Leipziger Buchmesse 2019

Vor wenigen Tagen ist die Leipziger Buchmesse 2019 zu Ende gegangen. Vom 21. März bis zum 24. März fand das jährliche Literaturevent statt. Da ich seit dem 01. Februar Referendarin bin, konnte ich dieses Mal auch als Fachbesucher_in an der Messe teilnehmen. Das bedeutete allerdings auch, dass ich nur am Samstag auf der Messe war, denn Donnerstag und Freitag musste ich noch arbeiten. Freitagnachmittag setzten wir uns in den Zug nach Leipzig und hatten eine gemütliche Anreise. Unterwegs habe ich angefangen den Roman Wir, die wir jung sind zu lesen und bin bisher sehr begeistert.

Samstag ging es los. Ich hatte mir zwar einige Termine notiert, wollte aber vor allen Dingen einfach mal entspannt über die Messe spazieren. Bela B. habe ich leider nicht getroffen, aber immerhin stand ich neben seinem Bild. Das ist ja auch schon mal etwas.

Mein erstes Highlight war die Übertragung von Druckfrisch. Dennis Scheck, der immer recht unterhaltsam Bücher Rampen runterschubst, konnte mich auch live überzeugen. Seine Kritik war immer auf den Punkt und sehr kurzweilig. Das Publikum war recht gemischt, aber eben auch sehr weißhaarig. Vielleicht liegt das am Format. Neben den typischen Größen wie Philipp Roth und David Foster Wallace gehörte zu Schecks „Best of“ auch Theodor Fontane und Roberto Bolaño, „Der Geist der Science-Fiction“ von letzterem klang interessant. So richtig ausgewogen war die Liste allerdings nicht. Unter den 36 Literaturtipps waren gerade einmal 12 Frauen*. Das fiel mir schon während der Veranstaltung auf. Wer sich noch Anregungen zu aktueller Literatur von Autor*innen holen möchte, findet auf Nicoles Blog eine ganze Reihe spannender Empfehlungen.

Schaut ihr Druckfrisch oder das Literarische Quartett oder sind solche Sendungen für euch uninteressant?

Auch für Lehrer*innen bietet die Buchmesse einiges. Im Vorbeigehen entschied ich mich für ein spontanes Abo der Zeitschrift Der Deutschunterricht aus dem Friedrich-Verlag, weil es nicht nur Sonderkonditionen für Referendar*innen gab, sondern auch noch einen deutlichen Messerabatt. Juchhu!

An die Lehrer*innen unter euch, sofern es welche gibt, kennt ihr die Zeitschrift?

Mittlerweile gehört es schon fast zu meiner Buchmessetradition, dass ich am Leser*innentreffen von Lovelybooks teilnehme. Es ist immer eine schöne Möglichkeit, nach der ganzen Rennerei durch die verschiedenen Hallen, eine kleine Pause einzulegen. Dieses Jahr waren vier Fantasyautor*innen zum Communitytreffen eingeladen: Laura Kneidl (Krone der Dunkelheit u.a.), Liza Grimm (Helden von Midgard), Lukas Hainer (Das dunkle Herz) und Kai Meyer (Arkadien, Die Seiten der Welt, Die Krone der Sterne, Die sieben Siegel und noch viel mehr). Die Podiumsdiskussion war gut gemacht. Meyer verglich die fantastische Literatur mit Malerei und stellte fest, dass es in der fantastischen Literatur deutlich „mehr Farben“ geben würde. Ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Denn gerade Fantasyliteratur ist nicht für ihren avantgardistischen Aufbau und ihre poetische Darstellung bekannt. Einzige Ausnahme in der deutschsprachigen Fantasy ist da sicherlich Walter Moers, der auch zu meinen Lieblingsschriftsteller*innen zählt. Fans warten schon seit Jahren auf die mythenmetzsche Fortsetzung Das Schloss der träumenden Bücher. Dieses Buch wäre auch mit Abstand auf den meisten Wunschlisten der Lovelybooksleser*innen zu finden, wie Marina von Lovelybooks hervorhob. Ich lese übrigens gerade Der Bücherdrache (erschienen im März 2019) von Walter Moers und hoffe, dass ich bald eine Rezension schreiben kann.

Kai Meyer erwähnte auch das Motiv der Heldenreise, das sich nicht nur in der fantastischen Literatur findet, aber hier eben besonders ausgeprägt sei. Gerade durch Klassiker der Fantasy wie Herr der Ringe seien Kartendarstellungen genrespezifisch geworden und dadurch letztlich auch Teil der Jugend- und Subkultur. In den 1980ern hätte die Karte aus Herr der Ringe in jedem Zimmer gehangen, stellte Meyer fest, auch bei Leuten, die das Buch gar nicht gelesen haben. ;) Auf die Frage nach Verfilmungen der eigenen Romane, reagierten die Autor*innen zurückhaltend. Lukas Hainer erinnerte an die nicht sehr gelungene Verfilmung von Tintenherz, mit der Cornelia Funke wohl auch nicht zufrieden gewesen sei. Kai Meyer, der ja auch schon eine ganze Weile dabei ist, ließ sich dazu hinreißen, anzumerken, dass eine Verfilmung auch nicht die „Königsklasse“ der literarischen Adaptionen sei. Im schlimmsten Fall ginge es Schriftsteller*innen so wie George R.R. Martin mit Game of Thrones. Hätte Martin nicht die Verpflichtung an der Serie mitzuwirken, wären seine Romane schon längst fertig. Zudem würde es auch keinen Spaß machen, den Text zu einem bereits fertigen Film zu schreiben. Gerade die Fantasyliteratur zeichnet sich aber dadurch aus, dass es häufig ganze Reihen gibt (man denke nur an Harry Potter), aber auch hier würde die Stimmung in den Verlagen eher kippen. Neben „Hardcore“leser*innen gäbe es für Gelegenheitsleser*innen heutzutage einfach zu viele andere Möglichkeiten der Unterhaltung und dadurch weniger Interesse an langen Reihen und für Autor*innen sei es auch sehr „wohltuend“ (Lukas Hainer) eine Reihe einfach abzuschließen.

Im Anschluss an die Diskussion gab es noch Buchgeschenke von Lovelybooks. Während in den letzten Jahren häufig Leser*innen einfach nur reinschneiten, um kostenlos Bücher abzugreifen und wieder verschwanden, musste man sich dieses Mal bis zum Ende der Veranstaltung gedulden. Richtig so! Leider gab es wenig Möglichkeiten mit den anderen Communitymitgliedern ins Gespräch zu kommen, das war etwas schade. Und auch die Buchauswahl war nicht meins. Ich freue mich über Geschenke, aber ich erwarte sie nicht. Und drei Romane zu bekommen, die nur zu einem Drittel meinen Lesegeschmack treffen, ist dann doch nicht optimal. Zum Glück habe ich Heike von Irve liest getroffen, die mit mir ein Buch getauscht hat und ein anderes Buch habe ich einfach verschenkt und damit hoffentlich jemandem eine Freude gemacht.

Auf der Messe halte mich gerne bei den antiquarischen Büchern auf, aber in diesem Jahr war kein passendes Buch für mich dabei (es war ja auch schon Samstag). Dafür habe ich beim Verbrecher Verlag direkt den Roman Schäfchen im Trockenen von Antje Stelling mitgenommen. Die Schriftstellerin wurde in diesem Jahr mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet. Ich freue mich schon sehr auf den Roman. Außerdem habe ich von Reprodukt direkt die Graphic Novel Pirouetten von Tillie Walden mitgenommen, auf die ich schon längere Zeit ein Auge geworfen habe. Apropos antiquarische Bücher: die Messe scheint gelernt zu haben. Der Compact-Stand war dieses Jahr mit deutlich reduzierter Fläche in der Nähe der Antiquariate vertreten und anders als im letzten Jahr marodierten am Samstag keine deutlich erkennbaren Nazis über die Messe. Man kann ja, wenn man will.

Neben Druckfrisch und dem Lovelybooksleser*innentreffen hatte ich noch einen weiteren Programmpunkt auf dem Zettel. Die us-amerikanische Schriftstellerin Fatima Farheen Mirza war auf der Messer und hat aus ihrem Debütroman „Worauf wir hoffen“ gelesen. Ich kam direkt pünktlich zu Beginn der Veranstaltung und durfte auf dem Boden sitzen. Ganz vorne. Fatima Farheen Mirza, geboren 1991, studierte eigentlich Medizin. Das Creative Writing – Studium in Iowa war ein Ausgleich zu ihrem Erststudium, im Moment lebt sie in New York.

In ihrem Debüt erzählt sie eine Familien- und Coming-of-Age-Geschichte. Amar ist der einzige Sohn und ganzer Stolz seiner Familie, aber er rebelliert gegen seine muslimischen Eltern. Nach einem Streit läuft er von Zuhause weg. Seine Schwester Hadia nimmt nach und nach seinen Platz an. Am Tag ihrer Hochzeit, drei Jahre später, kehrt Amar unerwartet zurück. Inspiriert wurde Mirza durch ein Bild, dass ihr eines Tages während eines Schreibworkshops in den Sinn kam. Eine Familienfeier findet statt, alle warten auf den Sohn – warum kommt er nicht? Warum will er vielleicht nicht kommen? Was hat dazu geführt, dass niemand etwas über ihn weiß? Es geht um versteckte und offene Beziehungsdynamiken in Familien. Außerdem hob die Schriftstellerin hervor, dass es im Leben häufig kleine und unbewusste Momente gibt, die letztlich große Auswirkungen auf die Gestaltung des eigenen Lebens haben. Ich war von Mirza und dem Roman so begeistert, dass ich im Anschluss direkt in die Messebuchhandlung gestürmt bin, um Worauf wir hoffen einzukaufen und es mir signieren zu lassen. Als ich zurückkam, war sie aber schon verschwunden. Zum Glück habe ich sie noch am dtv-Stand getroffen und sie vorsichtig gefragt, ob sie vielleicht noch das Buch signieren möchte. Sie hat sich gefreut und ich mich natürlich auch. ;)

Wart ihr dieses Jahr auf der Buchmesse? Was waren eure Highlights?

Skulptur Projekte 2017

IMG_20170114_132926Wer sich für moderne Kunst interessiert, hat in diesem Sommer die Qual der Wahl. In Kassel ist die Dokumenta, in Venedig sind die Filmfestspiele, in Münster gibt es die Skulpturen Projekte. Da Münster meine Heimatstadt ist, war für mich die Entscheidung einfach. Abgesehen davon, dass ich gerade kein Geld habe, um nach Venedig zu fahren. Alle zehn Jahre treffen sich in Münster internationale Künstler_innen und verändern den öffentlichen Raum und das ist wirklich toll.

Man kommt gar nicht Drumherum – an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen. Über dreißig Exponate, Plastiken, Installationen und Performances laden die Besucher_innen dazu ein, sich Zeit für moderne Kunst zu nehmen. Und das betrifft nicht nur die aktuelle Ausstellung. Viele Künstler_innen haben ihre Werke gleich an dem Ort der Ausstellung gelassen. Mein ewiger Favorit sind die pop-art – Kirschen von Thomas Schütte von den Skulptur Projekten 1987. Weil ich es mag, dass gigantische Kirschen in der Stadt auf einer Säule stehen. Super Ding!

Im LWL-Museum für Kunst und Kultur gibt es unter anderem auch das schöne Kunstwerk Untitled (Books) von Rachel Whiteread, die auf einem Balkon im Museum eine in Gips gegossene Bücherwand für die Skulptur Projekte 1997 installierte. Sieben Regelbretter umrahmen eine Tür, die verschlossen bleibt. Interessant an dem Kunstwerk ist aber nicht nur die verschlossene Tür (behaupten wir Buchblogger*innen nicht immer, dass Bücher dazu in der Lage sind, verschlossene Türen zu öffnen?). In der Regalwand befinden sich keine tatsächlichen Bücher, die wurden nämlich innerhalb des künstlerischen Prozesses kaputt gemacht, sondern es sind nur noch die Abdrücke von ehemals existierenden Büchern zu sehen. Sie haben Spuren hinterlassen, aber niemand kann mehr wissen, welche Bücher eigentlich in diesem Regal gestanden haben, welche Bücher vielleicht als wichtig und lesenswert erachtet wurden (von wem auch immer? wem gehört das Regal?), welche Bücher es nicht mehr gibt. Whiteread spielt also nicht nur mit der Vergänglichkeit des Mediums Buch, sondern auch mit der Vergänglichkeit von Archiven und modernen Wissensspeichern. Das hat mir gut gefallen. *

Die Skulptur Projekte 2017 sind noch bis zum 01. Oktober zu sehen, der Eintritt ist frei. Manche Performances gibt es nur einmal am Tag, bei anderen Ausstellungen muss man etwas Zeit mitnehmen und mit einer Warteschlange rechnen. Bis zum Oktober möchte ich gerne noch ein paar Skulpturen gesehen haben. Bis dahin stelle ich euch einfach hier vor, was mir besonders gut gefallen hat.

 

*Und demnächst kommt auch noch ein Bild, meine Speicherkarte wehrt sich gerade…

Nirvana – Das Projekt

Gestern wäre Kurt Cobain 50 Jahre alt geworden. Ich stellte also IN UTERO und NEVERMIND auf Repeat und dachte ein bisschen über den Sänger von Nirvana nach. Und ich plane ein Projekt, das mit meiner Lieblingsband zu tun hat, aber dazu später mehr.

Kurt Cobain begegnete mir das erste Mal auf einer CD, die ich bei meinem Papa im Regal fand. IN UTERO sah echt gruselig aus und hörte sich fantastisch an. Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine Musik gehört. Kurz danach gab es ein Special über Nirvana auf MTV, zu einer Zeit – damals- , als man für gute Musikvideos noch kein Geld bezahlen musste. Jetzt fühle ich mich sehr alt.

24 Stunden Nirvana, Musikvideos, Specials, alte Interviews und das legendäre MTV Unplugged. Mein 13-jähriges Ich entwickelte einen ziemlichen Crush für den schmächtigen blonden Sänger, der sich in seinen Liedern sprichwörtlich seine Seele aus dem Leib kotzte. Ich verstand die Lyrics nicht immer, aber ich war schon sehr verliebt. In eine Rocklegende, die zu dem Zeitpunkt schon mehrere Jahre tot war. Ich begann die Alben von Nirvana zu sammeln, Zeitungsausschnitte aufzuheben und Poster von Kurt in meinem Zimmer aufzuhängen.

kurt-cobain

(Einige Jahre vorher hing da noch die Kelly Family – ok, Internet, ich weiß, es braucht immer einen Mutigen, der/die die Wahrheit ausspricht. Ich hab’s hingeschrieben, wie ihr seht verlief meine musikalische Sozialisation  wild, ereignisreich und relativ eklektisch.)

Da jedes Jahr dieselben Specials auf MTV wiederholt wurden und jede von mir gefeierte Zeitschrift von Bravo bis Popcorn (Kennt die noch jemand? Gibt’s die noch?) das Material der vorherigen Specials recycelte, wuchs mein Sammelordner relativ schnell. Ich kaufte mir eine Band-Biographie. Später sah ich mir einen Film von Gus van Sant an, den ich nicht verstand (Last Days, 2005). Außerdem las ich alles über Courtney Love. Und von Verschwörungstheorien zu Kurts Tod. Und dem Club 27. Ich wusste, dass der Titel des am meisten gespielten Songs von Nirvana Smells like Teen Spirit der Legende nach, durch ein schnödes Deo inspiriert wurde (Stichwort: Bikini Kill) und dass Kurt und Courtney ihre Tochter Francis „Bean“ nannten, weil sie fanden, dass Francis auf dem Ultraschallbild so klein „wie eine Bohne“ aussah. Weiterlesen „Nirvana – Das Projekt“

I did it!

Ich hatte gestern meine letzte Prüfung. Allerletzte Prüfung im Studium. Ich bin fertig.

rorygilmore

Und jetzt: Happy Dance!!!

giphy

sherlock

beyonce

Und morgen gehe ich Bücher shoppen. Auch wenn der Nachfolger von Wer die Nachtigall stört – Nachfolger? eigentlich Lees Erstlingswerk – durchaus mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, wandert er bestimmt in mein Regal.

Habt ihr gerade ein Lieblingsbuch, das ihr unbedingt empfehlen könnt?

Habt einen schönen Tag! :)

Blogger schenken Lesefreude – Verlosung

1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Welttag des Buches. Seitdem feiern Leser_innen und Menschen in Verlage, Bibliotheken und Buchhandlungen diesen Tag. Inspiriert durch den katalanischen Brauch, zu Ehren des Heiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken, soll es am 23. April weltweit um Lesen und Lesefreude gehen. Nach langem hin- und herüberlegen, habe ich mich dann auch dazu entschlossen, mitzumachen. Nicht nur um den heutigen Tag, der auch der Todestag von Shakespeare und Cervantes ist, zu feiern – auch um etwas zurückzugeben: Lesefreude. An der Aktion nehmen über 1400 Blogs teil und hier gibt es eine Übersicht über die Teilnehmer_innen. Ich verlose heute zwei Bücher. Zum einen die Novelle Tod in Venedig von Thomas Mann (Taschenbuch), zum anderen die Kurzgeschichtensammlung Himmel und Hölle von Alice Munro (Hardcover). Nobelpreis mal zwei. Meine Rezension zu Munro findet ihr hier. Beide Bücher sind gelesen und haben leichte Gebrauchsspuren, machen aber trotzdem sehr viel Freude. Und darum soll es gehen. 2015-04-22 22.15.39 Um mitzumachen, verratet mir in den Kommentaren doch einfach, in welchem Jahr Thomas Mann mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Und natürlich auch, für welches Buch ihr in den Lostopf hüpft. Mitmachen darf jeder, der unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlässt, in dem er die Frage beantwortet. Außerdem müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnen und bei eurer Antwort eine gültige E-Mailadresse hinterlassen, damit ich euch erreichen kann. Eure persönlichen Daten werden nur für das Gewinnspiel benötigt und danach gelöscht. Bei Verlust der Sendung übernehme ich keine Haftung, Anspruch auf Ersatz gibt es nicht, genau so wenig wie einen Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns. Die Verlosung beginnt heute am 23. April und endet am 30. April um 12.00 Uhr. Die Gewinner_innen lose ich mit random.org aus und gebe sie am Abend des 30. April bekannt. Ich wünsche euch einen wunderschönen Welttag des Buches, an dem ihr hoffentlich auch dazu kommt, etwas zu lesen. Und ich freue mich auf eure Antworten.

Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann. (Die Blechtrommel, S.1)

Ich habe Die Blechtrommel (1959) von Günter Grass vor mehreren Jahren im Urlaub gelesen und war begeistert. Auch wenn die Verfilmung von Schlöndorff (1979) zum Teil recht eklig ist (Stichwort: Pferdekopf), lohnt sich der Film ebenso wie der Roman. Oskar Matzerath beschließt im zarten Alter von drei Jahren, gesegnet mit dem Verstand eines Erwachsenen, nicht mehr weiter zu wachsen und verweigert sich so der Welt der Großen und der Welt der Verantwortung. Wir lernen ihn kennen, als er bereits in einer Anstalt sitzt und sein wechselvolles Leben Revue passieren lässt. Statt sich der Welt anzupassen,  trommelt er und bringt nicht nur die Nazis aus dem Takt, sondern schreit, bis Glas zerspringt.

Im Film sind Thalbach und Benett meine absoluten Favoriten. Es gibt Brausepulversex, einen kleinen Jungen der Glas zersingt und eine Trommel. Und noch so viel mehr. Schlöndorffs Verfilmung wurde 1980 als bester fremdsprachiger Film mit dem Oscar (uiuiui, Oskar! ;)) ausgezeichnet. 1999 erhält Grass für Die Blechtrommel den Literaturnobelpreis.

Wenn ihr zufällig mal in Lübeck seid, besucht doch mal das Günter-Grass-Haus, das 2002 seine Türen öffnete. Dort bekommt ihr einen gelungenen Einblick in das umfangreiche Werk des engagierten und streitbaren Künstlers, der seine Wurzeln eigentlich in der bildenden Kunst hat und Mitglied der Gruppe 47 war. Am besten haben mir die Zitate über den Künstler gefallen. Mario Adorf kommt zu Wort, aber auch Karl Lagerfeld ( „Ich hasse schmuddelige Intellektuelle, Günter Grass sollte sich mal Schlips und Kragen zulegen, er würde jünger wirken”).

Zuletzt war Grass 2013 wegen eines israelkritischen Gedichts in die Schlagzeilen geraten, aber auch seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS, die er in seinem Roman Beim Häuten der Zwiebel thematisiert, sorgte für einen medialen Shitstorm.

Gestern ist Günter Grass im Alter von 87 Jahren verstorben. Und ich möchte noch so viel mehr von ihm lesen.

 

Hat vielleicht noch jemand einen Grass-Lesetipp für mich?

[Leserückblick] Januar

Im Januar habe ich fünf Romane gelesen, drei davon für die Rory-Gilmore-Challenge. Schlaflos und Herr der Fliegen habe ich bereits rezensiert. Beide Romane sind absolut genial und unbedingt zu empfehlen.

Zu dem Roman Unter Null von Bret Easton Ellis ist mir allerdings keine Rezension gelungen. Unter Null ist wirklich ziemlich harter Tobak und ein wenig fehlten mir da die Worte. Oder kurz gesagt: MTV, Kokain, Snuffpornos, Prostitution – Autor_innen werden auch immer rücksichtsloser. Clay ist ein Jugendlicher in der Welt der Superreichen, der sich in den Ferien mal kurz zu Hause aufhält und zwischen Partys, ausuferndem Sex und Drogen den letzten Kick sucht:

Lindsey und ich gehen die Treppe rauf zur Toilette und ziehen uns auf dem Klo ein bisschen Koks rein. Über dem Waschbecken, auf dem Spiegel, steht in großen schwarzen Buchstaben: „Das Reich des Stumpfsinns.“

Clay ist eine wahnsinnig schwierige Figur, abgebrüht bis zum Umfallen, die sich ohne Gefühlsregung durch ein Meer „endlosen Stumpfsinns“ bewegt und den Lesenden nicht einen winzigsten moralischem Zeigefinger reicht. Nichts, stattdessen Exzess an Exzess, Gewalt ohne Ende und am Ende eine riesige Leere, die mich ratlos zurückgelassen hat. Gerade die Szenen am Schluss fand ich regelrecht abstoßend und konnte trotzdem nicht aufhören zu lesen und wurde dabei auch auf ganz finstere Weise mit meinem eigenen Voyeurismus konfrontiert. Anders als in Trainspotting gibt es aber keinen Kniff, der noch ein Minimum an Spielerei und Witz in diese ganze verrohte Gesellschaft bringt. Bret Easton Ellis hat den Roman mit gerade einmal 21 Jahren in einem Creative Writing Kurs für die Uni geschrieben.  Ein beeindruckendes, aber auch verstörendes Werk. American Psycho möchte ich auch noch lesen – aber vielleicht warte ich damit noch ein bisschen. ;)

Zwei an einem Tag von David Nicholls war da eine gelungene Abwechslung. Die Liebesgeschichte von Em und Dex ist genauso, wie eine Liebesgeschichte sein sollte. Romantisch, faszinierend, tragisch, berührend – nur das Ende war mir ein kleines bisschen zu dick aufgetragen. Ich habe ja auch nichts dagegen, wenn Figuren einfach mal glücklich miteinander werden. Kennt jemand den Film?

Außerdem habe ich den Roman In guten Kreisen bei einer Leserunde von Lovelybooks gewonnen und sobald der Roman im Februar veröffentlicht wurde, gibt es hier auch eine Rezension. :)

Alles außer Bücher…

gehört: Bright Eyes / gesehen: Walter Mitty; Sherlock Staffel 3/ geliebt: Spontanbesuche/ inspiriert: durch die neue Flow, durch Maras Posting über ein „Literarisches Haltbarkeitsdatum„/ geschockt: von der Dokumentation Nackte Angst – Russische Jagd auf Schwule  (2014),  das Filmteam folgt einer Gruppe von „Hobbyfolterern“, die ihre Opfer auf Datingseiten finden, ihnen ein Date verspreche um sie dann zu überfallen, zu foltern und die Videos online stellen. Das „Anti-Propagandagesetz“ verbietet es den Opfern öffentlich auf ihre Erlebnisse aufmerksam zu machen, weil jegliche Thematisierung von Homosexualität „zum Schutz der Kinder“ (wie praktisch!) verboten ist. Bis zum 15. März läuft noch eine amnesty international Urgent Action für die Journalistin Elena Klimova. *klick* Klimova hat das Online-Projekt „Children 404“ gegründet, das LGBTIQ – Jugendliche unterstützt, sie ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden und ihr Projekt könnte eingestellt werden. Wenn ihr Lust habt, twittert doch oder schreibt einen Brief.courage

 Übrigens war das mein 200-ster Beitrag auf meinem Blog. Yeah!! :) Schön, dass ihr hier seid. :)

Frohes neues Jahr!

Ich hoffe, ihr seid alle gut reingerutscht? Frohes Neues! Im Moment komme ich gar nicht zum Bloggen, geschweige denn dazu, Rezensionen zu schreiben. Meine Masterarbeit lässt mich nicht. Und auch über Silvester war ich lieber an der Nordsee und habe da, trotz Inselruhe, keine Zeit gefunden, etwas zu Schreiben. Trotzdem war es wunderschön. Mehr Meer, lange Spaziergänge, Raclette, Spieleabende und wie immer ist die Zeit viel zu schnell vorbei gegangen. Gelesen habe ich auch, dank Tolino konnte ich unendlich viele Romane mitnehmen. Noch vor Silvester  habe ich meinen ersten Roman von Modiano Hochzeitsreise gelesen, der mir sehr gefallen hat. Danach gab es nur noch unterhaltsame Fantasylektüre (Das Mädchen aus dem Meer), ausgeliehen von einer Freundin. Und endlich den nächsten Flavia de Luce Band von Alan Bradley. Etwas anders, als ich erwartet hatte – aber Flavia hat halt mein Herz erobert und  natürlich bleibe ich ein Fan dieser tollen Chemienerd-Detektivin und schreibe vielleicht noch eine Rezension. Und Thriller von Jilliane Hoffmann, leicht zu lesen und nichts für schwache Nerven – und ein guter Ausgleich zu Arno Schmidt. Cupido, Morpheus und Argus habe ich direkt in einem Rutsch gelesen – und es soll auch schon einen nächsten Roman geben, den ich allerdings nicht dabei hatte. Die Bücher um die Staatsanwältin CJ Townsend, die einen brutalen Serienmörder jagt, der seine Opfer zerstückelt und foltert, sind schon harter Tobak, aber unglaublich gute Thriller. Nehme ich mir etwas vor, für das neue Jahr? Ein großes Projekt dieses Jahr heißt Master 2015 – und sonst, halte ich die Augen offen und schaue, was passiert.