Wiesenstein

IMG_20180322_072826Gerhart Hauptmann, Nobelpreisträger und Autor von Werken wie Bahnwärter Thiel und Die Weber, verlässt gemeinsam mit seiner Frau Margarete und einem Stab von Dienstboten im März 1945 ein Sanatorium und fährt zurück in die Heimatvilla. Das Anwesen Wiesenstein liegt in Schlesien, im Riesengebirge. Die Hauptmanns planen ein luxuriöses Leben im Chaos des Krieges. Ein Schutzbrief des sowjetischen Kulturoffiziers Sekolow ermöglicht es Hauptmann Wiesenstein nach wie vor zu bewohnen. Als „Festung in Saus und Graus“, als „Schutzhülle {m]einer Seele“ steht die Burg wie ein uneinnehmbarer Ort in der Nähe von Görlitz. Ein Masseur, eine Zofe, ein Butler, ein Gärtner, eine Köchin und eine Sekretärin stehen bereit, um dem großen Schriftsteller und seiner Frau Margarete den Lebensabend so fürstlich wie möglich zu gestalten. Die Romanhandlung verlässt diesen Ort auch kaum, auf Wiesenstein entfaltet sich ein intensives Kammerspiel das die letzten Tage des Nobelpreisträgers umfasst.

Auf Wiesenstein, so hofft Hauptmann, kann er zur Ruhe kommen. Seine Bekanntheit reicht über die Landesgrenzen hinaus, seine Stücke haben ihn zum gefeierten Schriftsteller gemacht. Wegen seiner sozial engagierten Dramen ist er auch  zum Kriegsende hin bei den Russen und Polen sehr beliebt, auch wenn er sich nie gegen den Nationalsozialismus positioniert hat, sondern oft genau wusste, von wem er in welcher Situation profitieren konnte.

Klare politische Statements scheinen ihm ohnehin nicht sehr gelegen zu haben. Pleschinski zeigt einen Schriftsteller, der sich oft nicht entscheiden konnte und für den stets die Kunst höhere Priorität als das politische Alltagsgeschäft hatte. Das ist nicht unbedingt leicht zu lesen, wünscht man sich doch jemanden, der eine klare Haltung hat. Es ist oft nicht leicht zu entscheiden, ob Hauptmann senil oder arrogant oder vielleicht zu ängstlich ist, um sich anders zu verhalten. Oder vielleicht einfach mit einem riesen großen künstlerischen Eskapismus gesegnet, der ihn auch dunkle Zeiten überstehen ließ. Ein Schriftsteller, der vor dem Ersten Weltkrieg gefeiert und dem schon in der Nachkriegszeit seine Nähe zu den Nationalsozialisten auf die Füße fiel. Pleschinski geht hier den großen Fragen nach: Wie viel Nähe zu den Machthabern ist legitim? Wie sehr dürfen sich Künstler*innen von autoritären Regimen hofieren lassen um beispielsweise Freunde oder die eigenen Kinder zu schützen?

Auf Wiesenstein lädt Hauptmann standesgemäße zu Feiern und Kinoabenden als wären Friedenszeiten. Man lästert über die Schriftsteller im Exil oder amüsiert sich über Dr. Spitz – so nannte Hauptmann Thomas Mann. Mann wiederum soll darunter gelitten haben, dass er „nur“ Mann, der andere immerhin „Hauptmann“ war – im Zauberberg parodiert er den Schriftstellerkollegen in der Figur des Mynheer Peeperkorn. Sprachduktus und Stottern inklusive. Hauptmann wird ihm diese künstlerische Freiheit nicht verzeihen.

Manchmal schmeißt Hauptmann sich in seine Mönchskutte, die er aus Italien mitgebracht hat, zieht sich in sein Turmzimmer zurück und trinkt und schreibt die ganze Nacht (vieles ist wunderschön: „In jedem Mensch ruht ein Tanz“). Sein Personal, die Krankenschwester Maxa, seine Sekretärin Annie Pollak und sein Masseur Paul Metzkow passen sich dem Lebensrhythmus an, auch wenn in den Dörfern um Wiesenstein herum, Flüchtlingstrecks vorbeiziehen und die Angst vor den fremden Soldaten immer größer wird. Aus den verschiedenen Perspektiven der Bewohner wird das Leben auf Wiesenstein greifbarer, auch wenn Wiesenstein Schutz bietet, weiß niemand, was als nächstes passieren wird. Die Zeit scheint auf der Burg still zu stehen.

Völlig unvorhersehbar war der Masseur mittlerweile zum Lieblingsvorleser des Hausherrn aufgerückt. Was im Lande geschah, drang nur spärlich zum Wiesenstein durch. Der Wiesenstein schien tatsächlich Sicherheit zu gewähren. Lesen und Vorlesen überbrückte nicht nur die Zeit, es füllte sie sogar. Metzkow entwickelte sich zum Hauptmann-Kenner. Keiner seiner alten Bekannten, sofern sie noch lebten, würde das glauben.  (S.293)

Auch die Nachkriegszeit und die anschließenden Plünderungen werden umfassend dargestellt und zeigen gekonnt und schockierend die Folgen des Krieges auf. Gert Hauptmann stirbt am 6. Juni 1946, seine Frau kurz darauf. Hans Pleschinski schreibt sehr ausführlich über die letzten Tage im Hause Hauptmann. Viele Figuren sind historisch belegt und Pleschinski reichert den Roman mit vielen unbekannteren Originaltexten an, die der junge Masseur Metzkow zum ersten Mal liest. Das ist wirklich gelungen und macht neugierig auf andere Werke des Schriftstellers. Wenn allerdings Annie Pollak als Stichwortgeberin für Interpretationsansätze  von Hauptmanns unterschiedlichen Texten herhalten muss, wirkt der Text etwas schwerfällig.   Trotzdem konnte mich der Roman beeindrucken.

Hans Pleschinski – Wiesenstein. C.H. Beck 2018.

Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar bei einer Leserunde von Lovelybooks gewonnen. Vielen Dank! 

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Literatur leuchtet

 

Ein wilder Schwan

Eine Märchensammlung für Erwachsene, die mit neuen und manchmal auch sehr bösen Wendungen die altbekannten Klassiker neu interpretiert.

Michael Cunningham hat für seinen Roman Die Stunden den Pulitzer-Preis gewonnen. Vor einiger Zeit habe ich einen Roman von ihm gelesen, der sich auch schon mit verfremdeten und neuinterpretierten Märchen beschäftigt. In dem Roman Die Schneekönigin greift Cunningham zwar Andersens Motive auf, transportiert die Ereignisse aber in die Gegenwart und verwandelt die Geschichte in eine Neuinterpretation, die es in sich hat und die ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde.

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Auch in der Märchensammlung Ein wilder Schwan geht der Autor nach diesem Prinzip vor. Anders als in den Grimmschen Vorbildern findet er aber immer Erzählmomente, die den überlieferten Geschichten eine moderne Wendung geben. Einzelne Fragmente der Erzählungen werden überspitzt dargestellt und tragen so zu von Märchen inspirierten Geschichten bei, die allerdings weit weg vom Originaltext sind. Dabei können nicht alle Erzählungen, wie das eben oft bei Kurzgeschichtensammlungen der Fall ist, dasselbe erzählerische Niveau halten. Trotzdem sind die Geschichten gelungen, manchmal auch dadurch, dass Cunningham geschickt die Perspektive wechselt und sich auch um Figuren kümmert, deren Geschichte von den Grimms nicht zu Ende erzählt wurde.

Was passierte mit dem Prinzen, der sich zu Rapunzels Turmzimmer hinaufschwang und dann von ihrer fiesen Stiefmutter in die Dornen geschubst wurde? Bei Cunningham finden die Liebenden zwar wieder zueinander, aber der Prinz ist erblindet.

Vor tausend Türen hatte er gestanden und ihren Namen gesagt, tausendmal hatte man ihn abgewiesen, zunächst freundlich und später, als er zu einer jämmerlichen, verstörenden Gestalt geworden war, ohne Mitleid. Der Grat zwischen einem Prinzen auf wichtiger Mission und einem verwirrten, erblindeten Wanderer, dem nichts geblieben ist als ein einziges, unverständliches Wort, hatte sich als überraschend schmal erwiesen. (S.139)

Aber Rapunzel findet einen Weg, dass ihre abgeschnittenen Haare immer hin noch eine erotische Komponente entfalten. Auch Schneewittchen wird von ihrem Liebsten dazu angehalten, mit gefalteten Händen vor der Brust im Bett zu liegen – denn im Glassarg damals sah sie so wahnsinnig sexy aus.

Cunningham 1 (2)Das Märchen Rumpelstilzchen gewinnt eine ganz neue Dynamik, wenn man erfährt, dass der arme Gnom sich sehnlichst ein Kind wünscht und leider nicht in der Lage ist, Vater zu werden, bis er seine große Chance sieht und auf einen Deal mit der Königstochter hofft – die ihn dann hintergeht. Und auch die Hexe kann einem nur Leid tun. Da hat sie jahrelang an ihrem Knusperhäuschen gewerkelt bis ein gepierctes Krawallpärchen auftaucht und anfängt, ihr Lebenswerk zu essen. Und wer die Vorlage kennt, weiß, dass die Geschichte für die Hexe ziemlich böse ausgeht.

 

Ohnehin ignoriert Cunningham gekonnt in vielen Variationen das altbekannte „Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“ und orientiert sich an einem „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ – aber er buchstabiert die Konsequenzen aus, die in den Vorlagen bereits angedeutet sind. Der elfte Prinz aus dem Märchen Die wilden Schwäne von Hans Christian Andersen hatte Pech, denn seine Schwester Elisa konnte ihm nicht schnell genug ein Gewand nähen. Er bleibt der Prinz mit dem Schwanenflügel und kann mit dieser Monstrosität in seinem Leben nicht umgehen, stattdessen tingelt er von Bar zu Bar um irgendwie mit seinem Anderssein klar zu kommen. Die X-Men lassen grüßen. Hier betrinkt er sich mit einem Froschkönig und einem Prinzen, der seit Jahrzehnten die „komatöse Prinzessin“ sucht, die er wach küssen soll.

Es hilft in jedem Fall die Märchen und Erzählungen zu kennen, die Cunningham zugrunde legt. Das sind zum Beispiel auch Der standhafte Zinnsoldat, Die Schöne und das Biest oder Jack und die Bohnenranke. Die Illustrationen von Yuko Shimizu geben dem Erzählband noch das gewisse Etwas und sind genau so düster und entzückend wie die Geschichten selbst.

Michael Cunningham – Ein wilder Schwan. Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné. Luchterhand 2017.

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Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar bekommen. Vielen Dank! 

 

Der blinde Mörder

Laura Chase ist eine fantastische Autorin. Leider fuhr sie mit einem Auto von einer Brücke und verstarb mit Anfang 20. Ihr Roman „Der blinde Mörder“ wird zum Kultobjekt für Fans und ihrer Schwester Iris kommt die nicht ganz leichte Aufgabe zu, den Nachlass ihrer Schwester zu verwalten. Iris blickt nun mit Mitte 80 auf ihr Leben zurück und erinnert sich an die gemeinsame Kindheit mit ihrer Schwester. Iris hat nie an einen Unfall geglaubt, stattdessen geht sie davon aus, dass ihre Schwester Suizid begangen hat.

Der blinde MörderDas ist der Aufhänger einer Geschichte, die Margarete Atwood fantastisch konstruiert hat. Auf verschiedenen Ebenen wird die Geschichte der Schwestern erzählt. Iris blickt mit 80 Jahren zurück auf ihr Leben und gestaltet so die Rahmenhandlung der Erzählung. Außerdem geben Zeitungsartikel noch zusätzliche Hinweise über die Hintergründe der Lebensgeschichte der Schwestern. Zudem werden Teile eines Science-Fiction-Romans erzählt, den eine junge Frau geschrieben hat. Inspiration für diese Erzählungen war ihr Geliebter, der ihr nach jedem romantischen Treffen ein bisschen mehr aus dem Leben des blinden Mörders erzählte. Hierbei handelt es sich um eine unheimliche Groschenromanvariante, in deren Mittelpunkt eine Welt steht, in der Frauen keine Rechte haben und regelmäßig Jungfrauenopfer stattfinden. Ein erblindeter Teppichknüpfer, der zum Auftragsmörder ausgebildet wird, verliebt sich in diesem Durcheinander in eine Tempeldienerin, der – so ist es Tradition – die Zunge herausgeschnitten wurde. Sie kann nicht mehr sprechen, er ist erblindet, aber eben nicht verstummt. Der Auftragsmörder erzählt ihre Geschichte. So weit zur Konstruktion. Doch zurück zu Laura.

„Das Leben ist eine Tragödie, keineswegs nur ein einziger langer Schrei. Sie schließt alles ein, was zu ihr führte. Stunde um triviale Stunde, Tag um Tag, Jahr um Jahr, und dann der plötzliche Moment: der Messerstich, die explodierende Granate, der Sturz des Autos von der Brücke.“

Die Gründe für ihren Suizid liegen tief in der Vergangenheit, auf die Iris in sehr ruhig erzählten Passagen zurückblickt. Die Familie Chase war seit Generationen wohlhabend, der Vater ein erfolgreicher Fabrikbesitzer und größter Arbeitgeber in der Gegend. Nach dem Tod der Mutter wachsen die Schwestern in einem Anwesen mit Hausangestellten und Hauslehrern auf, wohlbehütet und als Teil der gesellschaftlichen Elite des kleinen Städtchens Port Ticonderoga. Doch während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren wird auch die Familie Chase nicht verschont. Um das Vermögen irgendwie zu retten, erhofft sich der Vater Geld durch eine arrangierte Ehe mit einem aufstrebenden Industriellen. Iris wird mit Richard Griffin verheiratet und fügt sich ihrem Schicksal. Sie erlebt physische und psychische Gewalt in ihrer Ehe. Zudem manipulieren Richard und seine Schwester Winifred Iris und entfremden sie von ihrer Familie. Richard kümmert sich kaum um seine Frau, er hat nur seinen eigenen gesellschaftlichen Aufstieg im Sinn. Die Schwestern sind zu einem absolut inhaltsleeren Leben verdammt, sie dürfen mit den Dienstboten Gespräche führen und vielleicht einmal an einem Ladies Lunch teilnehmen – Repräsentation ist das A und O. Laura will sich dieses Leben und Richards Verhalten nicht gefallen lassen. Während eines Picknicks lädt sie Alex Thomas ein, der sich bald als landesweit gesuchter Arbeiteranführer entpuppt. Laura verliebt sich und versucht den jungen Mann auf dem Anwesen zu verstecken. Ohne von Lauras Gefühlen zu wissen, beginnt auch Iris eine Affäre mit dem charismatischen jungen Mann.

„Diese Dinge ereignen sich in einem Augenblick, in einem Wimpernzucken. Das kann nur so sein, weil sie von uns bereits durchgespielt worden sind, immer und immer wieder, in Stille und Dunkelheit; in derartiger Stille, derartiger Dunkelheit, daß wir selbst nichts davon wissen. Blind, aber mit sicherem Schritt, treten wir vor wie in einen Tanz, den wir seit langem im Gedächtnis tragen.“

Atwood gelingt es auf unterschiedlichen Ebenen ein faszinierende Frauenschicksal zu erzählen, dessen Tiefe und Schrecken sich erst nach und nach entfalten. Von der anfänglichen als „glücklich“ heraufbeschworenen Kindheit von Iris und Laura bleibt nicht mehr viel übrig. Und auch Laura hat bei näherem Hinsehen wenig mit dem verehrten Idol der Literaturfans gemein. Hat sie ihren Roman überhaupt selbst geschrieben?

Das Leben der Schwestern wird fast über ein ganzes Jahrhundert hinweg erzählt. Da sind einige kleine Längen nicht von der Hand zu weisen. Die starren Regeln und Konventionen, denen sich gerade junge Frauen beugen mussten, werden durch das Leben von Iris und Laura greifbar und zeigen, was für eine erschreckende Enge innerhalb der Gesellschaft herrschte, auch in den vermeintlich wohlhabenden Kreisen.

Mich hat die Konstruktion des Romans überzeugt. Die Geschichte um den blinden Mörder erinnert mich an spätere Romane von Atwood, in denen sie sich ganz der dystopischen Zukunftsvision verschreibt. Und durch das Erzählen der Geschichte zeigt sich noch etwas anderes : Die beiden Liebenden erschaffen sich eine eigene Welt, in der ihre eigenen Gesetze gelten und in der wiederum ein Mann, eine Geschichte erzählt um eine Frau zu verführen. Allerdings wird sie mit einem Roman berühmt werden, er stirbt im Krieg. Die Verschachtelung des ganzen ist wunderbar gemacht: ihr Roman wurde vorher von ihm erzählt. Zur Unterhaltung, als Mittel der Verführung, als kleine Flucht vor der Realität, in der nur eine unglückliche Ehe wartet. Der blinde Mörder in dieser erzählten Dystopie hat es sich zur Aufgabe gemacht, von der Tempeldienerin zu erzählen, die nicht mehr sprechen kann. Er legt Zeugnis ab für sie und die Geliebte hält die Ideen ihres Liebhabers fest – auch nach seinem Tod. Schreiben und Zeugnis ablegen hat deshalb auch immer mit Machtstrukturen zu tun, in denen sich die Figuren befinden. Am Ende schreibt Iris einen Brief an ihre Enkelin, die ihr schon lange fremd geworden ist. Wer schreibt und erzählt, gewinnt so automatisch die Deutungshoheit in der Situation.

Atwood schreibt wahnsinnig spannend. Man spürt förmlich das Chaos, in dem sich die Protagonisten wiederfinden und es ist klar, dass es kein Happy End geben wird (denn Laura ist schon auf der ersten Seite mit dem Auto verunglückt). Die genauen Verbindungen und Hintergründe werden erst nach und nach deutlich. Welche der beiden Schwestern den Roman geschrieben hat, bleibt bis zum Ende unklar und sorgt für Spannung. Laura bekommt dadurch eine Tiefe, die man ihr vielleicht anfänglich nicht zugetraut hätte und auch Iris, die mit 80 Jahren kaum Geduld mit ihren Mitmenschen hat und zu einer zynischen alten Schachtel geworden ist, verwandelt sich so in eine unglaublich geheimnisvolle Frau.

Margaret Atwood: Der blinde Mörder. Aus dem kanadischen Englisch von Brigitte Walitzek. Berliner Taschenbuch Verlag 2000. 691 Seiten.

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Die Farben des Nachtfalters

Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich die erste Frau, über die die Todesstrafe verhängt wurde. Außerdem begegnet man außerhalb eines Romans von Dan Brown nur selten einem mordenden Albino. Und genau das, meine Hautfarbe und die Tat, die mir zur Last gelegt wurde, ließ die anderen Gefangenen erschaudern, wenn sie an mir vorbeigingen. (S.44)

Die Farben des NachtfaltersMemory sitzt im Frauengefängnis Chikurubi, sie soll ihren langjährigen Gönner, Förderer und Freund Lloyd umgebracht haben. Sie ist eine Außenseiterin, nicht nur, weil sie ein Albino ist, sondern auch, weil sie eine der wenigen Mörderinnen ist, die im Gefängnis sitzen und auf die Todesstrafe warten. Die Mitgefangenen begegnen ihr argwöhnisch, denn Memory interessiert sich kaum für die anderen und ist ihnen in vielen Bereichen überlegen. Sie spricht fehlerfreies Englisch und selbst die Wärterinnen können einen gewissen Neid auf Memorys bisherigen Lebensstil und ihre Erfahrungen nicht verbergen. Das geht nicht immer gut aus. Eine Journalistin interessiert sich für ihren Fall und Memory beginnt ihre Erinnerungen aufzuschreiben.

Memory wuchs mit einem liebevollen Vater und einer schwierigen Mutter in einem der ärmsten Townships des Landes auf. Die Familie zog oft um und ihr Bruder verstirbt sehr früh. Als sie neun Jahre alt ist, verkaufen ihre Eltern sie an Lloyd, der dem Mädchen eine gute Schulbildung verspricht, die die Eltern sich nicht leisten können. Memory fühlt sich verraten und von ihren Eltern im Stich gelassen. Mussten die Eltern nicht schon genug leiden, als ihr Bruder gestorben ist? Warum schicken sie Memory zu diesem reichen, aber einsamen Mann? Sie versteht nicht, warum Llody sich ausgerechnet für sie entschieden hat. In den Townships, in denen Memory aufwuchs, wurde ihr Zauberei nachgesagt. Anders als ihre Geschwister kann sie nicht draußen spielen ohne Sonnenbrand zu bekommen. Lloyd hat ein großes Herz für Außenseiter, er ist homosexuell und in Simbabwe ist selbst einvernehmlicher Sex unter erwachsenen Männern ein gesellschaftliches Tabu und gesetzlich strafbar. Als Memory von Lloyds Homosexualität erfährt, ist sie angewidert und verlässt ihn ohne Nachzudenken. Bei ihrem nächsten Zusammentreffen ist Lloyd tot.

Neben dieser konfliktreichen Ausgangssituation um Memory im Gefängnis, entfaltet Gappah aber auch eine mythologische Ebene innerhalb der Erzählung. Es geht um den in Simbabwe traditionell vertretenen Glauben an die Ngozi, Rachegötter oder viel mehr Rachegeister, der fester Bestandteil des Lebens in Memorys Umgebung sind und deren Existenz auch mit dem Glaube an christliche Symboliken und Traditionen in Einklang gebracht wird. Durch tragische und unglückliche Verstrickungen und eine Vermischung von Aberglauben und psychischen Belastungssituationen wird der Glaube an die Ngozi zum Dreh- und Angelpunkt in Memorys Geschichte.

„Heute habe ich über den Birkenspanner nachgedacht. Genau wie dieser Nachtfalter musste ich meine Gestalt, meine Farbe ändern, um mich meiner Umgebung anzugleichen. Ich bin genau wie er blindlings hin und her geflattert, habe immer wieder die Farbe gewechselt im Bestreben, mich anzupassen, zu überleben. Vielleicht ist das ja schon genug – dass ich mich fürs Überleben entschieden habe. Dafür, wieder von vorne anzufangen, ob hier drin oder dort draußen, aber stets im Bewusstsein der Wahrheit. Vielleicht reicht das ja schon.“ (S. 337)

Petina Gappah hat einen Roman geschrieben, in dem es um Verrat, Liebe, Schicksal und ein Leben zwischen Traditionen und Moderne in Simbabwe geht. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, das geht alles etwas schnell, aber führt auch zu einer spannenden Frage: Kann Memory (!) überhaupt sicher sein, dass ihre Erinnerungen stimmen? Und wie kann ein Leben weiter gehen, wenn man feststellt, dass man eine einzige Erinnerung in seinem Leben komplett falsch gedeutet hat? Petina Gappah hat einen tollen Roman geschrieben, der nicht nur ans Herz geht, sondern auch einen interessanten Einblick in das Simbabwe der 1970er Jahre bis heute liefert. Wirklich gelungen.

 

Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters (Book of Memory). Arche 2015. 352 Seiten.

All die Jahre

Es soll ein großes Abenteuer werden. Nora und Theresa Flynn wandern von Irland nach Amerika aus. Noras Verlobter Charlie ist schon vor Ort und wartet auf die beiden Schwestern. Aber dann kommt alles ganz anders als gedacht und Nora und Theresa sprechen mehrere Jahrzehnte nicht mehr miteinander.

All die JahreAll die Jahre ist ein Familienroman und gleichzeitig auch eine Geschichte einer Auswanderung, die zu scheitern droht. Während in ihrem irischen Dorf alles klar geregelt war, sehen sich die Schwestern in Boston mit vielen neuen Freiheiten konfrontiert, mit denen sie nie gelernt haben umzugehen. Nora reißt sich zusammen. Sie weiß, dass sie Charlie heiraten soll, auch wenn sie ihn nicht liebt. Das hatten die Familien schon in Irland abgesprochen. Nora ist ihr eigenes Leben weitestgehend egal. Sie erfüllt ihre Pflicht, arrangiert sich mit ihrer Ehe und hält nichts von Tagträumereien. Nora glaubt daran, dass es Theresa besser haben soll. Für ihre Schwester sollen in Boston alle Türen offen stehen, hier kann sie Lehrerin werden, immerhin war Theresa die beste Absolventin der Dorfschule. Aber Noras Plan geht nicht auf.

Theresa stürzt sich in ihre neue Freiheit und wird von einem verheirateten Mann schwanger. Der Vater des Kindes interessiert sich wenig für Theresa, er hat ja bereits eine eigene Familie. In den 1950er Jahren und im katholischen Umfeld der Schwestern ein Skandal. Nora zwingt die 18-jährige Theresa dazu, das Kind im Geheimen auf die Welt zu bringen, zusammen mit Charlie adoptiert sie dann den Sohn ihrer Schwester. Nora ist 21 und damit volljährig und darf entscheiden, was mit ihrem Neffen passiert. Sie erfüllt ihre Pflicht, glaubt sogar  daran, Theresa einen Gefallen zu tun. „Nora hat sich das Baby einfach genommen“, denkt Theresa. Die Schwestern werden fast fünfzig Jahre nicht miteinander reden.

Ihr Leben lang hatte ihre Schwester sie zähmen wollen, hatte versucht, sie für die Welt zurechtzumachen. Nora hatte einen dummen Mann geheiratet, den sie nicht liebte. Wieso machte die Tatsache seiner Existenz aus ihr eine bessere Mutter, als Theresa es für ihren eigenen Sohn war? (S. 104)

All die Jahre ist der dritte Roman von J. Courtney Sullivan, Sommer in Maine steht hier im Moment noch ungelesen im Regal. Aus verschiedenen Blickwinkeln und mit langen Rückblicken wird die Familiengeschichte der Schwestern erzählt. Geheimnisse und versteckte Vorwürfe gehören selbstverständlich zum Familienalltag der Raffertys.

Da gibt es John, einen aufstrebenden Politiker, der gemeinsam mit seiner Frau, die sich für etwas besseres hält, ein chinesisches Mädchen adoptiert hat; Bridget, die lesbisch ist und darüber nicht mit ihrer Mutter sprechen kann, obwohl sie seit Jahren mit ihrer Freundin zusammenlebt und mit ihr ein Kind plant; Brian, der nichts auf die Reihe kriegt und in der Bar seines Bruders Patrick arbeitet. Und da ist Patrick, das Lieblingskind von Nora – der Sohn von Theresa.

Im Haus ihrer Kindheit und Jugend waren Verdrängung und Unterdrückung von Gefühlen üblich. Nora und Charlie schliefen in getrennten Betten. Insgeheim nannten Bridget und John sie deshalb Ernie und Bert. (S.154)

Auch wenn bei den Raffertys nicht alles rund läuft, treffen sich die Geschwister regelmäßig und versuchen den Kontakt untereinander zu halten. Obwohl die Kinder in der amerikanischen Gesellschäft längst angekommen sind, können Charlie und Nora nicht von der alten Heimat lassen, Nora glaubt auch Jahre nach der Auswanderung noch daran, dass sie irgendwann zurückkehren wird. Als sie nach Jahrzehnten wieder die grüne Insel betritt, merkt sie selbst, dass sie sich etwas vorgemacht hat.

Offene Gespräche innerhalb der Familie sucht man vergebens. Weder kann Bridget ihrer erzkatholischen Mutter begreiflich machen, dass ihre Freundin nicht ihre Mitbewohnerin ist, noch hat Nora mit ihren Kindern darüber gesprochen, dass Patrick der Sohn ihrer Schwester ist. Und auch John und Patrick konkurrieren seit Jahren um die Anerkennung der Mutter. Nora zeigt wenig Gefühle und auch zu ihrer Schwester hat sie seit Jahren keinen Kontakt mehr. Theresa lebt als Nonne in einem Kloster, weitestgehend abgeschieden von der Welt. Als es zu einem Trauerfall in der Familie kommt, kündigt sich überraschend Theresa an.

Sullivan schreibt sehr locker und handwerklich versiert, eine Geschichte, die keine großen Überraschungen bereit hält. Außerdem gibt sie spannende Einblicke in die irische Auswanderercommunity in den 1960er Jahren in Boston. Durch die Perspektivwechsel zwischen Theresa und Nora und die verschiedenen Zeitsprünge ergibt sich so ein unterhaltsamer Familienroman, den man sehr schnell wegschmökern kann. Sullivan schafft es auch, Nora, die viele versteckte Probleme mit sich herum trägt und mir als Leser*in unglaublich fremd ist, als Figur zu gestalten, die fast sympathisch darin wirkt, unbedingt das richtige tun zu wollen.

Thematisch erinnert die Story ja auch ein bisschen an die Erfolgsserie Call a Midwife, die im London East End der 1950er Jahre spielt und in der sich die Hebammen und Nonnen neben den ständigen Hausgeburten häufig mit ähnlichen Problemlagen konfrontiert sehen wie die Geschwister Nora und Theresa – mit einer ungewollten Schwangerschaft. Allerdings wirken die Figuren hier noch glatter als in der BBC-Erfolgsproduktion. Und für diejenigen, die die Serie kennen, wird vielleicht deshalb klar, weshalb ich diesen Roman nicht schlecht fand, aber eben auch nicht fantastisch gut.

J. Courtney Sullivan – All die Jahre (Saints for all Occasions). Aus dem Englischen von Henriette Heise.  Deuticke im Paul Zsonlay Verlag Wien 2018. 460 Seiten.

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Lied der Weite

Mit dem Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ hat der amerikanische Schriftsteller Kent Haruf viele Leser*innen begeistert, der Roman wurde mit Jane Fonda und Robert Redford verfilmt. Es geht um zwei Menschen, die sehr einsam sind und beschließen, etwas gegen ihre Einsamkeit zu unternehmen. 2014 verstarb Kent Haruf.

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Im Diogenesverlag erscheint jetzt ein neuer – alter – Roman des Schriftstellers, der bereits 2001 unter einem anderen Titel bei Goldmann verlegt wurde. Der neue Titel „Lied der Weite“ ist dabei  deutlich näher am Originaltitel „Plainsong“. Der Roman ist ruhig, der Grundton melancholisch.

 

 

 

 

Die Tür in der gegenüberliegenden Wand war geschlossen. Das Mädchen war nach dem Abendessen in ihr Zimmer gegangen, und seitdem hatten sie nichts mehr von ihr gehört. Sie wussten nicht, was sie davon halten sollten. Im Stillen fragten sie sich, ob alle siebzehnjährigen Mädchen nach dem Abendessen verschwanden. (S.167)

Es geht um Victoria, die mit 17 Jahren ungewollt schwanger wird. Ihre Mutter setzt sie vor die Tür. Zum Glück hilft ihr eine Lehrerin und bringt das Mädchen kurzerhand bei zwei alten Viehzüchtern unter, den Brüdern McPheron. Die brummigen Männer geben sich zwar Mühe, aber das Zusammenleben mit Victoria verläuft nicht ohne Schwierigkeiten.

Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich um zwei Brüder, Bobby und Ike, die von ihrer depressiven Mutter vernachlässigt werden. Der Vater hat die Familie verlassen, kümmert sich aber noch jede zweite Woche um die Jungs. Ihre Mutter liegt nur noch im Bett und die beiden Brüder suchen sich einen Nebenjob um ihrer Mutter eine Freude zu machen. Sie kaufen ein Parfüm, es heißt „Evening in Paris“.

Langsam löste sie die Schleifen, wickelte das bunte Papier ab. Als sie sah, was in den Schachteln war, fing sie an zu weinen. Die Tränen rannen ihr über die Wangen, sie kümmerte sich nicht darum. O mein Gott, sagte sie. Mit den Schachteln in den Händen umarmte sie weinend die beiden Jungen. O mein Gott, was soll ich nur machen.

Kent Haruf lässt sämtliche seiner sechs Romane in der fiktiven Kleinstadt Holt spielen. Hier passiert nicht viel. Es gibt Schlägereien, Gewalt in der Familie, einen Lehrer, der versucht alles richtig zu machen und dabei doch vieles falsch macht, eine Lehrerin, die ein Mädchen rettet und nebenbei verendet auch noch ein Pferd.

Die Themen Gewalt in der Familie, Alkoholismus und Einsamkeit, erleben fast alle Protagonist*innen der Geschichte. Trotzdem gibt es immer wieder überraschende Momente der Menschlichkeit, wenn sich Figuren gegenseitig helfen ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Lied der Weite ist eine sehr ruhige Geschichte. So idyllisch (trotz der schwierigen Themen), dass ich anfänglich gar nicht genau wusste, in welcher Zeit die Handlung spielt. Es gibt kein Internet, Handys werden nicht erwähnt, stattdessen ist von Viehzüchtern und Farmen und dem weiten Land die Rede. Kein Wunder, dass die Kleinstadt Holt ein wenig anachronistisch anmutet. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass letztlich in Holt immer noch „alles in Ordnung“ ist. In Notlagen helfen sich die Menschen und greifen dabei auch auf ungewöhnliche Lösungen zurück. Victoria wird geholfen und zwar innerhalb der dörflichen Strukturen, die in Holt bestehen und ohne dass sich irgendjemand einmischt, der nicht dazugehört. Das liest sich sehr schön, aber vor allen Dingen auch sehr melancholisch. Vielleicht, weil es solche Strukturen heute nur noch selten gibt? Mir hat der Roman gerade deshalb sehr gefallen.

Kent Haruf – Lied der Weite. Diogenes 2017.

Ich bedanke mich bei Diogenes und vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

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Hallo 2018!

In den letzten Wochen ist es hier ein bisschen stiller geworden. Ich war im Urlaub auf der Lieblingsinsel (Norderney), habe da Milchreis gegessen und bin am Strand spaziert, ich habe viele Bücher gelesen und mich ansonsten wenig mit Social-Media und dem Blog beschäftigt. Aber jetzt bin ich wieder da und freue mich auf das neue Lesejahr mit euch.

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Auch wenn das neue Jahr schon zwei Wochen alt ist, möchte ich noch einmal einen Blick zurückwerfen. Im letzten Jahr habe ich mich mit vielen verschiedenen Romanen beschäftigt. Insgesamt 66 Bücher habe ich gelesen, darunter waren nur 27 Frauen* – für 2018 nehme ich mir auf jeden Fall vor, mehr Schriftsteller_innen zu lesen. Und natürlich möchte ich weiter Bücher lesen, in denen Nirvana, bzw. Kurt Cobain thematisiert werden und es auch schaffen, darüber zu schreiben.

Als ich diesen Beitrag vorbereitet habe, bin ich alle Bücher durchgegangen, die ich im letzten Jahr gelesen habe. 2017 ist zu meinem John-Irving-Jahr geworden (12 Romane und Kurzgeschichten habe ich von ihm gelesen und geliebt). Ich musste zwar auch fast 30 werden, um einmal einen Roman von ihm in die Hand zu nehmen, aber besser spät als nie. Ich denke, ich werde noch einen neuen Blogbeitrag nur zu meiner Schriftsteller_innenentdeckung des Jahres schreiben.

Welche Autor_innen habt ihr 2017 entdeckt?

Ich habe in diesem Jahr wirklich viele tolle Romane gelesen. Allerdings sind mir einige Bücher besonders im Gedächtnis geblieben, deswegen gehören sie zu meinen Highlights des Jahres 2017.

Jahresrückblick 1

Und es schmilzt von Lize Spit

Eva hat Bovenmeer vor Jahren verlassen. Irgendwo zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln ist sie in diesem Dorf aufgewachsen, ihre besten Freunde waren Pim und Laurens. Nach 13 Jahren kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück. In ihrem Kofferraum befindet sich ein riesiger Eisklotz.

Es gibt Romane, die lassen einen einfach nicht mehr los. Atemlos folgt man Eva auf ihre Reise in die Vergangenheit und in eine Kindheit, die von Verwahrlosung und einer schockierenden Gewaltspirale geprägt wurde. Die Dramaturgie die der Geschichte zugrunde liegt, ist genial und auf den Punkt konstruiert. Und es schmilzt ist so eine Geschichte, die dich mit Haut und Haar einsaugt und dann wieder auskotzt. Das macht dieses Debüt so faszinierend, auch wenn ich bisher keine ähnlich verstörende Geschichte gelesen habe.

Das Ministerium des äußersten Glücks von Arundhati Roy

Ganze zehn Jahre mussten begeisterte Leser*innen auf Arundhati Roys Roman warten. Warum mich ihr neuer Indienroman begeistert hat, könnt ihr hier nachlesen.

Der Traum des Kelten von Mario Vargas Llosa

In diesem historischen Roman verhandelt der Nobelpreisträger das Leben des Aufklärers Roger Casement, der im Auftrag der britischen Regierung einen Bericht über die Grausamkeiten der Kolonialherren im Kongo verfasste und so für internationales Aufsehen sorgte. Bei einem Aufenthalt in Peru dokumentierte er die Zwangsarbeit der Uitotos, die von einem britischen Kautschukunternehmen ausgebeutet wurden.  Außerdem trat er für die irische Unabhängigkeit ein. 1916 wurde Casement wegen Hochverrats gehängt. Ein toller Roman um eine umstrittene historische Figur, den ich sehr gerne gelesen habe.

Nachtlichter von Amy Liptrot

Ein Roman über Sucht und Heilung und die raue Schönheit der Orkney-Inseln. Meine Rezension findet ihr hier.

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam von Sophie Divry

Ironisch, leichtfüßig, spielerisch – Divry schreibt gekonnt über ein schweres Thema. Toll. Mein Rezension findet ihr hier.

Wir sehen uns dort oben von Pierre Lemaitre

Ein Roman über eine besondere Freundschaft, der mich begeistert hat. Meine Rezension findet ihr hier.

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

Vom zartrosablauen Cover sollte sich niemand täuschen lassen. Emily St. John Mandel schreibt atmosphärisch dicht und erschreckend realistisch über die Folgen einer Grippepandemie, an der fast die komplette Menschheit stirbt. Gekonnt wechselt die Perspektive von der Gegenwart in die Zukunft und dreht sich um die Laienschauspieler einer über die Lande fahrenden Shakespeare-Company.

Swing Time von Zadie Smith

Ballett, Rassismus, eine Frauenfreundschaft, die kaputt geht … Zadie Smith hat einen ziemlich genialen Roman geschrieben, eine ausführliche Rezension gibt es hier.

 

Lize Spit: Und es schmilzt. S. Fischer 2017| Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks. S. Fischer 2017| Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten. Suhrkamp 2011| Amy Liptrot: Nachtlichter. btb 2017 |Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam. Ullstein 2017 | Pierre Lemaitre: Wir sehen uns dort oben btb 2017. | Emily St. John Mandel: Das Licht der letzten Tage. Piper 2015. | Zadie Smith: Swing Time. Kiepenheuer&Witsch 2017.