Skulptur Projekte 2017

IMG_20170114_132926Wer sich für moderne Kunst interessiert, hat in diesem Sommer die Qual der Wahl. In Kassel ist die Dokumenta, in Venedig sind die Filmfestspiele, in Münster gibt es die Skulpturen Projekte. Da Münster meine Heimatstadt ist, war für mich die Entscheidung einfach. Abgesehen davon, dass ich gerade kein Geld habe, um nach Venedig zu fahren. Alle zehn Jahre treffen sich in Münster internationale Künstler_innen und verändern den öffentlichen Raum und das ist wirklich toll.

Man kommt gar nicht Drumherum – an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Über dreißig Exponate, Plastiken, Installationen und Performances laden die Besucher_innen dazu ein, sich Zeit für moderne Kunst zu nehmen. Und das betrifft nicht nur die aktuelle Ausstellung. Viele Künstler_innen haben ihre Werke gleich an dem Ort der Ausstellung gelassen. Mein ewiger Favorit sind die pop-art – Kirschen von Thomas Schütte von den Skulptur Projekten 1987. Weil ich es mag, dass gigantische Kirschen in der Stadt auf einer Säule stehen. Super Ding!

Im LWL-Museum für Kunst und Kultur gibt es unter anderem auch das schöne Kunstwerk Untitled (Books) von Rachel Whiteread, die auf einem Balkon im Museum eine in Gips gegossene Bücherwand für die Skulptur Projekte 1997 installierte. Sieben Regelbretter umrahmen eine Tür, die verschlossen bleibt. Interessant an dem Kunstwerk ist aber nicht nur die verschlossene Tür (behaupten wir Buchblogger*innen nicht immer, dass Bücher dazu in der Lage sind, verschlossene Türen zu öffnen?). In der Regalwand befinden sich keine tatsächlichen Bücher, die wurden nämlich innerhalb des künstlerischen Prozesses kaputt gemacht, sondern es sind nur noch die Abdrücke von ehemals existierenden Büchern zu sehen. Sie haben Spuren hinterlassen, aber niemand kann mehr wissen, welche Bücher eigentlich in diesem Regal gestanden haben, welche Bücher vielleicht als wichtig und lesenswert erachtet wurden (von wem auch immer? wem gehört das Regal?), welche Bücher es nicht mehr gibt. Whiteread spielt also nicht nur mit der Vergänglichkeit des Mediums Buch, sondern auch mit der Vergänglichkeit von Archiven und modernen Wissensspeichern. Das hat mir gut gefallen. *

Die Skulptur Projekte 2017 sind noch bis zum 01. Oktober zu sehen, der Eintritt ist frei. Manche Performances gibt es nur einmal am Tag, bei anderen Ausstellungen muss man etwas Zeit mitnehmen und mit einer Warteschlange rechnen. Bis zum Oktober möchte ich gerne noch ein paar Skulpturen gesehen haben. Bis dahin stelle ich euch einfach hier vor, was mir besonders gut gefallen hat.

 

*Und demnächst kommt auch noch ein Bild, meine Speicherkarte wehrt sich gerade…

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Nirvana – Das Projekt

Gestern wäre Kurt Cobain 50 Jahre alt geworden. Ich stellte also IN UTERO und NEVERMIND auf Repeat und dachte ein bisschen über den Sänger von Nirvana nach. Und ich plane ein Projekt, das mit meiner Lieblingsband zu tun hat, aber dazu später mehr.

Kurt Cobain begegnete mir das erste Mal auf einer CD, die ich bei meinem Papa im Regal fand. IN UTERO sah echt gruselig aus und hörte sich fantastisch an. Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine Musik gehört. Kurz danach gab es ein Special über Nirvana auf MTV, zu einer Zeit – damals- , als man für gute Musikvideos noch kein Geld bezahlen musste. Jetzt fühle ich mich sehr alt.

24 Stunden Nirvana, Musikvideos, Specials, alte Interviews und das legendäre MTV Unplugged. Mein 13-jähriges Ich entwickelte einen ziemlichen Crush für den schmächtigen blonden Sänger, der sich in seinen Liedern sprichwörtlich seine Seele aus dem Leib kotzte. Ich verstand die Lyrics nicht immer, aber ich war schon sehr verliebt. In eine Rocklegende, die zu dem Zeitpunkt schon mehrere Jahre tot war. Ich begann die Alben von Nirvana zu sammeln, Zeitungsausschnitte aufzuheben und Poster von Kurt in meinem Zimmer aufzuhängen.

kurt-cobain

(Einige Jahre vorher hing da noch die Kelly Family – ok, Internet, ich weiß, es braucht immer einen Mutigen, der/die die Wahrheit ausspricht. Ich hab’s hingeschrieben, wie ihr seht verlief meine musikalische Sozialisation  wild, ereignisreich und relativ eklektisch.)

Da jedes Jahr dieselben Specials auf MTV wiederholt wurden und jede von mir gefeierte Zeitschrift von Bravo bis Popcorn (Kennt die noch jemand? Gibt’s die noch?) das Material der vorherigen Specials recycelte, wuchs mein Sammelordner relativ schnell. Ich kaufte mir eine Band-Biographie. Später sah ich mir einen Film von Gus van Sant an, den ich nicht verstand (Last Days, 2005). Außerdem las ich alles über Courtney Love. Und von Verschwörungstheorien zu Kurts Tod. Und dem Club 27. Ich wusste, dass der Titel des am meisten gespielten Songs von Nirvana Smells like Teen Spirit der Legende nach, durch ein schnödes Deo inspiriert wurde (Stichwort: Bikini Kill) und dass Kurt und Courtney ihre Tochter Francis „Bean“ nannten, weil sie fanden, dass Francis auf dem Ultraschallbild so klein „wie eine Bohne“ aussah. Weiterlesen „Nirvana – Das Projekt“

I did it!

Ich hatte gestern meine letzte Prüfung. Allerletzte Prüfung im Studium. Ich bin fertig.

rorygilmore

Und jetzt: Happy Dance!!!

giphy

sherlock

beyonce

Und morgen gehe ich Bücher shoppen. Auch wenn der Nachfolger von Wer die Nachtigall stört – Nachfolger? eigentlich Lees Erstlingswerk – durchaus mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, wandert er bestimmt in mein Regal.

Habt ihr gerade ein Lieblingsbuch, das ihr unbedingt empfehlen könnt?

Habt einen schönen Tag! :)

Blogger schenken Lesefreude – Verlosung

1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches. Seitdem feiern Leser_innen und Menschen in Verlage, Bibliotheken und Buchhandlungen diesen Tag. Inspiriert durch den katalanischen Brauch, zu Ehren des Heiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken, soll es am 23. April weltweit um Lesen und Lesefreude gehen. Nach langem hin- und herüberlegen, habe ich mich dann auch dazu entschlossen, mitzumachen. Nicht nur um den heutigen Tag, der auch der Todestag von Shakespeare und Cervantes ist, zu feiern – auch um etwas zurückzugeben: Lesefreude. An der Aktion nehmen über 1400 Blogs teil und hier gibt es eine Übersicht über die Teilnehmer_innen. Ich verlose heute zwei Bücher. Zum einen die Novelle Tod in Venedig von Thomas Mann (Taschenbuch), zum anderen die Kurzgeschichtensammlung Himmel und Hölle von Alice Munro (Hardcover). Nobelpreis mal zwei. Meine Rezension zu Munro findet ihr hier. Beide Bücher sind gelesen und haben leichte Gebrauchsspuren, machen aber trotzdem sehr viel Freude. Und darum soll es gehen. 2015-04-22 22.15.39 Um mitzumachen, verratet mir in den Kommentaren doch einfach, in welchem Jahr Thomas Mann mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Und natürlich auch, für welches Buch ihr in den Lostopf hüpft. Mitmachen darf jeder, der unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlässt, in dem er die Frage beantwortet. Außerdem müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnen und bei eurer Antwort eine gültige E-Mailadresse hinterlassen, damit ich euch erreichen kann. Eure persönlichen Daten werden nur für das Gewinnspiel benötigt und danach gelöscht. Bei Verlust der Sendung übernehme ich keine Haftung, Anspruch auf Ersatz gibt es nicht, genau so wenig wie einen Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns. Die Verlosung beginnt heute am 23. April und endet am 30. April um 12.00 Uhr. Die Gewinner_innen lose ich mit random.org aus und gebe sie am Abend des 30. April bekannt. Ich wünsche euch einen wunderschönen Welttag des Buches, an dem ihr hoffentlich auch dazu kommt, etwas zu lesen. Und ich freue mich auf eure Antworten.

Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann. (Die Blechtrommel, S.1)

Ich habe Die Blechtrommel (1959) von Günter Grass vor mehreren Jahren im Urlaub gelesen und war begeistert. Auch wenn die Verfilmung von Schlöndorff (1979) zum Teil recht eklig ist (Stichwort: Pferdekopf), lohnt sich der Film ebenso wie der Roman. Oskar Matzerath beschließt im zarten Alter von drei Jahren, gesegnet mit dem Verstand eines Erwachsenen, nicht mehr weiter zu wachsen und verweigert sich so der Welt der Großen und der Welt der Verantwortung. Wir lernen ihn kennen, als er bereits in einer Anstalt sitzt und sein wechselvolles Leben Revue passieren lässt. Statt sich der Welt anzupassen,  trommelt er und bringt nicht nur die Nazis aus dem Takt, sondern schreit, bis Glas zerspringt.

Im Film sind Thalbach und Benett meine absoluten Favoriten. Es gibt Brausepulversex, einen kleinen Jungen der Glas zersingt und eine Trommel. Und noch so viel mehr. Schlöndorffs Verfilmung wurde 1980 als bester fremdsprachiger Film mit dem Oscar (uiuiui, Oskar! ;)) ausgezeichnet. 1999 erhält Grass für Die Blechtrommel den Literaturnobelpreis.

Wenn ihr zufällig mal in Lübeck seid, besucht doch mal das Günter-Grass-Haus, das 2002 seine Türen öffnete. Dort bekommt ihr einen gelungenen Einblick in das umfangreiche Werk des engagierten und streitbaren Künstlers, der seine Wurzeln eigentlich in der bildenden Kunst hat und Mitglied der Gruppe 47 war. Am besten haben mir die Zitate über den Künstler gefallen. Mario Adorf kommt zu Wort, aber auch Karl Lagerfeld ( „Ich hasse schmuddelige Intellektuelle, Günter Grass sollte sich mal Schlips und Kragen zulegen, er würde jünger wirken”).

Zuletzt war Grass 2013 wegen eines israelkritischen Gedichts in die Schlagzeilen geraten, aber auch seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS, die er in seinem Roman Beim Häuten der Zwiebel thematisiert, sorgte für einen medialen Shitstorm.

Gestern ist Günter Grass im Alter von 87 Jahren verstorben. Und ich möchte noch so viel mehr von ihm lesen.

 

Hat vielleicht noch jemand einen Grass-Lesetipp für mich?