in dem ich immer mal wieder lese. Dann „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde und außerdem ein Buch über Nordkorea von Rüdiger Frank und „Ein Gentleman in Moskau“ von Amor Towles.

2. Auf welche Neuerscheinung freust du dich dieses Jahr am meisten?

Ich habe mich sehr auf das neue Buch von Arundhati Roy gefreut, dazu bekommt ihr auch bald eine Rezension und ich freue mich auf Underground Rail Road.

3. Was ist das traurigste Buch, das du jemals gelesen hast?

Das ist eine schwierige Frage. Ich fand Ein wenig Leben zum Teil sehr traurig, aber gleichzeitig auch richtig gut und nicht nur „traurig“. Zumindest hat mich der Roman von Hanya Yanagihara emotional total mitgenommen. Lest dieses Buch! Unbedingt.

4. Welches Buch hat dein Leben besonders geprägt?

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Ich denke, dass es immer wieder Bücher gibt, die eine bestimmte Phase meines Lebens geprägt haben. Das ist – natürlich – Harry Potter und das gesamte Potter-Universum, einfach weil ich danach nie wieder so in ein Fandom eingetaucht bin und mich die sieben Romane sehr lange in meinem Leben begleitet haben. Ich habe das erste Buch mit 11 gelesen und dann immer passend nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung. Bei Band 7 konnte ich dann allerdings nicht mehr warten und musste mir den Roman auf Englisch kaufen. Und jetzt stört mich diese unvollständige Sammlung im Regal – kennt sonst noch jemand das Problem? ;)

5. Wonach sortierst du deine Bücher und wo stapelst du sie?

Ich hatte mal nach Farben sortierte Bücher, aber bin dann dazu übergegangen alphabetisch zu stapeln. Mein innerer Monk feiert das.

6. Was ist das lustigste Buch, das du bisher gelesen hast?

Lustig? Muss ein Taschenbuch gewesen sein. Höhö.

7. An welchen Orten liest du überhaupt?

Ich lese gerne am Wochenende morgens im Bett, ich lese gerne auf meinem Lesesessel und ich lese gerne auf dem Sofa und in der Bahn. Nur im Bus kann ich nicht lesen, da wird mir schlecht.

8. Was ist das spannendste was dir im Bezug zu Büchern bisher passiert ist?

Die Frage ist, wie weit man diesen Bezug auslegen möchte. Ich arbeite als Minijobberin in einer Buchhandlung – da kann man schon interessante Gespräche mit Kund*innen führen. Das ist spannend. Ich bin in meinem Assistentinnenjob für einen Literaturverein mal mit Benedict Wells Taxi zu seiner Lesung gefahren. Das war schon aufregend für mich, aber Benedict Wells ist so ein sympathischer Mensch, da hätte ich mir wirklich vorher keinen Kopf machen müssen.

9. Welches Kinderbuch ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Ich fand Die Teppichpiloten von Knister toll, aber ich fand sehr viele Bücher toll. Es geht um Jakob und seinen Opa, die in einem Museum einen fliegenden Teppich finden. Am meisten mochte ich die Wortspiele. Der Opa nennt sich irgendwann als furchtloser Teppichpilot Hatte Ma Haar. Fand ich super.

10. Wer ist deine Lieblingsautorin / dein Lieblingsautor?

Joey Goebel bleibt da doch ungeschlagen, Herta Müller sowieso, Walter Moers ist da ein Kandidat, Arno Schmidt, Thomas Mann… wie – nur eine*n?! Wie soll das gehen?

11. Wo kaufst du deine Bücher?

Bei medimops, bei rebuy, bei booklooker, beim Amazon Marketplace, auf Flohmärkten, in der Büchergilde Buchhandlung hier in Bremerhaven, bei Thalia….

12. Was ist das gruseligste Buch, das du bisher gelesen hast?

Shining von King. Ich hatte mich wirklich sehr auf die Fortsetzung gefreut, aber Doctor Sleep war wahrscheinlich meine bisherige Enttäuschung des Jahres. Es war wirklich platt und vorhersehbar und überhaupt nicht mehr gruselig. Auf Stephen King habe ich jetzt erst einmal nicht mehr so viel Lust.

13. Welche Buchticks hast du?

Ich bin sehr pingelig, wenn es darum geht, Bücher zu verleihen und leihe Bücher wirklich nur an gute Freunde aus, bei denen ich weiß, dass sie mein Buch gut behandeln. Meine Ausgabe von Ein wenig Leben ist so schon nach Detroit gereist, aber ohne mich. Toll, meine Bücher sehen mehr von der Welt als ich…  Am liebsten sind mir die Menschen, die mir das Buch noch extra verpackt zurückgeben. <3

14. Welches Buch ist das günstigste und welches das teuerste in deinem Regal?

Ich weiß, dass Zettel’s Traum in meinem Regal definitiv das teuerste Buch ist. Und wahrscheinlich auch das dickste. Und das größte. Und das Buch, das am wenigsten gut zu transportieren ist. Und das mit den meisten Spalten … und vielleicht auch das Buch, das am schwersten zu lesen ist. ;)

15. Welches Buch hat dich am meisten enttäuscht?

Zack, verdrängt. Ich weiß es nicht mehr. Meine Enttäuschung des Jahres habe ich ja schon genannt. So eine nicht zu vergessende Enttäuschung, die ich hier auch festgehalten habe, ist Elf Minuten von Paulo Coehlo. Wenn euch dieses Buch interessiert, findet ihr ein Verriss dazu auch auf diesem Blog. ;)

Wenn ihr auch Lust habt, die Fragen zu beantworten, ich habe den tag bei livricieux gefunden.

Nirvana – Das Projekt

Gestern wäre Kurt Cobain 50 Jahre alt geworden. Ich stellte also IN UTERO und NEVERMIND auf Repeat und dachte ein bisschen über den Sänger von Nirvana nach. Und ich plane ein Projekt, das mit meiner Lieblingsband zu tun hat, aber dazu später mehr.

Kurt Cobain begegnete mir das erste Mal auf einer CD, die ich bei meinem Papa im Regal fand. IN UTERO sah echt gruselig aus und hörte sich fantastisch an. Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine Musik gehört. Kurz danach gab es ein Special über Nirvana auf MTV, zu einer Zeit – damals- , als man für gute Musikvideos noch kein Geld bezahlen musste. Jetzt fühle ich mich sehr alt.

24 Stunden Nirvana, Musikvideos, Specials, alte Interviews und das legendäre MTV Unplugged. Mein 13-jähriges Ich entwickelte einen ziemlichen Crush für den schmächtigen blonden Sänger, der sich in seinen Liedern sprichwörtlich seine Seele aus dem Leib kotzte. Ich verstand die Lyrics nicht immer, aber ich war schon sehr verliebt. In eine Rocklegende, die zu dem Zeitpunkt schon mehrere Jahre tot war. Ich begann die Alben von Nirvana zu sammeln, Zeitungsausschnitte aufzuheben und Poster von Kurt in meinem Zimmer aufzuhängen.

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(Einige Jahre vorher hing da noch die Kelly Family – ok, Internet, ich weiß, es braucht immer einen Mutigen, der/die die Wahrheit ausspricht. Ich hab’s hingeschrieben, wie ihr seht verlief meine musikalische Sozialisation  wild, ereignisreich und relativ eklektisch.)

Da jedes Jahr dieselben Specials auf MTV wiederholt wurden und jede von mir gefeierte Zeitschrift von Bravo bis Popcorn (Kennt die noch jemand? Gibt’s die noch?) das Material der vorherigen Specials recycelte, wuchs mein Sammelordner relativ schnell. Ich kaufte mir eine Band-Biographie. Später sah ich mir einen Film von Gus van Sant an, den ich nicht verstand (Last Days, 2005). Außerdem las ich alles über Courtney Love. Und von Verschwörungstheorien zu Kurts Tod. Und dem Club 27. Ich wusste, dass der Titel des am meisten gespielten Songs von Nirvana Smells like Teen Spirit der Legende nach, durch ein schnödes Deo inspiriert wurde (Stichwort: Bikini Kill) und dass Kurt und Courtney ihre Tochter Francis „Bean“ nannten, weil sie fanden, dass Francis auf dem Ultraschallbild so klein „wie eine Bohne“ aussah. Weiterlesen „Nirvana – Das Projekt“

Buch-Date III

Ein Date ist eine schöne Sache, ein Date mit einem Buch manchmal sogar noch besser. Zeilenende und wortgeflumselkritzelkram haben zum dritten Buchdate gerufen. Nachdem mir von Tausend schon drei Bücher empfohlen wurden, darf ich jetzt Zeilenende drei Bücher empfehlen. Weil ich letzte Woche krankheitsbedingt darniederlag, leider alles etwas verspätet.

Und das waren Zeilenendes Hinweise:

Die letzten drei Bücher, die du gelesen hast?

Siegfried Lenz – Das Vorbild (Super Stil)
Michael Nast – Generation Beziehungsunfähig (Unter viel ermüdendem Blabla zumindest ein paar intelligente Gedanken entdeckt)
Jonathan Stroud – Bartimäus. Das Amulett von Samarkand (durchschnittlich gute Urban Fantasy Geschichte mit viel Luft nach oben)

Dein Lieblings-Genre?

Science Fiction

Deine drei liebsten Autor*innen?

John Irving, C. S. Forester, Stanislaw Lem

Gibt es etwas, das du überhaupt nicht lesen willst?

Die „Zu“-Bücher: Zu blutrünstig, Zu gruselig, Zu schmalzig, Zu unsauber recherchiert (Spezialkriterium für Historische Romane 😉 ) Ansonsten lese ich alles von leichter Unterhaltung aus dem Regal „Starke Frauen“ bis zu schwerer Übersetzung (das Gegenteil von Unterhaltung) aus der Abteilung „Metaphysik für Fortgeschrittene“.

Tja, was soll ich sagen. Metaphysik für Fortgeschrittene ist jetzt so gar nicht meins, aber ich habe da ein paar andere Ideen. 😉

1) Arno Schmidt – Die Gelehrtenrepublik

Die Gelehrtenrepublik (1957) ist ziemlich durch und macht sehr viel Spaß und ich habe gerade Lust, dir Arno the Schmidt zu empfehlen. Worum geht es? Der fiktive Urgroßneffe von Arno Schmidt, Charles Henry Winer (höhö!), macht als ausgewählter Reporter eine Reise zur IRAS (International Republic for Artists & Sciences). Wir schreiben das Jahr 2008, Europa ist dank atomarer Katastrophe verstrahlt und wichtige Künstler und Wissenschaftler finden auf der Insel IRAS ideale Bedingungen um in aller Ruhe Hochkultur zu produzieren. Das ganze läuft natürlich anders ab, als Charles Henry sich den Besuch der hohen Stätte der Kultur so vorstellt. Es gibt wilden Zentaurensex, viele Fragen um Kunst, Kultur und das Leben von Schriftstellern und noch ein bisschen Kalten Krieg dazu. Sehr lesenswertes Ding und auch wenn ich meine Masterarbeit darüber geschrieben habe – würde ich den Roman immer wieder lesen. ;) Und auch wenn in der Wissenschaft diskutiert wird, ob Arno jetzt Science-Fiction geschrieben hat, oder nicht – dystopisch wird es auf jeden Fall!

2) Xu Zechen – Im Laufschritt durch Peking

Dunhuan, Mitte zwanzig, will in Peking eine Menge Kohle machen und schließt sich einer Bande von Dokumentenfälschern an, bis er im Knast landet. Drei Monate sitzt er, dann kommt er wieder raus und landet erneut auf der schiefen Bahn. Er lernt Xiaorong kennen, mit der er illegal DVDs verkauft, aber dann kommt ihr Ex zurück und Dunhuang ist wieder alleine. Der Sandsturm kommt und dann trifft er Qibao… Im Laufschritt durch Peking ist das letzte Buch, das ich gelesen habe. Und es ist toll. Xu Zechen schreibt sehr lakonisch, direkt und atmosphärisch schön. Es geht darum, in einer riesigen Stadt wie Peking irgendwie zu Geld zu kommen, wenn man eigentlich keine Möglichkeiten hat, etwas zu ändern. Ich habe mich – zumindest von der Atmosphäre her – an Lost in Translation erinnert, aber Im Laufschritt durch Peking ist sehr viel temporeicher und tragischer.

3) Sylvain Neuvel – Sleeping Giants

Meine Rezension findest du hier.

 

Lieber Ulf,

ich bin schon sehr gespannt, für welches Buch du dich entscheiden wirst und wünsch dir ganz viel Spaß beim Lesen!

 

 

 

[Rezension] Weihnachtsgeschenk für Serienfans- Eat like a Gilmore

The Girls are back in town! Als Netflix im November eine neue Serie Gilmore Girls präsentierte, war die Fangemeinde gespalten. Ich habe mittlerweile mit vier Freund*innen das Revival durchdiskutiert, denn ich hatte immensen Redebedarf nach den #famouslastwords. Unendlich viel Redebedarf. Gut, dass andere Fans nicht nur reden, sondern gleich ein Kochbuch schreiben.

Seit der Donna-Reed-Episode wollte Kristi Carlson ein Kochbuch für die Fans der Gilmore Girls herausgeben, das ist mittlerweile schon fünfzehn Jahre her. Dank Kickstarter konnte das tolle Projekt der Autorin aus Michigan schließlich realisiert werden. Echte Fans kommen bei der Kochbuchidee natürlich ins Grübeln. Essen wie Lorelai und Rory? Chinesisch bestellen, Pizza liefern lassen und Al’s Pancake World ansteuern – wozu brauchen wir da ein Kochbuch? Weder Mutter noch Tochter sind dafür bekannt, dass sie in der Serie viel Zeit in der Küche verbringen. Eher im Gegenteil. Es wird gelesen (deswegen bin ich auch mit dieser monströsen Rory-Gilmore-Lesechallenge beschäftigt – vermutlich bis ich achtzig bin), es werden Filme geguckt und für kulinarische Höhepunkte sorgen andere. Entsprechend gliedert sich auch das Kochbuch in unterschiedliche Örtlichkeiten von Stars Hollow in denen es eben mehr Auswahl gibt, als bei Al. Sortiert nach „Luke’s Diner“,  „Sookies Küche“, „Rory kocht“, „Emilys Haus“ und dem wunderbaren Punkt „Stadtspezialitäten“, kann man einen kulinarischen Rundgang durch Stars Hollow wagen. Das gefällt mir sehr.

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Ich bin keine großartige Küchenfee, aber ich probiere manchmal gerne Dinge aus. Und das macht noch mehr Spaß, wenn dazu noch die passende Folge erwähnt wird, in der das Gericht vorkommt. Erinnert sich noch jemand an die Folge, in der Rory, Lane und Paris den Gründerväter-Punsch probieren und der Abend für Rory in Lorelais Badezimmer endet? Das Rezept gibt es im Kochbuch, die Mischung aus Wodka, Brandy und Apfelwein erklärt auch den Ausgang des Abends.;) Wer schon einmal Sookies Gurken-Minz-Sandwiches probieren wollte, kriegt mit diesem Rezept genug Inspirationen und Lukes Cheeseburger oder Emilys Lachshäppchen und der fantastische Coctail „The Birthday Girl“ dürfen natürlich auch nicht fehlen. Neben Burger & Sandwich findet man eben auch Muffins, Brote, Suppen, Pasta- oder Fleischgerichte. Und das extra Kaffee Kaffee Kaffee – Kapitel lässt einen auch jeden langen Tag oder ausgedehnten Serienmarathon überstehen.

Neben den tollen Bildern gefällt mir vor allen Dingen, dass die Rezepte möglichst leicht verständlich sind und keine ellenlange Liste an Küchenequipment erfordert. Man muss keine Sookie sein, um die Muffin oder Scones Rezepte nach zu backen, allerdings braucht man manchmal spezielle Zutaten, die nicht jeder Supermarkt hat. Für Twinkies braucht man zum Beispiel Fluff – aber auch das habe ich schon einmal in einem deutschen Supermarkt gesehen.

Und warum schreibe ich euch gerade jetzt über das Kochbuch? Ich finde, es ist ein super tolles Weihnachtsgeschenk, das Fanherzen höher schlagen lässt und manchen vielleicht mit den neuen vier Folgen versöhnt. Für beste Freund*innen und Fans der Serie wärmstens zu empfehlen. :)

Kristi Carlson: Eat like a Gilmore. Das inoffizielle Kochbuch für Fans der Gilmore Girls. Fotos von Bonnie Matthews.

ISBN: 978-3-95631-533-6

Shaker Media 2016

Das Kochbuch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Vom Bloggen an sich

Tobi von dem schönen Blog Lesestunden hat mal die Frage nach dem Bloggen an sich in den Raum geworfen. Wie bloggen andere oder wie organisieren andere Blogger*innen ihre Blog“arbeit“? Ich fand die Frage spannend und habe deswegen Tobis Fragen einfach mal beantwortet.

Wie entscheidest du, ob du über ein Buch bloggst oder nicht?

Bei vielen Romanen habe ich sofort ein Gefühl dafür, dass ich wirklich dringend genau zu diesem Roman eine Rezension schreiben muss. Bei manchen Romanen kommt dieses Gefühl erst ein bisschen später. Ich lasse deswegen Romane einfach neben dem Schreibtisch liegen und entscheide einige Wochen später, ob ich eine Rezension schreibe oder nicht. Das hat zur Folge, dass  hier im Arbeitszimmer schon ein kleinerer Buchstapel  herumliegt.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Beiträge?

Seitdem ich über Literatur blogge und viele andere Blogs regelmäßig lese, begegnen mir einfach sehr viel mehr interessante Romane als früher. Ihr schreibt einfach so toll. :) Lesetipps lauern deshalb an jeder Ecke und manchmal muss ich mich dann auch ein bisschen zurückhalten, einen SuB habe ich ja auch und die vielen tollen Romane sind da auch aus Gründen gelandet. ;)

Aber es gibt neben dem Blog eben auch die Offline-Welt und zum Glück kenne ich viele literaturaffine Menschen, die mir auch gerne Bücher empfehlen.
Was willst du mit deinem Blog erreichen?

Ruhm und Ehre. :D Und natürlich freue ich mich, wenn sich hier Leser*innen einfinden.
Wie viel Zeit nimmst du dir für das Verfassen eines neuen Beitrags?

Für eine Rezension nehme ich mir meistens 1,5 bis 2 Stunden Zeit. Meistens passt doch noch irgendetwas nicht oder das Zitat gefällt mir noch nicht oder der Text fühlt sich nicht rund an – es braucht seine Zeit bis ich zufrieden bin. Außerdem braucht die Recherche über die Schriftsteller*innen oder andere interessante Aspekte aus dem Text, die ich irgendwie aufnehmen möchte, auch ein bisschen Geduld. Ich merke aber meistens gar nicht, wie schnell die Zeit verfliegt. Das ganze macht nämlich unglaublich viel Spaß und lädt auch dazu ein, sich zu bestimmten Aspekten festzulesen. Hätte ich einen Chefredakteur, der mir auf die Finger schaut und fragt, wann der Beitrag fertig ist, wäre das etwas anderes. Da ich hier aber selbst Chefredakteurin bin, zelebriere ich meinen Status dann auch und mach alles so, wie ich es für richtig halte. ;)

Wie oft erscheint in deinem Blog ein Beitrag?

Ich glaube, dass einmal in der Woche schon gut ist. Ich möchte eigentlich öfter schreiben, aber manchmal klappt das auch nicht und das ist auch in Ordnung.

Bloggst du regelmäßig und hast feste Tage bzw. Abstände in denen Beiträge erscheinen?

Nein. Und auch einen regelmäßigen Sonntagsjazz versuche ich zwar, aber das kriege ich nicht hin.

Hast du einen festen Tag, an dem du Blogbeiträge schreibst und dich um deinen Blog kümmerst?

Nein.
Hast du mehrere Beiträge fertig verfasst als Entwurf, oder veröffentlichst du jeden Beitrag sofort?

Beiträge über Kurzfilme oder den Sonntagsjazz habe ich oft im Vorfeld geschrieben. Rezensionen schreibe ich an einem Tag und veröffentliche sie dann am nächsten Morgen.

Hast du Hilfsmittel, wie einen Planer, eine App oder irgendein Gadget?

Ich habe ein Notizbuch, das ist schon ziemlich viel Gadget finde ich. ;)
Schreibst du deine Beiträge direkt in WordPress bzw. der Blogsoftware, oder zuerst auf Papier oder in anderer Software?

Meistens direkt in WordPress, manchmal schreibe ich in Word vor.
Schreibt du die Beiträge auf einmal, oder in mehreren Schritten?

Alles in einem Rutsch.

Hast du schon einmal einen Beitrag komplett verworfen, weil du mit der Qualität nicht zufrieden warst?

Viele Rezensionen, die ich am Anfang geschrieben habe, würde ich heute so nicht mehr schreiben. Aber ich entwickele mich ja auch ständig weiter und vielleicht sage ich dasselbe in zwei Jahren auch über meine aktuellen Rezensionen. Unzufrieden war ich mit der Qualität bisher nicht, sonst hätte ich nicht veröffentlicht.

Wo schreibst du deine Beiträge (z.B. immer auf dem iPad Pro in der Badewanne)? Gibt es ein Bild von deinem „Blogarbeitsplatz“?

Nein, aber ich schreibe immer an meinem Schreibtisch. :)
Bloggst du alleine oder mit anderen zusammen?

Alleine.
Machst du für deine Beiträge eigene Fotos? Wenn ja, welche Rolle spielen sie für dich und wie bereitest du sie auf? Wie viel Zeit investierst du für deine Fotos?

Ist auf jeden Fall ein Projekt für die Zukunft. :)

Besprichst du auch Rezensionsexemplare und wie gehst du damit um?

Ja, ich habe in der letzten Zeit das Bloggerportal von Randomhouse entdeckt und ich mache zwischendurch bei Leserunden von Lovelybooks mit. Wenn ich ein Rezensionsexemplar bekomme, schreibe ich das unter meine Rezension. Ich finde das für die Transparenz ganz wichtig.

Wie wichtig sind für dich Social Media Kanäle und wie viel Zeit und Aufwand verbringst du, sie zu pflegen?

Ich habe vor kurzem Pinterest entdeckt!! :) Ich finde Pinterest toll, aber es ist auch ein kleines Zeitfresserchen. Ich finde es faszinierend, wie andere Blogger*innen, noch Instagram und Twitter nebenher jonglieren.
Wie viel Zeit investierst du in technische Anpassungen und Pflege deines Blogs?

Ähm. Ich hoffe, dass alle Verlinkungen stimmen und guck das zwischendurch immer wieder nach. Machen andere da noch mehr? ;)
Was recherchierst du, bevor du ein Buch rezensierst?

Informationen über die Schriftsteller*innen, ob der Roman ausgezeichnet wurde und eventuell Themen, die angeschnitten werden. Das kann sehr unterschiedlich sein und hängt auch von meinem Vorwissen ab.
Machst du auch einmal eine längere Pause vom Bloggen?

Klar, das passiert einfach.
Beeinflussen dich andere Blogger oder Verlage über Themen oder Bücher zu schreiben?

Beeinflussen klingt eher negativ, inspirieren gefällt mir besser. Natürlich gibt es Bücher, die ich ohne tolle Rezensionen von anderen nie gefunden hätte. Verlage haben mich noch nie beeinflusst, wie denn? Ich lese mittlerweile zwar Verlagsvorschauen auf anderen Buchblogs, aber ich schreibe selbst nichts dazu, denn ich kenne die Bücher ja nicht und kann deswegen auch noch nichts dazu sagen.

Wie groß ist dieser Einfluss?

Ich glaube schon, dass der Einfluss – gerade von anderen Blogger*innen – da ist, aber ich schätze ihn nicht höher ein als den Einfluss von Freund*innen, die begeistert von einem Buch erzählen. Und das gefällt mir ausgesprochen gut.

Wie entscheidend ist für dich die Aktualität eines Buches? Schreibst du lieber über aktuelle Bücher oder ist der Erscheinungszeitpunkt egal?

Ich habe das subjektive Gefühl, dass es eine klare Tendenz dazu gibt, entweder ganz aktuelle Romane zu besprechen oder kanonische Klassiker auszugraben. Beides ist interessant. Aber ich frage mich auch, was mit der ganzen guten Literatur dazwischen passiert. Lassen wir diese Romane einfach unter den Tisch fallen?

Wie ich genau dazu komme, einen bestimmten Roman ausgerechnet zu einem bestimmten Zeitpunkt zu lesen und wer mich da wie beeinflusst oder inspiriert hat, ist für mich gar nicht unbedingt nachzuvollziehen. Das ist ja gerade so spannend. Und manchmal führt mich ein Buch zu einem ganz anderen Buch. Und manchmal lese ich Romane wie Die Schneekönigin auch nur, weil es gerade so kalt ist und mich das Cover anspricht und ich erst danach feststelle, das ich einen ziemlich tollen Text entdeckt habe. Oder ich lese einen Roman von der Rory-Gilmore-Leseliste, weil ich mit der Challenge vorankommen möchte.

Im Moment lese ich zum Beispiel vier sehr unterschiedliche Romane parallel. Ich lese So wüst und schön sah ich noch keinen Tag von Elizabeth Laban, weil ich den Roman bei einer Lovelybooks-Leserunde gewonnen habe. Ich lese den Zauberberg von Thomas Mann, weil ich im Moment einen VHS-Lesekreis dazu besuche und den Roman schon seit meinem Praktikum im Buddenbrookhaus lesen wollte. Ich lese Es ist an der Zeit von Knausgard, weil ich sein Schreibprojekt Min Kamp so außergewöhnlich finde und wissen wollte, wie er sonst schreibt und ich habe angefangen Unendlicher Spaß zu lesen.

Wie entscheidet ihr denn, was ihr als nächstes lest? Lasst ihr euch da auch beeinflussen? :)