[Rezension] Alice Sebold – In meinem Himmel

Ein Buch für die Rory-Gilmore-Challenge, ein Buch von meinem SUB (Yeah!) und wieder eines dieser Bücher, bei dem ich den Film schon im Vorfeld gesehen habe. Spannend eigentlich, denn gerade hier dachte ich, dass man diesen Roman wohl nur schwer verfilmen könnte. Es ging trotzdem und entspricht so viel mehr der Buchvorlage, als ich gedacht hatte. Doch worum geht es?

Die vierzehnjährige Susie Salmon ist ein ganz normaler Teenager. Mit ihren Eltern und den Geschwistern lebt sie in einem typischen Kleinstadtnest in Pennsylvania und die Idylle ist perfekt. Doch der Schein trügt. Im Dezember 1973 kommt Susie nicht nach Hause. Was die Eltern nicht wissen: der unscheinbare Nachbar lockte das Mädchen in eine von ihm konstruierte Erdhöhle, um Susie zu v*rg*w*ltigen und anschließend umzubringen. Obwohl ihre Leiche nicht gefunden wird, ahnt die Polizei, dass es sich um ein Verbrechen handelt, spätestens als ihr Ellenbogenknochen gefunden wird, ist nicht mehr davon auszugehen, dass Susie noch lebt. Ihre Eltern und Geschwister müssen sich damit auseinandersetzen, dass Susie nie mehr zurück kommen wird und dass ihr Mörder nie gefunden wird. Obwohl Susies Vater den Nachbarn im Verdacht hat.

Susie befindet sich währenddessen in „ihrem Himmel“, einer Art Zwischenwelt, die sie betritt, so lange sie sich noch nicht von ihrem irdischen Leben lösen kann. Hier beobachtet sie ihre Familie aufs Genaueste, fühlt mit, wie ihre Mutter an ihrem Tod zu zerbrechen droht, wie ihr Vater immer besessener den Nachbarn verfolgt, ihre Schwester nicht mehr wahrgenommen wird und ihr kleiner Bruder beginnt sie zu vergessen – allerdings kann sie sich ihm noch als Geist zeigen. Genau wie ihren Freunden Ruth und Ray, die auf ihre ganz eigene Art mit Susies Tod und Susies Geistsein umgehen.

Susie beobachtet auch ihren Mörder und versucht von ihrem Himmel aus, den sie ganz nach ihrer Fantasie gestalten kann, den Freunden und Geschwistern Zeichen zu geben. Doch irgendwann muss auch Susie erkennen, dass sie lernen muss, ihr altes Leben loszulassen.

„In meinem Himmel“ ist ein berührendes Buch. Stellenweise einfach nur schrecklich und kaum auszuhalten und dann wiederum so rührend und zärtlich. Es geht nicht darum, ein Verbrechen zu lösen, denn der Täter ist schon längst bekannt. Es geht um etwas anderes. Die Salmons gehen auf unterschiedlichste Weise mit Susies Tod um und der Roman zeigt, dass es keinen richtigen oder falschen Umgang mit Trauer gibt. Sei es die Großmutter, die trinkt, die Schwester, die sich zurückzieht oder der kleine Bruder, der beginnt Schlagzeug zu spielen, so laut er kann. Versöhnlich wird die Geschichte dadurch, dass Susie sich an einem sicheren Ort befindet und trotzdem muss gerade sie sich mit loslassen, mit Trauer, mit Abschied vom Leben beschäftigen. Keine leichte Lektüre und trotzdem hoch spannend, da Susie ihrem Mörder durch ihre Himmelsperspektive so viel näher kommt, als er ihr jemals gewesen ist oder sein konnte. Sie kann ihn verfolgen, sie kann sich in seine Gedanken schleichen. Durch ihre Position im Himmel ist sie sehr mächtig geworden und das rettet meiner Meinung nach die traurige Situation, das macht sie zu derjenigen, die agiert, die Kontakt zu ihren Freunden aufnehmen kann, die nicht aufgibt. Obwohl sie tot ist. Eine paradoxe Situation, diese Stärke nach dem Tod. Aber innerhalb der Handlung für mich absolut stimmig. Ein ergreifendes Buch, das nicht nur spannend ist, sondern auch viele berührende Momente offenbart und das sich in jedem Fall lohnt zu lesen.

Alice Sebold: In meinem Himmel (The Lovely Bones). Aus dem Amerikanischen von Almuth Carsten. Goldmann-Verlag, München 2003.

380 Seiten

ISBN-10: 3-442-47005-6

Und hier gibt es auch noch den Trailer des Spielfilms, der 2010 in den deutschen Kinos anlief.

100 [Project Short Film] # 4 Validation

„Validation“ – a fable about the magic of free parking – ist wahrscheinlich der Kurzfilm, mit dem meine Leidenschaft für das „Genre“ angefangen hat. Dabei ist das „Frei-Parken“-Feld , erinnert man sich an Monopoly, nicht gerade ein sagenumwobener Ort. Obwohl, das stimmt nicht ganz – meine Freundin und ich spielten immer diese Variante, in der die gesamten Steuergelder in der Mitte gesammelt wurden und wenn man auf das Feld kam, konnte man sehr reich werden.  Reich beschenkt werden die Menschen in diesem Film auch, allerdings etwas anders als durch schnöden Mammon. Kurt Kuenne ist Produzent und Verfasser diese kleinen Filmchens und hat mit TJ Thyne und Vicki Davis zwei sympathische Schauspieler ausgesucht. Ich kann gar nicht aufzählen bei wie vielen Festivals „Validation“ schon ausgezeichnet wurde, aber auf Youtube wurde er mittlerweile 7.859.196 mal angeklickt (und ich allein bin wahrscheinlich für ca. 50 dieser Klicks verantwortlich). Der Film macht mich einfach sehr glücklich. Und wenn ihr ihn noch nicht kennt, bitte schön. 

[Project Short Film] # 3 „A Tusky Tale“

Kurzfilme können auch so schön animiert sein. Selbst wenn ich nicht unbedingt zu den allergrößten Fans von Animationen gehöre, finde ich, dass diese hier sehr gelungen ist. Es geht um einen „Einhornwal“ – na ja, eigentlich heißen diese Tiere Narwale, aber Einhornwal klingt toll. Und lange Zeit wurde tatsächlich eine Verwandtschaft zwischen Einhorn und Wal angenommen. So nach dem Motto, wenn es so einen Wal gibt, dann ist das Beweis genug dafür, dass es irgendwo auf der Welt auch ein Einhorn gibt. Ist das nicht schön? Ich bin sicher, dass jeder weiß, welches Tier mit der Bezeichnung „Einhornwal“ gemeint ist. Von den Narwalen gibt es nur noch 23.000 Exemplare auf der Welt. Jedes Jahr werden ca. 1000 Tiere gejagt, angeblich sei diese Zahl gerade noch tolerierbar, um die Population stabil zu halten. Seit 1971 steht der Narwal in Kanada, Grönland und Norwegen unter Artenschutz, so dass ihn in Kanada nur die indigene Bevölkerung jagen darf (laut Wikipedia fünf Tiere pro Jahr und Jäger). In Grönland hingegen ist die Jagd nicht so stark reglementiert, trotzdem dürfen Ausländer_innen den Wal nicht jagen. In Norwegen darf er nur mit einer speziellen Genehmigung des Fischereiministeriums gejagt werden, was einem Jagdverbot gleichkommt. Richtig so, das arme Tier musste ohnehin schon zu lange darunter leiden, dass irgendwelche Wilderer scharf auf sein Horn waren. In diesem Kurzfilm „A Tusky Tale“ geht es nun um einen Narwal, der ausgestoßen wird, weil er sein Horn verliert. Das ist vor allen Dingen herzerweichend süß. Animiert wurde dieser wunderniedliche Kurzfilm von Kerstin Buzelan aka Noody, die auch sehr schöne Comics auf ihrer Seite präsentiert. *klick*

97 [ Aktion ] Gemeinsam Lesen # 20

Ich bin ein wenig herumgestreift und habe eine wunderschöne Aktion von Asaviel gefunden. Und da dachte ich mir, dass ich doch einfach mal mitmache … FotoBanner1

  1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du? Ich lese gerade von Mario Vargas Llosa „Das Fest des Ziegenbocks“. Ich bin momentan auf Seite 343 (von 767).
  2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite? Statt des peinlichen Anblicks, des Flecks, den er erwartet hatte, stellte er fest – sein Sehvermögen war nach wie vor phänomenal, wie sein Gedächtnis – daß sein Hosenschlitz und der Schritt trocken waren. (Wunderbarer erster Satz … )
  3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch los werden? Ich musste mich etwas durch den Anfang quälen, einfach weil es zu viele verschiedene Figuren waren, aber mittlerweile bin ich richtig angefixt. Ich will wissen, wie es weitergeht. Ich will endlich wissen, ob Uranias Vater wieder aus der Demenz zu Bewusstsein gelangt und seiner Tochter berichten kann, wie weit er dem Diktator Trujillo gedient hat und wie weit er an Erschießungen und Verschwinden lassen teilgenommen hat oder eben nicht. Außerdem will ich wissen, ob die Attentäter, die Trujillo umbringen wollen, erfolgreich sind und ob Uranias Vater mit dabei war. Außerdem will ich, dass dieser arrogante Trujillo endlich mal was auf die Mappe kriegt, das ist ja unerträglich!
  4. Was hat dein Interesse an dem Buch geweckt, so dass du es dir gekauft/gewünscht/bestellt hast? Mario Vargas Llosa ist seit dem Roman „Das Bösen Mädchen“ einer meiner liebsten Autoren. Allerdings kannte ich eben nur diesen Roman von ihm und ich wusste, dass er den Literaturnobelpreis bekommen hat. Als ich in der Bücherei war, bin ich dann auf „Das Fest des Ziegenbocks“ gestoßen und weil die Neue Zürcher Zeitung (ich steh‘ ja auf so Zitate hinten auf Büchern) zu dem Roman schreibt: „Es gibt Bücher, die verschlingen den Leser, wirkungsvoller als jede Droge.“ musste ich das Buch ausleihen. Und es ist ganz, ganz toll bis jetzt. :)

[Rezension] Zsuzsa Bánk – Die hellen Tage

„Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück“ (S.515)

18437-Bank-Die hellen Tage.inddKlappentext: In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt. Doch die scheinbar heile Welt einer Kindheit in den sechziger Jahren des 20. Jahrhundert hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, Ajas Vater kommt nur einmal im Jahr zu Besuch, und der gemeinsame Freund Karl hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist. Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen der Kindheit lotsen und ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben zu haben und sich in seine Mitte zu begeben …

Worum geht es?

In Zsuzsa Bánk Roman geht es um so viel, um Freundschaft, Liebe, Verrat, Verlust und dem sehnsüchtigen Warten auf die hellen Tage, die es vielleicht so nur in der Kindheit geben kann. Während die Welt der Kinder so zart, poetisch und zauberhaft beschrieben wird, merken die Lesenden und die Kinder schnell, dass es doch so viel gibt, dass die Idylle stört und dass die Mütter der Kinder aber immer wieder versuchen aufzufangen, auch wenn es nicht immer gelingt.

Im Zentrum der Erzählung, die von Seri in der Retrospektive erzählt wird, stehen dabei ihre beste Freundin aus Kindertagen, Aja und ihre Mama Èvi. Évi, die nicht lesen kann und bunte Tücher im Haar trägt, die in einer Baracke lebt, die ihr Mann Zigi, der alle Jubeljahre vom Zirkus zurückkehrt, für sie und die Tochter organisiert hat. Èvi, die Seiltänzerin, wartet auf Zigi, der aus dem Stand auf die Hände springt und mit ihr ein Fest für die Kinder gibt,  egal, wie lange er verschwunden bleibt. Èvi freut sich um so mehr, wenn er wiederkommt. Für Seri und Karl, der einfach eines Tages auftaucht, ist Ajas Haus keine Baracke, sondern ein fantastischer Ort, an dem sie sich zuhause fühlen können und den bald auch ihre Mütter kennen und lieben lernen, so dass es nicht nur eine Dreieckskonstellation auf Seiten der Kinder, sondern auch auf Seiten der Mütter entsteht.

Überhaupt ist Kirchblüt, der Ort, an dem die drei Freunde werden und ein Dreieck bilden, dass durch ihre Mütter gestärkt und verwoben wird, ein mystischer Ort. Irgendwie ist alles ganz, hier scheint so viel zu funktionieren, hier ist man füreinander da, hier liegen die „hellen Tage der Kindheit“, in denen sich das Dreieck bildet, zwischen den Aja und Seri und Karl, drei Figuren, die stark sind und den Anschein geben, als hätten sie sich ihre Außenseiterrolle wirklich selbst ausgesucht. Aber kann das denn stimmen? Wie viel wissen wir von dem, was hinter dem schiefen Tor, den „herbstnackten Feldern“ und den Erlebnissen am See wirklich liegt? Auch die Erzählerin hält sich zurück. Deutet hier etwas an oder da. Zum Beispiel, dass Aja mit ihrem Fahrrad in den See gefahren ist und das Fahrrad nicht mehr loslassen wollte, als Zigi einmal gegangen war. Und dass allein Seris Mutter, die beherzt in den See gesprungen ist, Aja (wahrscheinlich?) vor dem Ertrinken bewahrt hat. Oder die Leserin erfährt erst nachdem sie Aja und ihre Mutter schon lange kennt und weiß, wie besonders sie leben, dass Aja nicht mehr alle Finger an der einen Hand hat und dass sich ihre Mutter Èvi schuldig fühlt, weil sie einmal, einmal, nicht auf Aja aufgepasst hat.

Das zentrale Thema ist Schuld, Schuld, die sich wie eine unsichtbare Decke um die drei Freunde gelegt hat. Karl gibt sich die Schuld am Verschwinden seines Bruders, den zwei Sekunden, die dieser brauchte um ins Auto zu steigen. Seit dem klackt es in seinem Kopf im Zwei-Sekunden-Takt. Die Ich-Erzählerin Seri, und auch das erfahren die Lesenden sehr spät, muss mit ihrer Mutter leben, die sich irgendwie auch die Schuld am Tod von Seris Vater gibt. Vielleicht ist es auch deshalb für die Protagonist_innen so schwer, sich voneinander zu lösen. Ohnehin ergeben sich merkwürdige Verflechtungen zwischen den Figuren, die in Kirchblüt zwar funktionieren und an den Ort gebunden sind, die aber dysfunktional werden, sobald die Protagonist_innen das Dorf verlassen. So kümmert sich Seris Mama sehr um Aja und Seri kann nie verstehen, warum Aja ihre eigene Mutter oft von oben herab behandelt, während Karl und Èvi auch eine besondere Verbindung haben. Auch Karls Papa, hat sich, so scheint es, in Èvi verliebt, doch gegen Zigi hat er keine Chance. Als Seri, Aja und Karl, gemeinsam für einen Auslandsaufenthalt nach Rom aufbrechen, ist das Chaos spürbar. Obwohl das Dreieck in den hellen Tagen der Kindheit funktioniert hat, versucht Seri, herauszubekommen, ob sie schon im Vorfeld etwas gemerkt hat, ob sie schon etwas hätte ahnen können, eine Spur, die sich schon vor Rom angedeutet hat. Denn gerade Rom war für Seris Mutter in der Vergangenheit auch schon einmal entscheidend. In Rom geht es den beiden jungen Frauen Aja und Seri auf einmal um Karl, eine Frauenfreundschaft, die so eine Belastung nicht aushalten kann. Dann ist da auch noch dieser Brief von Libelle, der Frau, die Zigi immer wieder besuchte und für die er Èvi warten ließt und auf einmal wird deutlich, dass Zigi und Èvi vielleicht die größte Schuld tragen.

Das sage ich …

Die hellen Tage ist einer dieser Romane, die ich nicht aus der Hand legen konnte. Ich weiß zwar nicht wo dieses Kirchblüt liegen soll und ob es diesen Ort überhaupt gibt, aber ich habe mich erinnert gefühlt, an mich, an meine eigene Kindheit zwischen Kletterbäumen und Wiesen und so viel Wald. Spannend ist, dass sich innerhalb der Erzählung, die unglaublich langsam und mit sehr viel Liebe zum Detail erzählt wird, viele Verbindungen ergeben, die immer wieder aufgerufen werden, die immer noch einmal wiederholt werden. Erst nach und nach beginnt man zu merken, dass vieles eben doch nicht so idyllisch ist, wie es zunächst scheint, auch wenn Bánk in ihrer poetischen Sprache fast darüber hinwegtäuschen konnte. Doch es gibt Probleme und Schuld und Dinge, die verschwiegen werden und erst nach und nach ans Licht kommen. Dabei spannt Bánk einen Bogen von fast fünfzehn Jahren, in denen die Freunde erwachsen werden. Bittersüß, fällt mir zu dem Buch ein. Bittersüß und zärtlich, denn alle Figuren, egal wie falsch sie sich verhalten haben, behandelt Bánk sehr empathisch, so als gäbe es eben doch keine Schuld, als könne man doch so vieles verstehen und als blieben sie eben doch, diese Verbindungen der Kindheit, die Menschen, die uns lieben, die uns niemals verlassen. Das ganze Buch schwebt, die Lesenden schweben ein Stückchen mit, durch die hellen Tage, die man behält, während man die dunklen dem Schicksal zurückgibt. Auch wenn der Roman manchmal etwas an der Kitschgrenze rührt, ich kann ihn jedem empfehlen! Unbedingt.

Zsusza Bánk – Die hellen Tage. Fischer Taschenbuch Verlag 2012. 541 Seiten. 9,99 €.

ISBN: 978-3-596-18437-8

95 Leserückblick Juli

Manchmal vergeht die Zeit viel zu schnell. Der Juli ist schon wieder vorbei, aber ich habe viel gelesen. :)

Gelesen:

11 Bücher, davon waren fünf aus der Bücherei und sechs von meinem SUB

Neugekauft: Oh je, an Büchern kann ich nur sehr schwer vorbei gehen. Finanziell gesehen waren diese 5 Bücher aber nur Schnäppchen (und sie haben „Mama“ gesagt)…

1.Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels (und zwar für 50 Cent auf dem Flohmarkt, wer würde da nein sagen?) / 2.Arno Geiger – Der alte König in seinem Exil (aus dem Buchtauschregal hervorgezaubert)/ 3.Kazuo Ishiguro – The Remains of the Day (ebenfalls aus dem Buchtauschregal)/ 4. Michael Ondaatje – Der englische Patient (als aussortiertes Exemplar für 50 Cent in der Bücherei bekommen)/5. Haruki Murakami – Gefährliche Geliebte (auch 50 Cent in der Bücherei)

Erlesenes für die Rory-Gilmore-Leseliste:

4 Romane, das ist der absolute Rekord bisher und es waren diese hier…

1. Harper Lee – Wer die Nachtigall stört / 2. Ernest Hemingway – Fiesta / 3. Margaret Atwood – Oryx und Crake / 4. Charlotte Bronte – Jane Eyre

Damit liege ich nun bei 43 gelesenen Büchern (von 330 – dong! ;) ).

Geschriebene Rezensionen:

4 und zwar zu Wer die Nachtigall stört von Harper Lee <3 , zu Susanne Kaisers Von Mädchen und Drachen, zu Oryx und Crake von Margaret Atwood (der Roman ist so toll!) und zu Plattform von Michel Houellebecq

Lieblingsbücher des Monats: Wer die Nachtigall stört und Oryx und Crake

Verstörendstes Buch des Monats: Ich kann mich noch nicht zwischen Plattform von Houellebecq und Adler und Engel von Zeh entscheiden. Plattform ist genial geschrieben und ich bewundere Houellebecq für seinen Schreibstil und die Art mich als Leserin zu provozieren. Adler und Engel hat mir sehr gefallen, gerade weil es so verstörend ist, aber einige Szenen waren mir einfach zu wiederlich, soetwas will ich manchmal eben doch nicht lesen.

Monatsflop:

Gibt es eigentlich so nicht. Bei Lovelybooks haben „am schlechtesten“ Einfach so von Lily Brett mit 3 Sternen und Fiesta von Ernest Hemingway mit ebenfalls 3 Sternen abgeschlossen. Allerdings finde ich eine Sternchenbewertung ohnehin problematisch (deswegen gibt es sie hier auf dem Blog auch nicht). Wie soll ich den so etwas Komplexes wie einen Roman auf eine Sternenpunkteskala einordnen? Gerade in den Zwischenbereichen wird es doch schwierig. Häufig ist es leicht zu sagen, welche Bücher mir besonders gefielen oder welche eben gar nicht. Aber dazwischen? Was ist der qualitative Unterschied zwischen der Vergabe von drei Sternen und der Vergabe von zwei Sternen? Ich bin mit diesem Sternchensystem nicht ganz zufrieden und auch wenn ich die beiden drei Sternchen Kandidaten für diesen Monat ansehe, kann ich zwischen Brett und Hemingway kaum Gemeinsamkeiten finden. Ich habe sie aber dennoch beide mit drei Sternen bewertet und parallelisiere sie dadurch ja eben doch. Schwierig, aber nicht so mein Ding mit diesen Sternchen. Geht es da jemandem ähnlich?

Alles außer Bücher …

gefeiert: mein letztes EW-Seminar ever!/ gefreut: über das anstehende Praktikum/ geliebt: den Workshop am germanistischen Institut über Serien und Short-Cuts-Verfahren/organisiert: Yeah, ich habe ein WG-Zimmer in der Praktikumsstadt! / angefangen: Project Short Film :) / gegessen: Pizza, Pasta, Milchreistarte/ entdeckt: das Kommunale Kino in Gelsenkirchen, Flohmärkte en masse/ gesehen: Kino! Kino! Kino! WorldWarZ mit Brad *schmacht*, Monster und Roboter in Pacific Rim – und ich habe mich gut unterhalten gefühlt (das hat mich verwundert), Die Jagd mit Mads Mikkelsen, Francis H. in der Arthouse-Sneak/ geärgert: dass wir Ginger & Rosa wegen meiner Verwirrtheit verpasst haben, über unzuverlässige Menschen / geschafft: das Semester ist rum!/ gedacht: ich brauche Geld und irgendwie auch gerne einen Job …

[Rezension] Susanne Kaiser – Von Mädchen und Drachen. Ein Märchenroman.

Klappentext: Wie wird die ratlose, ja verzweifelte Gwendolyn zum lebensfrohen, selbstbewußten (sic!) Drachenmädchen? Dazu gehört eine vitale Urkraft, die weder an den lächerlichen noch an den – viel gefährlicheren – „gutgemeinten“ Forderungen von Familie und Umwelt erstickt.

„Susanne Kaiser besitzt Talent fürs leichte, amüsante Erzählen.“ (FAZ)

„Ein starkes Pädoyer für die Urkraft der Frauen und für die Macht der echten Liebe.“ (Freundin)

Was habe ich denn da mitgenommen? Bei einem Besuch zuhause, fiel mir dieser Roman in die Hände. Meine Eltern besitzen mehrere Regale voller Bücher (irgendwoher muss dieses Leidenschaft ja kommen) und dieser etwas andere Märchenroman war auch dabei. Auf dem Rückendeckel klebte noch das „1 Euro“ – Preisschild und ich vermute einfach, dass diesen Roman zuhause noch niemand gelesen hat. Aber er ist rot und von Suhrkamp und außerdem ist Susanne Kaiser 1994 von der Stadt Wetzlar für Mädchen und Drachen mit dem „Phantastik-Preis“ ausgezeichnet worden. Also, los…

Worum geht es?

Genau, um Mädchen und Drachen. Eigentlich ganz einfach. Die Handlung spielt, ganz wie es sich für ein Märchen gehört, in einer fantastischen Welt, in der Prinzessin Gwendolyn mit ihren Eltern und Brüdern auf einer Burg lebt. Eigentlich ist Gwendolyn ein sehr vergnügtes Kind. Sie spielt gerne, sie hat viel Fantasie und wenn es sein muss, dann besiegt sie auch die Jungs in den regelmäßigen Raufereien.Besonders den doofen Gottlieb. Doch irgendwann ist die unbeschwerte Kinderzeit vorbei und sie muss sich endlich wie eine Prinzessin verhalten. Und das gefällt ihr gar nicht. Während ihre Brüder ausziehen und die Welt entdecken, schickt sich so ein Verhalten kaum für eine Prinzessin. Während ihre Brüder in ihren verlassenen Zimmern jeden Schrott anhäufen dürfen, der ihnen gefällt (Jungs sind eben so Forschertypen), werden Gwendolyns Spielsachen von einem Tag auf den anderen weggeworfen, denn wenn man erwachsen ist, spielt man nicht mehr, teilen ihr die Erwachsenen mit. Zumindest nicht als Mädchen.

Gwendolyn zieht sich zurück und beschäftigt sich mit dem, was sie besonders gut kann. Schon früher hatte sie mit einem ihrer Brüder ein Aquarium angelegt und sich um Pflanzen und Tiere gekümmert. Seit ihr Bruder weg ist, versorgt sie die Tiere heimlich, erforscht ihre Verhaltensweisen und nähert sich mit biologischem Sachverstand der Tierwelt. Hier kann sie sich selbst so viel mehr beibringen, als ihr die Erzieherinnen zutrauen, die sie entweder Handarbeiten anfertigen lassen (in denen Gwendolyn grandios scheitert) oder Geschichten von flauschigen Kaninchen und wunderschönen Rehlein erzählen, die so viel mit Biologie und Gwendolyns Interessen zu tun haben, wie Bockwürstchen mit Wackelpudding. Eines der Tiere ist der kleine Drache Drago, mit dem sich Gwendolyn anfreundet. Doch dann wird ihr auch diese Freude genommen, zudem sieht der zurückgekehrte Bruder in Gwendolyns wissenschaftlichen Betrachtungen auch nur Kindereien, die nicht zu einer Prinzessin gehören. Gerade noch rechtzeitig kann Gwendolyn alle Tiere, inklusive Drago, befreien.

Die Zeit vergeht und Gwendolyn wird immer unglücklicher und ruhiger und stummer und kann dabei nur auf einen Verehrer warten. Doch dann verwandelt sie sich am Tag des Burgfestes aus heiterem Himmel in einen Drachen. Sie ist frei, sie ist stark und sie ist unglaublich begierig danach, das Schloss zu verlassen.  Nach ihrem Ausbruch bemerkt sie, dass es noch viele andere Drachenmädchen gibt, die frei und solidarisch miteinander leben und Drago findet sie auch wieder.

Als Drache kann Gwendolyn so viel forschen, wie sie will, es stört niemanden und sie kann sich sogar mit den anderen Drachenforscherinnnen zusammen tun. Es besteht auch die Möglichkeit, sich wieder in eine Frau zurückzuverwandeln, zumindest für die große Liebe. Doch will Gwendolyn das, nachdem sie nun alle Freiheiten hat? Ein Thema, das auch die anderen Drachenmädchen nicht loslässt und immer wieder diskutiert wird. Und dann lernt Gwendolyn den Bildhauer Hans kennen, der das starke Drachenmädchen sehr bewundert. Doch Gottlieb hat auch noch seinen großen Auftritt …

Das sage ich …

In Von Mädchen und Drachen werden weibliche Emanzipationsgeschichten erzählt, denn alle Drachenmädchen haben so eine Entwicklung hinter sich. Auf Gwendolyn, der Wissenschaftlerin, liegt allerdings der Hauptfokus. Und letztendlich auf ihrem Weg, der zu einer friedlichen Welt führt, in der Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander leben können. Klar, es ist ja auch ein Märchen. Auch wenn die Geschichte erst etwas schräg wirkt, zumindest die Verwandlung der Prinzessin in einen Drachen, hat sie mir gefallen.

Der märchenhafte Ton und die überspitzte Darstellung des fiesen Gottlieb und die Ungerechtigkeiten, die die Erwachsenen in der Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen produzieren, wirkten dabei nie oberlehrerhaft, sondern vielmehr leicht und witzig erzählt.

Etwas zu didaktisch wurde mir dann allerdings die Beschreibung der unterschiedlichen Drachenmädchen, die natürlich alle verschiedene Modelle der Frauenbewegung repräsentieren. Von den moderaten Feministinnen, die auf die große Liebe warten, bis hin zu den Drachenmädchen, die nur andere Drachenmädchen brauchen (und deswegen auch immer starke Drachen bleiben ;) ). Wie gesagt, ein wenig zu platt wurde es mir dann doch, ähnlich erging es mir mit der vielzitierten „Ukraft“ der Frauen“, z.B. gibt es drachentypische Initiationsrituale, die von einer Drachenpriesterin durchgeführt werden und die mich echt zum Lachen brachten. Andererseits bleibt Kaiser mit diesen Beschreibungen konsequent im Märchenstil verhaftet, und gerade Märchenfiguren (die Prinzessin, der Prinz, der Zwerg, die Hexe etc.) sind eben stereotype Figuren und Rituale oder Handlungen, die beispielsweise genau drei mal ausgeführt werden müssen, sind typische Märchenelemente, so dass sich dennoch ein rundes und vor allen Dingen amüsantes Bild ergibt. Auch weil im Märchen am Ende alle so leben wollen, wie sie es sich wünschen und jede_r die große Liebe gefunden hat, beschreibt Kaiser nicht nur ein Märchen, sondern auch eine gewitzte Utopie, die eben gerade funktioniert, weil sie im Bereich der Fantasie angesiedelt ist.

Auch wenn es stellenweise ein wenig zu didaktisch war, habe ich das Buch gerne gelesen (Stichwort: Empowerment) und kann es jedem empfehlen, der ein schön-schräges Märchen lesen will und keine Angst vorm Feminismus hat. ;)

Susanne Kaiser: Von Mädchen und Drachen. Ein Märchenroman. Suhrkamp Taschenbuch 2729. (1994)188 Seiten.

ISBN-10: 351840595 ISBN-13: 978-3518405956

(Ich glaube, dass man das Buch nur noch antiquarisch/gebraucht bekommt, dann aber auch für sehr wenig Geld.)