87 [Project Short Film] # 1 „Lemonade Stand“

Ich habe ein wenig hin – und herüberlegt, was ich gerne ändern möchte, wie ich im Moment meinen Blog weiterführen möchte. Neben den monatlichen Lesestatistiken, Rezensionen, Lieblingsworten, Lieblingsmusik und verschiedenen alltäglichen Kleinigkeiten, habe ich mir überlegt, eine neue Kategorie zu eröffnen. Kurzfilme fand ich schon immer toll – und youtube ist in dieser Hinsicht eine echte Wunderkiste. Deswegen habe ich mir überlegt, hier erstmal alle zwei Wochen einen Kurzfilm vorzustellen, der mir besonders gefallen hat.

Los geht es mit einem wunderbaren Film über Zitronenlimonade und der subtilen Macht von Lieblingssocken. Der Film LEMONADE  STAND wurde letztes Jahr auf dem australischen Kurzfilmfestival Tropfest zum Gewinnerfilm gekürt und besticht durch seine Indieästhetik, seine liebevoll eingefügten Handzeichnungen und seinen skurilen Humor. Regie führte Alethea Jones, die eine sehr sympathische Homepage hat.

Viel Spaß!

86 Leserückblick Juni

Gelesene Bücher: 13 (mit insgesamt 4889 Seiten)

Gelesene Bücher für die Rory – Gilmore – Leseliste: 2

1. Kurt Vonnegut JR. – Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug | 2. Azar Nafisi – Lolita lesen in Teheran

Rezensionen: 2

1. Haruki Murakami – Kafka am Strand |   2. Robert Menasse – Sinnliche Gewissheit

Beendete Reihe: Die Tribute von Panem (zwar mit viel Verspätung, aber ich bin ganz zufrieden)

Würde ich nicht noch mal lesen: Elisabeth Redfern – Die Schwester der Engel

Es lag bei mir auf dem SuB, also bin ich froh, dass der Bücherberg etwas geschrumpft ist, aber richtig gefallen hat es mir nicht. Dabei liegt es nicht an der Geschichte, die hat einen gut aufgebauten Spannungsbogen, aber die Figuren und das Genre liegen mir eher nicht und gerade die Figuren wirkten auf mich zu eindimensional und zu vorhersagbar in ihren Handlungen. Das Buch ist ins öffentliche Bücherregal gewandert und findet von dort hoffentlich schnell in die Hände eines glücklichen Finders.

Monatsliebling: Haruki Murakami – Kafka am Strand (und dann ganz lange erstmal nichts ;) )

SuB-Abbau? Vom SuB habe ich sechs Bücher gelesen, dafür aber auch 5 neu eingekauft. ;)

(Fast) Alles außer Bücher im Juni:

geschafft: den Auftritt im Theater (überraschend in der ersten Reihe – wuhaa!) | gefeiert: unsere Referatsgruppe und unsere tolle Zusammenarbeit – eine fantastische Auszugsparty – eine Abschiedsparty| ekstatisch verehrt: Arno Schmidt| geliebt: Zeit im Zoo mit dem Liebsten| wiederentdeckt: Skittles (echt, die Dinger sind toll!)| gehört: Alexi Murdoch, Angus & Julia Stone|gesehen: Vielleicht lieber morgen – Game of Thrones – Revenge | vorgenommen: weniger Bücher zu kaufen, dafür mehr zu lesen und vielleicht auch zu rezensieren | geärgert: über bescheuerte Fragen über „meine Zukunft“ von einer besorgten, mir allerdings gänzlich unbekannten, Person auf einer ansonsten tollen Party – über Seminare in den Erziehungswissenschaften – über meine viel zu hohe Büchereirechnung| gewartet: auf die Antwort einer tollen Praktikumsstelle (die allerdings noch nicht eingetroffen ist)|gewundert: darüber, wie das Leben manchmal so spielt| gefühlt: Reiselust

http://www.munich-citylife.de

[Rezension] Robert Menasse – Sinnliche Gewissheit

 

Menasse Sinnliche GewissheitIn der „Bar jeder Hoffnung“ (wie bezeichnend!) in Sao Paulo, treffen sich jeden Abend die österreichischen und deutschen Migrant_innen bei Kneipier Oswald, der ihnen etwas Heimeligkeit in der Fremde bietet. Roman, der Ich-Erzähler, seines Zeichens Dozent für Germanistik und permanent damit beschäftigt, durch seine Themenschwerpunkte nicht anzuecken (Darf man mit den etwachsenen Studentinnen Abtreibungen diskutieren, ja oder nein?), ist ebenfalls in der Bar anzutreffen. Denn hier starten seine sexuellen Abenteuer, sei es mit der wunderschönen Dame, die ihm das Marionettenspielen beibringt (Wer ist hier die Marionette?) oder mit der Bürokollegin, deren Eltern nach dem zweiten Weltkrieg nach Brasilien auswanderten.

Ohnehin scheint es sehr viel Deutschtümelei zu geben, an diesem exotischen Ort. Sowie mysteriöse Verstrickungen in die deutsche Geschichte.Und dann gibt es noch den heimlichen Star der Bar, Professor Singer, der sich in Judith verliebt hat, die sehr mit Kokain beschäftigt ist. Und es gibt die permanente Suche des entgeisterten Roman, der nicht so richtig voranzukommen scheint.Egal was passiert, seine sexuellen Affären, der nahezu lebensbedrohliche Autounfall mit der Bürokollegin – ja und?

Es gibt keine Entwicklung, am Ende sitzen doch wieder alle bei Oswald und diskutieren über den Vorteil der Malerei gegenüber der Fotografie, etwas wirklich abbilden zu können. Oder andersherum. Denn das ist ja auch die Frage, was bedeutet Realität in diesem regressiven Universum? Roman sagt, er beschäftige sich nun eben mit der Rückentwicklung des Menschen, während sein Leben an ihm vorbeizieht. Er sitzt in der Kneipe, patscht an die Fensterfront vor ihm und kommt nicht raus. Judith ist ähnlich gestrickt, was Roman aber erst später von Professor Singer erfährt: Judith versucht die Rückentwicklung( oder den intellektuellen Höhenflug?) durch Kokain zu beschleunigen, so wie es einer ihrer Freundinnen passierte (gebildete Akademikerin, die nach dem Drogenexzess den geistigen Zustand eines Kleinkindes erreichte).

Alle, die sie da sitzen, lassen das Leben an sich vorbeirauschen, so dass die einzige Versicherung der eigenen Existenz in der „sinnlichen Gewissheit“ liegt, eine Formulierung Hegels, den Professor Singer jedem empfiehlt zu lesen …

Robert Menasse hat einen sehr, sehr dichten Roman geschrieben, dessen genaue Verstrickungen überraschend sind. Neben Fragen nach Identität, Fremdheitserleben, Heimat und dem Gefühl des Heimatverlustes, wird letztlich eine Sinnsuche porträtiert, mit der der Ich-Erzähler überfordert ist. Ich bin ganz sicher, dass mit den Hegelanspielungen noch viel mehr anzufangen ist und dass ich sicherlich viele Anspielungen nicht verstehen konnte (vielleicht ist das aber auch nur eine Arno Schmidtsche Nachwirkung).

Letztlich zeigt sich ein Suchender, der sich immer wieder fragt, warum alles so geworden ist, warum er nicht mehr reagieren kann. Ein Roman, der mich genauso verwirrt, wie fasziniert hat. Rückentwicklung als Ziel? Um irgendwann – zu verschwinden? Weil alles nichtig ist und nichts mehr Bedeutung hat? Roman hätte sicherlich auch nichts gehabt, dass er auf Pierre Anthons Berg der Bedeutung hätte legen können. Weil er bisher nichts „Authentisches“ finden konnte. Die Frage ist, ob das (für ihn) wirklich ein Problem darstellt, da er durch seine Distanz zum Leben ohnehin den Eindruck macht, als habe er etwas wichtiges nie gelernt oder vergessen: die Nähe zu anderen Menschen und zu sich selbst.

Robert Menasse: Sinnliche Gewissheit. Suhrkamp Taschenbuch. 1996. 329 Seiten.

ISBN-10: 3518391887 ISBN-13: 978-3518391884

82 Ho Hey – The Lumineers: Zwischenstand

Wow! Es ist gerade einmal Juni. Ich habe in diesem Jahr schon 60 Bücher gelesen, wenn es so weitergeht, hätte ich tatsächlich eine realistische Chance meinen SUB abzubauen. Ich habe das Gefühl, seitdem ich an der Rory-Gilmore-Challenge teilnehme und seitdem ich über Bücher blogge, kaufe ich auch immer mehr Bücher. Das ist schon auffällig. Besonders weil ich mich frage, was ich vorher die ganze Zeit getan habe – in meiner Lesezeit jetzt. Andererseits ist es auch etwas erschreckend, denn ich will ja auch nicht so enden wie Arno Schmidt, mit 7000 Büchern in Bargfeld. Dieses Referat war so ein opus magnum, es war der Wahnsinn. Aber es hat so Spaß gemacht und die Gruppe war toll und ich möchte genau so! weiter studieren. Ich hoffe, das geht und es gibt noch mehr dieser tollen Gruppenarbeiten. Um mich herum haben alle Masterarbeitsstress und Referendariatsterror. Und ich sitze hier und feiere Arno und mich selbst und meine Bücher. Jetzt muss ich nur noch den Auftritt heute abend (im Wortsinn) über die Bühne bringen und dann werde ich mich ein wenig entspannen und nur noch die Hausarbeit des letzten Semesters fertig schreiben, bevor die vorlesungsfreie Zeit anfängt. Yeah! :)

 

[Rezension] Von fliegenden Blutegeln – Kafka am Strand

Kafka-am-StrandHaruki Murakamis Roman Kafka am Strand ist seit seinem Erscheinungsjahr 2005 in Japan ein absoluter Bestseller. Inspiriert durch das Buch In 80 Büchern um die Welt von Feridun Zaimoglu, das Autor_innen und Bücher aus der ganzen Welt vorstellt und so eine literarische Weltumsegelung ermöglicht, bin ich auf Murakami aufmerksam geworden. Warum erst jetzt, habe ich mich gefragt. Während ich vor einigen Jahren noch Ryu Murakami für In der Misosuppe gefeiert habe und nicht verstehen konnte, weshalb sein Namensvetter so viel erfolgreicher erschien, bin ich jetzt schlauer. Kafka am Strand ist ein so besonderer und wunderschöner Liebes- und (natürlich, ist ja mein liebstes Genre!) Entwicklungsroman, dem ich jedem empfehlen kann, der ein Fan des Magischen Realismus ist.

Was ist Magischer Realismus?

Terry Pratchett, der Meister der Scheibenwelt, beschreibt Magischen Realismus als „polite way of saying you write fantasy“, wodurch der „Fantasy“-Begriff von vielen Leser_innen eher akzeptiert werde. Das ist sicherlich richtig, wobei die Ursprünge des Magischen Realismus in der Malerei zu finden sind und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts  in Deutschland, Italien und Spanien und dann besonders in Lateinamerika auch in der Literatur zu finden sind. Im Magischen Realismus werden dabei Wunderlichkeiten in den realistisch erzählten Alltag eingebettet, so dass die Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem aufgelöst wird, die Leser_innen diese Grenze aber noch deutlich erkennen können, wenn beispielsweise Mythen und folkloristische Anklänge zu einem Text verwoben werden. Das Konzept, dass Fantasie und Magie, ohne Probleme neben einer realistischen Erzählweise bestehen können, gefällt mir außerordentlich gut (und liegt mir tatsächlich eher als pure „Fantasy“, danke Terry) und ist genau so auch bei Kafka am Strand zu finden.

Worum geht es?

Der fünfzehnjährige Kafka Tamura hält es zuhause nicht mehr aus. Sein Alter Ego Krähe, der ihn schon seit längerem begleitet, weist ihn auf die Prophezeiung hin, die sein Vater gemacht habe und die nicht von ungefähr an die Story des armen Ödipus erinnert. Zur Wiederholung: Ödipus tötet seinen Vater und schläft mit seiner Mutter. Kafka scheint ähnliches bevorzustehen, deshalb haut er von zuhause ab. Die ominöse Prophezeiung führt ihn in eine fremde Stadt, in der er Frau Saeki trifft, die wunderschöne und geheimnisvolle Leiterin einer Bibliothek, natürlich verliebt er sich in Saeki und bleibt. Obwohl Kafka (der Name allein!) noch am Anfang betont: „Das klingt vielleicht wie der Beginn eines Märchens. Aber es ist kein Märchen, in keinem Sinne.“, werden die Leser_innen bald eines besseren belehrt. Eine Reise beginnt, in der sich Kafka mit Identität, Wahrnehmung und dieser merkwürdigen Komponente „Wirklichkeit“ auseinandersetzen muss. Denn nicht nur Kafka ist unterwegs und sucht. Auch Saeki sucht, obwohl sie ihre Liebe schon vor langer Zeit verloren zu haben scheint. Besonders aufschlussreich für die Geschichte ist dabei eine Sage, die Oshima, Saekis Büchereigehilf_in, berichtet. Am Anfang der Menschheit, waren alle Menschen zu zweit, sozusagen doppelt. Doch die Götter machten sich einen grausamen Spaß daraus, die Menschen, die zusammengehörten, auseinanderzuschneiden, so dass seit dem jeder auf der Suche nach seiner zweiten passenden Hälfte wäre. Auch der alte Mann Nakata sucht. Denn anders als andere hat Nakata schon immer nur einen halben Schatten besessen. Dafür kann er mit Katzen sprechen und wenn er seinen Schirm öffnet, regnet es Blutegel. Nakata kennt auch eine Prophezeiung und macht sich auf die Suche nach einem Stein. Begleitet wird er vom LKW-Fahrer Hoshino, der zwar nicht ganz genau weiß, was der alte Irre möchte, sich durch Nakata aber an seinen Großvater erinnert fühlt und ihn deshalb begleitet …

Ich möchte nicht zuviel vorweg nehmen, aber die ungefähre Struktur des Romans ist hoffentlich klar geworden. Kafka am Strand hat mich so begeistert, dass ich die knapp 900 Seiten verschlungen habe. Und dann, ab Seite 500 bin ich immer langsamer geworden. Weil ich nicht wollte, dass diese Geschichte zuende geht. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es eine Stelle gibt, die mir etwas Bauchschmerzen bereitet, da sie durchaus Triggerpotential hat (SPOILER: So vergewaltigt Kafka seine Schwester im Schlaf, allerdings „nur“ im Traum. Doch ließ mich diese Szene verwirrt zurück, weil doch die ganze Handlung so eine Mehrdeutigkeit zulässt, dass nie sicher sein kann, was Traum war und was nicht. Extrem schwierige Stelle, wie ich finde.Auch der Protagonist ist danach betroffen, aber dass hat mir nicht gereicht.)

Insgesamt hat mir der Roman, der so vielschichtig ist und sich eindeutigen Interpretationen ein Stück weit entzieht, sehr gefallen. Denn letztendlich geht es die ganze Zeit um eine Suche, die Suche nach dem Sinn des Lebens.

(Außerdem: Die Bücher von btb mit dem Softcover (nennt man das so?) sind wunderschön!! Wenn die Rezension nicht genügt ;))

Haruki Murakami: Kafka am Strand (Originaltitel: Umibe no Kafuka). Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe            btb Random-House 2009.

896 Seiten. ISBN-10: 3442740436  ISBN-13: 978-3442740437

80 The Broken Circle – Review

Elise und Didier. Zwei, die sich auf den ersten Blick ineinander verlieben. Er spielt Banjo in einer Bluegrassband  und manchmal redet er zu viel,  sie hat ein Tatoostudio und hört gerne zu – zwei Menschen haben sich gefunden. Elise versteht Didiers Sehnsucht nach Amerika, nach der Idee von Freiheit und Unendlichkeit. Und Didier liebt Elise. Als sie schwanger wird, ist die Überraschung zwar groß, aber sie beschließen zusammenzuhalten. Ihre Liebe ist perfekt, ihr kleines Mädchen Maybelle wird geboren und es scheint immer nur aufwärts zu gehen. Alles scheint wunderbar zu sein – doch dann wird Maybelle krank, ernsthaft krank. Der Film erzählt in Rückblenden vom ersten Kennenlernen bis zur Geburt von Maybelle und bleibt gleichzeitig doch in der schmerzhaften Gegenwart der Protagonisten. Ich habe mich gefragt, ob die beiden wohl etwas geändert hätten, wenn sie gewusst hätten, was passiert – wahrscheinlich nicht. Die Folkmusik der gemeinsamen Band ist dabei so berührend und erinnert ein ganz wenig an Mumford and Sons. Dieser Film ist so traurig, so unendlich traurig. Gänsehautgefühl und Taschentuchalarm. Aber gut. Auf in die Kinos und ansehen! Und vielleicht danach noch ein bisschen zusammensitzen und über den Film sprechen um nicht so ergriffen/angegriffen alleine durch die Welt zu laufen. So haben wir das gemacht und das war ziemlich gut. :)