Leserückblick September

Der Monat ging so schnell vorbei, dass ich fast nicht hinterherkomme, mit meinen Gedanken…

Erlesenes im September:  2 Bücher und 3 Kurzgeschichten von Thomas Mann

1. Truman Capote – Frühstück bei Tiffany *klick*  2. Stephan Kaluza – Geh auf, Magenta!

Neue Bücher? Na klar …. :)

Das Gelesene ist nicht sehr viel, dafür stand der September ganz im Zeichen meines Praktikums. Ich habe viel gelernt, tolle Menschen kennen gelernt und auch ein bisschen über mich selbst erfahren. Ich habe das Tanzen und das Training so vermisst, ich wusste nicht, wie wichtig das Tanzen für mein persönliches Glück ist. Und ich habe festgestellt, dass ich viel mehr sehen möchte, viel mehr Städte kennen lernen möchte. Ich habe so viele Ideen und hoffe, dass ich ein paar Ideen mitnehmen kann, zurück in die Unistadt und zu den Menschen hier. Mein Monatshighlight: Herta Müller live. Ansonsten bin ich jetzt gespannt, was das neue Semester so bringt.

Ich freue mich.

[Rezension] Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

„Truman Capote ist der perfekteste Schriftsteller meiner Generation. Ich hätte keine zwei Wörter in „Frühstück bei Tiffany“ ändern wollen.“ Norman Mailer

Tja, wer kennt sie nicht, die grandiose Verfilmung dieses Klassikers des 20. Jahrhunderts mit der zauberhaften Audrey Hepburn in der Hauptr- …. Moment! Zugegeben, ich kenne den Film nicht und hatte, obwohl ich Gossip Girl liebe und Blair wunderbar ist, auch noch nie den Wunsch, diesen Klassiker der Filmkunst anzusehen. Warum? Ich habe versucht Krieg und Frieden in der Verfilmung mit Audrey zu sehen und was soll ich sagen – es war fürchterlich. Ich konnte mit ihr einfach gar nichts anfangen und war von ihrer Filmfigur riesig genervt. Und dann lacht mich Audrey auf dem Cover des Buches an, so wie man sie kennt, mit der Perlenkette und dem schwarzen Kleid und ich denke mir, warum nicht mal Truman eine Chance geben?

Worum geht es?

Der namenlose angehende Schriftsteller befreundet sich in den 1940er Jahren mit seiner Nachbarin, Holly Golightly, die ihn fortan „Fred“ nennt, da so ihr älterer Bruder geheißen hat. Holly ist ein Starlett (oder eine Prostituierte?), in jedem Fall ein hübsches It-Girl, das es irgendwie geschafft hat, die richtigen Männer zu kennen und zu den richtigen Partys eingeladen zu werden um irgendwann einen ihrer reichen Verehrer zu heiraten. „Fred“, ihr Nachbar, wird bald darauf ebenfalls Teil ihres exquisiten Zirkels und Holly versucht sogar, durch Strippenzieherei bei einem Bekannten, einen Verlag für „Fred“ aufzutun. Holly, die überall ist, aber scheinbar nirgends richtig ankommt, scheint wie aus dem Nichts in der Stadt gelandet zu sein. Sie scheint keine Vergangenheit zu haben und verzaubert den Schriftsteller. Dabei ist Holly nicht nur das Happy-Go-Lucky-Girl. Manchmal überfällt sie das „rote Elend“, wie sie selbst sagt. Dann bleibt ihr nichts als Weltschmerz, Angst, Einsamkeit. Und was hilft? Ein Gang zu Tiffany’s, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Manchmal nimmt sie ihre Gitarre und spielt dann Lieder, von denen sich der Erzähler fragt, wo sie diese denn gelernt haben könnte :“rauzärtliche, umherirrende Melodien mit Worten, die nach Südstaaten-Nadelwäldern oder der Prärie schmeckten“. Und dann gibt es da wirklich diesen Mann, der sie heiraten möchte – zumindest glaubt Holly das. Und in einer Stadt wie New York, in der das Verbrechen nie schläft, haben es einsame Herzen auf der Suche nach Katzen oder der Frau für’s Leben gar nicht so leicht, vor allen Dingen, wenn die Mädels gar nicht Holly, sondern eigentlich Lullamae heißen…

Hier noch ein Youtube-Schmankerl aus dem Film (+ unvergesslicher Melodie):

Das sage ich …

Ich möchte doch noch den Film sehen! Ich will, ich will, ich will! Mir hat die Novelle sehr gut gefallen. Auf knapp 100 Seiten wartet Capote mit überraschenden Wendungen auf, während die knapp einjährige Bekanntschaft des Protagonisten mit Miss Golightly näher beleuchtet wird. Die Erzählung ist spannend und zum Teil sehr schnoddrig und witzig erzählt. Das liegt besonders an Miss Golightly, dieser gerade einmal 19jährigen, die ihre männlichen Bekanntschaften gerne mit „Herzchen“ oder „Schätzchen“ anspricht, während sie einen Drink kippt. Dabei merken die Leser_innen aber auch, dass Holly bisher kein leichtes Leben hatte – aber auch, dass sie für ihren großen Traum, die Heirat mit einem reichen Mann, alles tun will. Außerdem ist Holly jemand,  der sich nach Sicherheit sehnt und dabei weiß, dass die Männer die sie braucht, sie doch nur für ihre Zwecke benutzen wollen. Der angehende Schriftsteller ist dabei eine herausragende Ausnahme, wenn sonst nur das Motto „Fressen oder gefressen werden“ gilt. Insgesamt kann ich nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen und bin jetzt gespannt, ob der Film das Niveau des Buchs halten kann. Ich kann es mir kaum vorstellen. Aber die Perlenkette, die Sonnenbrille, das schwarze Kleid – das was ich als typischen Audrey- Stil empfunden habe, ist genau das, was Capote sich für Holly vorgestellt hat. Ich freue mich auf den Film.

Truman Capote: Frühstück bei Tiffany (=Süddeutsche Zeitung Bibliothek Band 51). Kein & Aber Verlag, Zürich 2006. 108 Seiten.

ISBN: 978-3-86615-501-5

[Gesagt]

„Es gibt noch weit beunruhigende Betrachtungen hier! Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei;

dann hätte man, bei einem green old age von 20 000,

demnach rund 15 000 Lesetage zur Verfügung.
[…]
Ich möchte es noch heilsam–schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Arno Schmidt. „Julianische Tage“ 1961, in: Trommler beim Zaren. 190-191.

„Ich bin eine Brombeere“ – Herta Müller und Collagenkunst

 http://www.gomeal.de/uploaded_img/Brombeere.jpg

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Listening to: Marina and the Diamonds – Hermit The Frog

Oh. Mein. Gott. Ich bin so unfassbar, unfassbar, unfassbar glücklich. Gestern war Herta Müller hier in der Marzipanstadt. Ja, genau. Die Herta Müller, die 2009 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, und deren Werke ich nach und nach verschlinge. Und wer hat noch eine Karte bekommen? Yeah me! Offiziell gab es keine Karten mehr, selbst in der Buchhaltung in der ich am nachmittag war, gab es irgendeine Möglichkeit und auch in dem Literaturmuseum in dem ich arbeite, war allen schon klar, dass es keine Chance mehr auf Karten gibt. Schade eigentlich, aber ich hatte mich damit schon abgefunden.

Und dann, rums. Eine andere Praktikantin erzählte, dass die Eltern ihres Freundes noch eine Karte zu verkaufen hätten. Die wollte ich natürlich haben! Ich hatte keine Zeit mehr zwischen Arbeit und Karte kaufen in die WG zu fahren, geschweige denn etwas zu essen, aber das war mir so egal. Ich war einfach nur wahnsinnig heiß auf diese Karte und traute mich dann auch nicht mehr, wie es mein ursprünglicher Plan war, noch einen Student_innenrabat herauszuschlagen, immerhin verkauften sie mir die Karte und da wollte ich nicht noch handeln. Obwohl es gar nicht so günstig war. Dafür war aber auch der anschließende Besuch der Ausstellung inklusive.

Am lustigsten (oder bestürzendsten) waren dann allerdings das andere Publikum bei der Lesung. Bei vielen hatte ich das Gefühl (und ich weiß, dass ich ihnen damit eventuell auch Unrecht tue), dass sie nur da waren, weil Herta Müller eben eine Nobelpreisträgerin ist. Vielleicht ist dieses Gefühl aber auch nur durch die beiden Kartenverkäufer_innen entstanden, neben denen ich dann auch saß. Sie fragte mich, was ich denn studieren würde, das war sehr nett, ein netter SmallTalk – obwohl ich natürlich geduzt wurde. Ich will nicht rumspießen, aber manchmal habe ich auch gar nichts gegen ein etwas distanzierendes „Sie“, vor allen Dingen da ich die Dame auch siezte. Na ja, ich will nicht kleinlich sein, vielleicht hätte ich sie auch einfach duzen sollen. Und dann fragte sie, ob ich denn Herta Müller kennen würde. Da habe ich natürlich erst mal erzählt, dass ich Herztier so mag und dass ich letztens Niederungen gelesen hätte und vor einiger Zeit Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt und Der Fuchs war damals schon der Jäger. Vor kurzem habe ich auch Reisende auf einem Bein gelesen, aber das ist mir in dem Moment natürlich nicht eingefallen. Und was sagte die Dame? Ja, also sie habe ja Atemschaukel angefangen, natürlich nennt sie Müllers bekanntestes Werk, was nicht schlimm ist, aber ich hatte den Eindruck, dass sie sonst nichts kennen würde. Und wie ging es weiter? Na ja, sie habe es aber nicht so gut zu ende lesen können, es sei einfach zu bedrückend gewesen. Ja, was soll ich da noch sagen? Auseinandersetzung mit Unterdrückung und Diktatur gehören zu Herta Müllers Werken dazu. Warum besucht jemand eine Lesung, der eigentlich die Literatur der lesenden Schriftsteller_innen als „zu bedrückend“ empfindet? Vielleicht spielte da die Mitgliedschaft in einem Künstler_innen fördernden Verein eine größere Rolle. Es gab mir zumindest zu denken. Gerade bei dieser Schriftstellerin.

Herta Müller ist in Rumänien durch den militärischen Geheimdienst, die Securitate, bedroht worden und hat auch gestern abend über die Situation gesprochen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es vielen Menschen weltweit noch so gehe und nicht ohne Liao Yiwu und Ai WeiWei zu erwähnen. Eine tolle Frau!

Gestern abend ging es vor allen Dingen um die Eröffnung einer Ausstellung, in der ihre Collagen gezeigt werden. Viele tun sich schwer damit, diese Textbildgebilde einzusortieren. Es sind Gedichte, die Müller aus ausgeschnittenen Wörtern aus Zeitungen formt, meistens noch mit einem zusätzlichen Bild versehen. Und ihren Arbeitsprozess hat sie sehr interessant dargestellt. In ihrem Arbeitszimmer besitzt sie eine Art Wortfabrik und über die Zeit sammelt sie aus allen möglichen Zeitschriften Wörter, die sie ausschneidet und nach dem Alphabet sortiert in einem Schrank verwahrt. Und dann beginnt irgendwann, wenn sie mit einem Prosatext fertig ist, das Eintauchen in die Worte, die schon da sind, die sie nicht mehr aus sich heraus schöpfen muss, die allerdings deshalb auch einen ganz anderen sinnlichen Zugang erlauben. Wenn ein Anfang geklebt ist, kann man ihn eben nicht mehr ändern – „Das ist auch etwas wichtiges für das Leben“ sagt sie dazu mit einem Lächeln. Ihre Wörter werden so befreit aus den ursprünglichen Kontexten, entautomatisiert vielleicht (Am besten gefiel mir: „Ich bin eine Brombeere“).

Ich glaube, dass ich auch Wörter sammeln möchte. Vielleicht nicht in einem großen Schrank, aber ich stelle es mir so schön vor. Etwas obsessiv, aber auch schön. Und dann sind die Wörter überall und man kann sie auch anfassen und hin- und herschieben. Wie schön.

Neben diesen tollen Wörtersammelfantasien, bin ich dann gestern abend aber doch noch buchkauftechnisch schwach geworden. Auf einmal stand im Raum, dass Herta Müller auch noch signieren würde. Oh Gott, da bin ich ja fast ausgeflippt (Fangirl-Alarm). So schnell es ging habe ich mir noch eine schöne Ausgabe „Herztier“ unter den Nagel gerissen (ich sprach schon einmal darüber, diese kleinen gebundenen von Fischer) und mir ein Autogramm abgeholt. :)

Fazit: Eine wunderbare Lesung, ein toller Abend. Irgendwie mag ich diese Stadt.

[Gesagt]

“I used to think I was the strangest person in the world but then I thought there are so many people in the world, there must be someone just like me who feels bizarre and flawed in the same ways I do. I would imagine her, and imagine that she must be out there thinking of me too. Well, I hope that if you are out there and read this and know that, yes, it’s true I’m here, and I’m just as strange as you.”

– Frida Kahlo

Bei der Mädchenmannschaft gibt es ein Kurzporträt der mexikanischen Malerin, die ich sehr, sehr gerne mag. Ich habe ihre Bilder das erste Mal mit 13 gesehen, als ich mit meinen Eltern Urlaub in Berlin gemacht habe. Es gab eine Ausstellung, wo weiß ich nicht mehr, aber ihre Bilder waren das abgefahrenste, das ich bis dahin gesehen hatte. Und den Film „Frida“ mochte ich auch sehr gerne, noch so ein Schätzchen, das noch in meiner DVD-Sammlung fehlt.

Leserückblick August

An August Midnight by Thomas Hardy

I

A shaded lamp and a waving blind,

And the beat of a clock from a distant floor:

On this scene enter—winged, horned, and spined—

A longlegs, a moth, and a dumbledore;

While ‚mid my page there idly stands

A sleepy fly, that rubs its hands…

II

Thus meet we five, in this still place,

At this point of time, at this point in space. —

My guests besmear my new-penned line,

Or bang at the lamp and fall supine.

„God’s humblest, they!“ I muse. Yet why?

They know Earth-secrets that know not I.

Im August habe ich 9 Bücher gelesen, davon waren fünf von meinem SUB und vier aus der Bücherei. Am wenigsten überzeugen konnte mich Charles Bukowski mit „Kaputt in Hollywood“, aber nun gut, ich werde mich noch einmal versuchen, diesem Autoren zu nähern, mal sehen, was er noch zu bieten hat. Am besten gefallen hat mir diesen Monat Haruki Murakamis Gefährliche Geliebte (Murakami eben), Zsuzsa Banks Die hellen Tage und Alice Sebolds Roman In meinem Himmel. Letztere habe ich auch rezensiert und zwar hier   und hier. Mit der Rory-Gilmore-Lesechallenge bin ich diesen Monat auch ein Buch weitergekommen (In meinem Himmel) und liege momentan bei 44 von 330. Ja, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. ;) Außerdem habe ich mich mit „Project Short Film“ beschäftigt und freue mich immer wieder, neue Kurzfilme zu entdecken. Neue Bücher habe ich natürlich auch gekauft – aber hey, lasst uns doch nicht mit diesem Thema anfangen… :)

Alles außer Bücher …

das erste Mal: Trauzeugin gewesen und es war so toll <3 | gefeiert: die allerschönste Hochzeit | gesehen: auf der ZDF-Mediathek Breaking Pointe, so toll – ich will die zweite Staffel!| angefangen: mit einem wunderbaren Praktikum | gelernt: so viel in den ersten Tagen | gefühlt: von Stress bis Euphorie bis Glück, es war alles dabei | gedacht: so verkehrt bin ich hier nicht | geschmeckt: Erdäpfel in ihren schönsten Variationen; diese super leckeren Heidelbeer-Pudding-Törtchen von einer Stadtbäckerei-Kette hier im Norden, die es bei mir zuhause nicht gibt | entdeckt: diese wunderschöne Stadt; neue Lieblingsorte | gewundert: darüber, dass Mediziner_innen irgendwie doch viele Ekelthemen am Start haben (was man halt so alles sieht im OP,uähhhhh) | gefreut: darüber, dass sich zwei wunderbare Menschen getraut haben; darüber, dass schon zwei Mal Besuch aus der Heimat hier war <3 |getroffen: eine Freundin, die hier ihre Tanzausbildung macht| gefreut (im Job): über Komplimente bezüglich meines „wunderbar hintergründigen“ Humors; über Künstler_innen, die sich von mir gut betreut fühlen; darüber Debütromane lesen zu dürfen|vermisst: den Liebsten; das Training (ich brauche irgendetwas zum runterkommen abends) |gerockt: die Museumsnacht | was liegengeblieben ist: zu viel Uni-Krempel. Es kann nur besser werden! :)

A shaded lamp and a waving blind, And the beat of a clock from a distant floor: On this scene enter—winged, horned, and spined— A longlegs, a moth, and a dumbledore; While ‚mid my page there idly stands A sleepy fly, that rubs its hands… II Thus meet we five, in this still place, At this point of time, at this point in space. —My guests besmear my new-penned line, Or bang at the lamp and fall supine. „God’s humblest, they!“ I muse. Yet why? They know Earth-secrets that know not I. – See more at: http://www.poets.org/viewmedia.php/prmMID/23085#sthash.ZmovLGKF.dpuf

[Rezension] Alice Sebold – In meinem Himmel

Ein Buch für die Rory-Gilmore-Challenge, ein Buch von meinem SUB (Yeah!) und wieder eines dieser Bücher, bei dem ich den Film schon im Vorfeld gesehen habe. Spannend eigentlich, denn gerade hier dachte ich, dass man diesen Roman wohl nur schwer verfilmen könnte. Es ging trotzdem und entspricht so viel mehr der Buchvorlage, als ich gedacht hatte. Doch worum geht es?

Die vierzehnjährige Susie Salmon ist ein ganz normaler Teenager. Mit ihren Eltern und den Geschwistern lebt sie in einem typischen Kleinstadtnest in Pennsylvania und die Idylle ist perfekt. Doch der Schein trügt. Im Dezember 1973 kommt Susie nicht nach Hause. Was die Eltern nicht wissen: der unscheinbare Nachbar lockte das Mädchen in eine von ihm konstruierte Erdhöhle, um Susie zu v*rg*w*ltigen und anschließend umzubringen. Obwohl ihre Leiche nicht gefunden wird, ahnt die Polizei, dass es sich um ein Verbrechen handelt, spätestens als ihr Ellenbogenknochen gefunden wird, ist nicht mehr davon auszugehen, dass Susie noch lebt. Ihre Eltern und Geschwister müssen sich damit auseinandersetzen, dass Susie nie mehr zurück kommen wird und dass ihr Mörder nie gefunden wird. Obwohl Susies Vater den Nachbarn im Verdacht hat.

Susie befindet sich währenddessen in „ihrem Himmel“, einer Art Zwischenwelt, die sie betritt, so lange sie sich noch nicht von ihrem irdischen Leben lösen kann. Hier beobachtet sie ihre Familie aufs Genaueste, fühlt mit, wie ihre Mutter an ihrem Tod zu zerbrechen droht, wie ihr Vater immer besessener den Nachbarn verfolgt, ihre Schwester nicht mehr wahrgenommen wird und ihr kleiner Bruder beginnt sie zu vergessen – allerdings kann sie sich ihm noch als Geist zeigen. Genau wie ihren Freunden Ruth und Ray, die auf ihre ganz eigene Art mit Susies Tod und Susies Geistsein umgehen.

Susie beobachtet auch ihren Mörder und versucht von ihrem Himmel aus, den sie ganz nach ihrer Fantasie gestalten kann, den Freunden und Geschwistern Zeichen zu geben. Doch irgendwann muss auch Susie erkennen, dass sie lernen muss, ihr altes Leben loszulassen.

„In meinem Himmel“ ist ein berührendes Buch. Stellenweise einfach nur schrecklich und kaum auszuhalten und dann wiederum so rührend und zärtlich. Es geht nicht darum, ein Verbrechen zu lösen, denn der Täter ist schon längst bekannt. Es geht um etwas anderes. Die Salmons gehen auf unterschiedlichste Weise mit Susies Tod um und der Roman zeigt, dass es keinen richtigen oder falschen Umgang mit Trauer gibt. Sei es die Großmutter, die trinkt, die Schwester, die sich zurückzieht oder der kleine Bruder, der beginnt Schlagzeug zu spielen, so laut er kann. Versöhnlich wird die Geschichte dadurch, dass Susie sich an einem sicheren Ort befindet und trotzdem muss gerade sie sich mit loslassen, mit Trauer, mit Abschied vom Leben beschäftigen. Keine leichte Lektüre und trotzdem hoch spannend, da Susie ihrem Mörder durch ihre Himmelsperspektive so viel näher kommt, als er ihr jemals gewesen ist oder sein konnte. Sie kann ihn verfolgen, sie kann sich in seine Gedanken schleichen. Durch ihre Position im Himmel ist sie sehr mächtig geworden und das rettet meiner Meinung nach die traurige Situation, das macht sie zu derjenigen, die agiert, die Kontakt zu ihren Freunden aufnehmen kann, die nicht aufgibt. Obwohl sie tot ist. Eine paradoxe Situation, diese Stärke nach dem Tod. Aber innerhalb der Handlung für mich absolut stimmig. Ein ergreifendes Buch, das nicht nur spannend ist, sondern auch viele berührende Momente offenbart und das sich in jedem Fall lohnt zu lesen.

Alice Sebold: In meinem Himmel (The Lovely Bones). Aus dem Amerikanischen von Almuth Carsten. Goldmann-Verlag, München 2003.

380 Seiten

ISBN-10: 3-442-47005-6

Und hier gibt es auch noch den Trailer des Spielfilms, der 2010 in den deutschen Kinos anlief.