[Gesagt]

Das Leben wird nicht gelenkt von Wille oder Absicht. Das Leben ist eine Frage der Nerven und Muskeln und der langsam aufgebauten Zellen, in denen sich das Denken verbirgt und die Leidenschaft träumt. Sie mögen sich sicher wähnen und für stark halten. Aber ein zufälliger Farbton in einem Zimmer oder am Morgenhimmel, ein bestimmter Duft, den Sie einst geliebt haben und der zarte Erinnerungen in sich birgt, eine Zeile aus einem vergessenen Gedicht, auf die Sie unverhofft stoßen, eine Kadenz aus einem Musikstück, das Sie lange nicht mehr gespielt haben – glauben Sie mir, Dorian, dass von solchen Dingen unser Leben abhängt. […]

Das Leben ist Ihre Kunst. Sie haben sich selber in Musik gesetzt. Ihre Tage sind Sonette.

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray. Gerstenberg Verlag (=Visuelle Weltliteratur) 2001. S. 261.

[Gesagt]

“I love you also means I love you more than anyone loves you, or has loved you, or will love you, and also, I love you in a way that no one loves you, or has loved you, or will love you, and also, I love you in a way that I love no one else, and never have loved anyone else, and never will love anyone else.”

(Jonathan Safran Foer – Everything is illuminated) 

124 Norah Jones – Turn me on

Quelle:  http://abookblog.tumblr.com/post/57544761600
http://abookblog.tumblr.com/post/57544761600

„Hold a book in your hand and you’re a pilgrim at the gates of a new city.“

(Anne Michels)

Die Geschenke sind ausgepackt, die Dominosteine verputzt – Weihnachten ist vorbei. Und ich liege in meinem Bett und habe keine Lust aufzustehen. Weihnachten ist wunderbar, aber auch anstrengend. Deswegen klicke ich mich zur Entspannung durch youtube, gucke mir an, wie Zoella Weihnachten feiert, und freue mich immer noch über Tatsächlich Liebe, den ich gestern abend gesehen habe. Heute geht es weiter: hier noch so viele ungesehene DVDs, wenn wann nicht heute? Ich glaube, dass ich in den letzten drei Tagen so viel gegessen habe, wie noch nie. Und ich bin mit Süßigkeiten zugeschüttet worden. Vielleicht nehme ich eine der vielen Süßigkeitstüten mit in den Urlaub oder verteile sie in der WG. Letztes Jahr hatte ich nämlich Ostern noch meine Schokonikoläuse auf der Fensterbank stehen. Ansonsten gab es nur leckere Dinge. Raclette zuhause, Braten bei den Schwiegereltern in spe und Kuchen und Weihnachtstorte bei der Familie. Meine Eltern freuen sich über das kommunistische Känguru, das Schnapspralinen isst, der Liebste freut sich über Schnapspralinen und Spiele und ich spiele mit dem Gedanken meine Ansammlung von Buchgutscheinen der Buchhandlung meines Vertrauens direkt im Januar auf den Kopf zu hauen. Hilft gegen Prüfungsstress. Ach so und neue Bücher gab es jetzt auch schon. Ich habe zu Weihnachten Flavias fünften Fall bekommen und den Klassiker Manfred von Lord Byron. Und mir selbst habe ich die Neuübersetzung von William Faulkners Als ich im Sterben lag geschenkt, mal sehen, wie es ist.  Außerdem bin ich stolze Besitzerin eines Zauberstabes (FANGIRLALARM), was sage ich, eines Zauberstabes – ich habe den von Hermine. Hah! Er funktioniert noch nicht so ganz wie er soll, aber ich übe fleißig – aber keine unverzeihlichen Flüche, ich bin ja lieb. :D (STUPOR!) Außerdem besitze ich jetzt eine Teekanne ganz für mich alleine und sie ist pink und grün und wunderbar und sie hat einen Fliegenpilz auf der Seite. Oh und einen neuen gemütlichen Schlafanzug habe ich jetzt auch. Den ziehe ich heute auch nicht mehr aus. Im Laufe des Tages werde ich dann noch Sachen packen und Unikram sortieren und dann bin ich ab morgen auf der Insel, gehe am Strand spazieren, erhole mich und habe Urlaub – und kein Internet. „Lest in den Ferien so viel ihr könnt!“, hat mein Prof gesagt. Ich nehme ihn beim Wort und werfe alle guten Bücher in den Koffer. Zumindest ein paar. Neben der obligatorischen Unilektüre. Ich wünsche euch allen ein paar ruhige Tage nach dem Weihnachtsstress und „Lest in den Ferien so viel ihr könnt!“ – denn Lesen ist auch immer etwas Abstand von der Welt nehmen, die Seele baumeln lassen und neue Städte und Sehnsuchtsorte entdecken. Und das werde ich jetzt tun. :)

[Gesagt]

„In Paris konnte man damals beinahe umsonst leben, und wenn man gelegentlich eine Mahlzeit ausließ und niemals neue Kleider kaufte, konnte man sparen und sich Luxusdinge leisten.“  (S.87)

„Ich will Die Brüder Karamasov noch mal versuchen. Es war wahrscheinlich meine Schuld.“ –  „Manchches kann man nochmal lesen. Das meiste. Aber dann fängt es an, einen zu verägern, ganz gleich wie großartig es ist.“ (S.114)

„Er wollte, dass ich das neue Buch Der große Gatsby las, sobald er sein letztes und einziges Exemplar von jemandem, dem er es geliehen hatte, zurückbekam. Wenn man ihn so darüber sprechen hörte, wusste man noch lange nicht, wie ausgezeichnet es war; man spürte nur die Schüchternheit, die alle nicht eingebildeten Schriftsteller haben, wenn sie etwas sehr Gutes geschrieben haben, und ich hoffte, er würde das Buch bald zurückbekommen, damit ich es lesen konnte.“ (S.127)

Ernest Hemingway lebte in den 1920er Jahren einige Zeit in Paris und hing da mit solchen verrückten Künstler_innen wie Ezra Pound, Gertrude Stein, James Joyce und natürlich F.Scott Fitzgerald ab. Hemingway hat keine Lust mehr auf Journalismus, sondern widmet sich ganz dem Schreiben – oder versucht es zumindest. Das kann er am besten mit einem Café Creme, möglichst nicht zu Hause bei Frau und Kind, sondern irgendwo in der Öffentlichkeit. Denn da trifft man auch alle anderen, die gerade versuchen, ihre Romane, Novellen und Gedichte fertigzustellen. Und wenn mal einer etwas durchhängt, dann sammelt man eben etwas Geld – Künstler_innen helfen sich nämlich, Ehrensache. Und natürlich liest und rezensiert man sich gegenseitig, sofern die Chemie stimmt. Am besten hat mir die Episode mit Fitzgerald gefallen, aber auch die anderen kurzen Erzählungen machen Spaß und geben interessante Einblicke in eine spannende Zeit. Aber auch in New York war damals schwer was los, glaubt man den Geschichten um Louise Brooks aus meinen letzten Post. Was trieb also die ganzen amerikanischen und britischen Schriftsteller_innen ausgerechnet nach Paris? Wahrscheinlich das Gefühl am Puls der Zeit zu sein. Hemingway war auf jeden Fall begeistert von der Stadt und dem künstlerischen Leben, das die Metropole ermöglichte. Deshalb schrieb er auch 1950 an einen Freund:

„Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben.“

Alle Zitate aus Ernest Hemingway: Paris – ein Fest fürs Leben (A Moveable Feast, 1964). Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2004.

[Gesagt]

„Es gibt noch weit beunruhigende Betrachtungen hier! Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei;

dann hätte man, bei einem green old age von 20 000,

demnach rund 15 000 Lesetage zur Verfügung.
[…]
Ich möchte es noch heilsam–schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Arno Schmidt. „Julianische Tage“ 1961, in: Trommler beim Zaren. 190-191.

[Gesagt]

“I used to think I was the strangest person in the world but then I thought there are so many people in the world, there must be someone just like me who feels bizarre and flawed in the same ways I do. I would imagine her, and imagine that she must be out there thinking of me too. Well, I hope that if you are out there and read this and know that, yes, it’s true I’m here, and I’m just as strange as you.”

– Frida Kahlo

Bei der Mädchenmannschaft gibt es ein Kurzporträt der mexikanischen Malerin, die ich sehr, sehr gerne mag. Ich habe ihre Bilder das erste Mal mit 13 gesehen, als ich mit meinen Eltern Urlaub in Berlin gemacht habe. Es gab eine Ausstellung, wo weiß ich nicht mehr, aber ihre Bilder waren das abgefahrenste, das ich bis dahin gesehen hatte. Und den Film „Frida“ mochte ich auch sehr gerne, noch so ein Schätzchen, das noch in meiner DVD-Sammlung fehlt.