Dunkle Zahlen

Der Anfang sorgt schon für viele Fragezeichen und eine ganze Menge Freude, wenn man auf besondere Geschichten steht. Und besonders ist der Roman Dunkle Zahlen von Matthias Senkel, der 2018 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, in jedem Fall. Laut Klappentext geht es um die internationale Programmierer-Spartakiade 1985 in Moskau, bei der die kubanische Nationalmannschaft spurlos verschwindet. Die Übersetzerin Mireya macht sich auf, die Nationalmannschaft zu suchen. Die Erwartungshaltung ist relativ klar, doch dann ist von der Nationalmannschaft überhaupt keine Rede mehr. Stattdessen sorgt Matthias Senkel für eine Überraschung nach der nächsten…

Ohne genaue Einführung beginnt der erste Textabsatz. Ein gewisser Motja wird von zwei Annuschkas darum gebeten, Teewasser für eine größere Gesellschaft aufzusetzen – was er auch tut, indem er in eine Maschine mit dem Namen GLM zwei Zahlen eingibt. Die nächste Seite zeigt einen schwarzen Bildschirm mit russischem Programmcode und der Erklärung, dass es sich hier um den Startbildschirm der Literaturmaschine GLM-3 handelt, die quasi auf Knopfdruck „das unvollendete Poem Dunkle Zahlen“ ausspuckt. Jetzt erst folgen Titelseite, Verlagsangabe, sowie der Vermerk „Deutsch von Matthias Senkel“ . Wir sollen also glauben, dass es sich hier um einen computergenerierten Roman aus dem russischen handelt, der lediglich von Matthias Senkel übersetzt wurde. Große Liebe!

Fast märchenhaft beginnt der Roman mit einem gefangenen Hecht, der dem jungen Leonid drei Wünsche verspricht, sofern er ihn wieder ins Wasser wirft. Leonid rettet dem goldenen Hecht das Leben. Im zweiten Kapitel geht es mit der angekündigten Spartakiade los, dann ist das Kapitel schon wieder zu Ende und wir springen nach Leningrad ins Jahr 1948. Hier treffen wir auf den jungen Leonid Ptuschkow, einen wissbegierigen Schüler, der in seinem Notizheft mathematische Operationen improvisiert. Zurück im Jahr 1985 muss Mireya Fuentes, die Dolmetscherin des kubanischen Teams der Programmierer-Spartakiade, feststellen, dass die Kader-Auswahl zwar in Moskau gelandet, aber aus unbekannten Gründen mit sofortiger Wirkung unter Quarantäne gestellt wurde. Und dann wird es immer wilder. Nach einem enzyklopädieartigen Einschub über den Begriff der „dunklen Zahlen“, folgt eine Biografie des fiktiven Dichter-Programmierers Gavriil Efimović Teterewkin und kurz darauf wird im Kapitel „Nachwort“ (irgendwo in der Mitte des Buches!) von einem Zusammentreffen des „vermeintlichen Großneffens“ Teterewkins, Rodion Woronin, mit Lenin und Maxim Gorki auf der Ferieninsel Capri berichtet. Inklusive Bildmaterial. Hat man als Leser*in gerade Wikipedia aufgerufen um festzustellen, ob es Teterewkin wirklich gibt, folgt ein Wikipedia-Artikel im Text.

Doch die Erzählstränge werden wieder auf der Spartakiade zusammengeführt: der sowjetische Trainer, den Mireya kurze Zeit später während einer Versammlung im Untergeschoss des Hotels „Kosmos“, wo die Programmier-Spartakiade stattfindet, zusammen mit den anderen kennen lernt, ist niemand anders als Leonid Ptuschkow, der im bisherigen Romanverlauf erst als junger Mann auftrat! Er ist Programmierer, aber auch Dichter und macht sich an die Entwicklung einer golemartigen Textmaschine.

Und zwischendurch begreift man gar nicht mehr, welche Figur zu wem gehört. Aber nicht schlimm. Eine Figurenübersicht gibt es irgendwo ab Seite 300. Also weiter im Text: im Jahr 1999 treffen wir die Zwillinge Sjarhej und Palina Aljaksejewna Morschakin, Ex-Teilnehmer der Programmierer-Spartakiade, inzwischen Inhaber der Softwarefirma CSM. Ihr Hobby: Das Sammeln seltener Spielautomaten und historischer Rechner. Ein mysteriöser Schweizer hat ein ganz besonderes Objekt für sie: Eine echte GLM! Also das mysteriöse Gerät, das schon auf den ersten Seiten den Kaffee erwärmt hat.

Zurück im Jahr 1985 wird deutlich, dass während der Spartakiade alle Teilnehmer*innen engmaschig überwacht wurden. Das wusste auch Leonid, der sich im folgenden Kapitel im Jahr 2023 Tonbandaufnahmen dieser Überwachung anhört. Und es stellt sich heraus, dass die Spartakiade selbst eher in den Bereich potemkinsche Dörfer gehört:  als Vorsitzender der Programmierer-Spartakiadenkomitees arbeiteten Dmitri und Jewhenija zusammen, die im Auftrag des Geheimdienstes die Aufgaben der teilnehmenden Kader so gestaltete, dass komplexe Missionen wie etwa die Kalkulation von Raketenabfangmanövern von diesen unbewusst gelöst wurden. Und auch die GLM kommt wieder zum Einsatz: sie soll dazu dienen, die Urheber von politischen Witzen ausfindig zu machen. Wozu braucht man eine Rasterfahndung, wenn die GLM die Urheber von politischen Witzen innerhalb von Sekunden ausfindig machen kann? Die totale Überwachung.

„Erst dann wird es möglich, jeden Bürger lebensumspannend zu begleiten, seine Taten und Äußerungen automatisch auszuwerten, um jederzeit ein Gesamtbild seiner Gesinnung erstellen zu können und unverzüglich zu korrigieren, damit Verstöße gegen die öffentliche Ordnung überhaupt nicht erst zustande kommen.“ (S.307)

Logisch, dass im Text jetzt ein Witzearchiv und ein Abkürzungsschlüssel folgen. Aber bevor es langweilig wird, entwickelt Senkel noch eine vierte Handlungsebene: der belgische Geheimagent Dupon, getarnt als Mitarbeiter von IBM, wird 1987 in Paris mit einem Spezialauftrag betraut und macht sich auf den Weg nach Moskau, dort soll er eine geheimnisvolle rote Kladde transportieren.

Habe ich diesen Roman komplett verstanden? Error. Nada. Fehlanzeige. Hatte ich sehr viel Spaß diesen wahnwitzigen Text zu lesen? Ja, in jedem Fall! Die erzählerische Experimentierfreude von Senkel ist einfach grandios, auch wenn ich manchmal etwas zwischen den Seiten verloren gegangen bin.

Matthias Senkel – Dunkle Zahlen. Matthes & Seitz Berlin 2018. 481 Seiten.

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Der Platz an der Sonne

“ Ich will was machen aus mir und meinem Leben. Das will doch jeder Mensch, oder? Ich meine, warum hat sich denn der olle Mose auf die Socken gemacht und das ganze Volk Gottes mit ihm? Weil sie aus der Scheiße rauswollten, deshalb! Weil sie was Besseres wollten als das, was ihnen zugeteilt war. Und weil in Ägypten da nichts zu machen war. Das sind die großen Helden, aber ich darf das nicht?“ (S. 475)

Die besten Ideen sind häufig die einfachsten.  Christian Torkler hat in seinem Debüt „Der Platz an der Sonne“ kurzerhand die Weltgeschichte umgeschrieben und dreht die Perspektive um: Was wäre, wenn wir aus Europa nach Afrika fliehen müssten?

Der Held dieses dystopischen Textes ist Joshua Brenner, Berliner, Jahrgang 1978.  Er macht sich auf den Weg und sucht sein Glück in Afrika. Roller, sein bester Freund von früher, hat ihm von dort eine Postkarte geschickt. Roller hat es geschafft. Er ist losgezogen- wie viele andere auch – aber er hat es geschafft und er hat Joshua sogar zu sich eingeladen. Nach vielen tragischen Schicksalsschlägen macht sich Joshua  auf ins Ungewisse.

Im Roman sind die politischen Entwicklungen, die zu dieser Umkehr der Perspektive führen, eine direkten Folge des Zweiten Weltkriegs. Während der sowjetischen Blockade Berlins und der Luftbrücke der USA, eskalierte der Kalte Krieg zu einem Dritten Weltkrieg und entwickelte sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Weltmächten, der innerhalb Deutschlands ausgetragen wurde. Mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung. Deshalb unterstützt die Afrikanische Union den verarmten Kontinent, auch wenn die meisten Entwicklungshilfegelder nicht bei der Bevölkerung ankommen. 

Nach dem Krieg ist Europa zerstört, Deutschland in sechs verschiedene Kleinstaaten zersplittert. Mit dem Friedensvertrag von Reikjavic 1961 teilt sich auch das Land in verschiedene Hoheitsgebiete: den Freistaat Bayern, den Süddeutschen Bund, die Bundesrepublik Rheinland, Westfalen und Nassau, die Sozialistische Volksrepublik Mitteldeutschland, die Norddeutsche Förderation und die Neue Preußische Republik, deren Hauptstadt Berlin ist. Alle Einzelstaaten sind verarmt, totalitär regiert, die Bevölkerung wird unterdrückt, Demokratiebestrebungen gewaltsam niedergeschlagen und eine funktionierende Infrastruktur sucht man vergeblich.  

In der Neuen Preußischen Republik leben die Menschen in Armut, es gibt einen wachsenden Schwarzmarkt und normale Arbeitsplätze sind kaum zu finden. Joshua  wächst in einfachsten Verhältnissen auf. Sein Vater ist eines Tages verhaftet worden und nie wieder gekommen. Seine Mutter arbeitet Tag und Nacht um die Familie zu ernähren. Obwohl Joshua relativ schlau ist und gerne lernt, kann er die Höhere Schule nicht besuchen, seine Mutter kann sich das Schulgeld nicht leisten. Erst verkauft Joshua mit seiner Mutter als Kleinunternehmer selbstgemachte Suppe, dann fährt er Taxi. Er versucht sich – so weit es eben möglich ist – aus kriminellen Strukturen herauszuhalten und sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Er arbeitet hart, versucht immer wieder neue Wege für sich zu entdecken und gibt nicht auf. Als er eine Bar eröffnet, merkt er, dass nicht nur das staatliche Behördensystem korrupt ist. Überall hat die Mafia ihre Finger im Spiel und nicht nur deswegen muss Joshua das Land verlassen. Er hat einfach keine Chance in Berlin je etwas zu werden und er hofft auf einen Platz an der Sonne in Afrika. 

Seine Odyssee führt ihn über Ostdeutschland, nach Frankfurt, über die Schweizer Alpen, durch Italien bis an die afrikanische Küste. Und diese Migrationgsgeschichte ist nichts für schwache Nerven. Joshua ist nicht der sympathischste Held und er macht nicht immer alles richtig. Aber was ihm auf dieser Reise alles passiert ist von so schrecklicher Ungerechtigkeit, das man beim Lesen fast verzweifeln möchte. Sein Leben ist bedroht, er verliert Freunde, er wird ausgebeutet, gefoltert, betrogen. Dabei sucht er einfach nur nach einer Chance und einem Quentchen Glück.


„– Genau. Die wollen uns nicht auf ihrer Fähre haben und die wollen uns nicht in ihrem Land haben. Aber wir kommen trotzdem.
– Und?
– Was machst du mit Leuten, die du nicht haben willst? Du schickst sie weg. Und zwar am besten dahin, wo sie hergekommen sind. Verstehst du jetzt, was ich meine? Wenn die Luke da aufgeht, heißt es für uns Benvenuti Italia!
– Aber das … das können die doch nicht machen!

– Ach ja? Wer soll sie daran hindern?
– Immerhin, sagt Joris, sind wir mit dem Leben davongekommen.
– Ja, sagt Achim, aber ist das nicht ein Scheißleben?“ (S. 470)

Christian Torklers Debüt ist wahrscheinlich der Roman des Jahres. Er ist nicht verschachtelt konstruiert, sondern linear erzählt und sprachlich bedient Torkler  sich dem Horizont, den Joshua Brenner nach wenigen Jahren Schule eben haben kann. Aber er zeigt in aller Deutlichkeit, wie viel passieren muss, damit Menschen ihre Heimat verlassen und welche Gefahren sie auf sich nehmen. Der Roman zeigt aber auch: es hätte  alles ganz anders sein können. Und das macht ihn so lesenswert. Denn unser Glück auf der richtigen Seite der Erde aufzuwachsen ist eben purer Zufall, es ist nicht verdient, sondern ein für uns allzu selbstverständliches Geschenk. Was würden wir machen, wenn es nicht so wäre? 

Christian Torkler: Ein Platz an der Sonne. Klett-Cotta 2018. 592 Seiten.

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Wortgelüste

Zeichen und Zeiten

Olga

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Olga ist ein Mädchen, das aus armen Verhältnissen stammt, keine Probleme macht und relativ schlau ist. Während die anderen Kinder spielen, steht sie lieber am Rand und schaut zu. Ihre Eltern sterben früh am Fleckfieber, sie wird von der Großmutter in einem pommerschen Dorf aufgezogen. Olga lernt fleißig, damit sie selbst einmal Lehrerin werden kann. Und dann trifft sie Herbert, der sich in Olga verliebt und auch noch das Projekt verfolgt,  Deutschland zu neuem Ruhm zu verhelfen.

 

„Aber sie gehörte nicht wirklich dazu. Sie sehnte sich nach anderen, die ebenfalls nicht dazugehörten. Bis sie einen fand. Auch er war anders. Von Anfang an.“ (S.12)

Der Roman gliedert sich in drei Teile und beginnt mit Olgas Kindheit. Ihre Mutter war Polin, ihr Vater Deutscher, sie selbst kommt 1893 in Breslau zur Welt. Nachdem sie bei der Großmutter landet, flieht sie nach Heidelberg, dort stirbt sie Anfang der 1970er Jahre. „Olga“ ist nicht nur die fiktive Biografie einer ungewöhnlichen Frau, sondern auch eine Liebesgeschichte und auch ein Stück erzählte Zeitgeschichte. Bismark, Kolonialismus, zwei Weltkriege – Olga erlebt alles mit und hat schon früh große Sorgen, wenn es um die deutsche Neigung geht, immer alles „zu groß“ zu wollen. Damit ist Olga, wie so oft, ihrer Zeit voraus. Auch ihr Herbert verfällt dieser Idee.

Der erste Teil des Romans ist aus auktorialer Sicht geschrieben. Er umfasst die Zeit von Breslau bis zu Olgas Ankunft in Heidelberg. Der zweite Teil wird aus Ich-Perspektive erzählt. Erzähler ist ein Pfarrerssohn. Olga arbeitet für seine Familie als Näherin und zu dem jungen Ferdinand entwickelt sich ein besonders Verhältnis. Anders als im Vorleser wird die Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann hier aber nicht erotisch aufgeladen. Sie ist trotzdem etwas ganz besonderes:

„Sie war alt. Aber das Verständnis, das ich bei ihr fand, neugierig und nachsichtig, und ihre Liebe, die sich an mir freute, mich aber nicht brauchte und nicht forderte – es hatte das noch bei den Großeltern gegeben, gab es aber sonst bei niemandem, nicht bei den Eltern, nicht beim Freund, nicht bei der Geliebten. Ich verlor etwas, das ich nie mehr finden würde . (S.159)

Der dritte Teil besteht aus Briefen, die Ferdinand lange nach dem Tod der Verfasserin findet und die zurückführen in die gemeinsame Zeit mit Herbert. Herbert ist der Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers, er soll einmal den Hof der Eltern übernehmen. Für Olga ist kein Platz in dieser Zukunftsversion, sie spielt nicht in Herberts Liga, gehört dem falschen Milieu, der falschen Klasse an. Obwohl sich Herbert und Olga heimlich treffen, macht er keinen Schritt in ihre Richtung, die Zukunft wird nicht geplant und am Ende siegen die Lust nach Abenteuern und Eroberungen über die enge und heimliche Beziehung zu Olga. Herberts Weg führt ihn nach Deutsch-Südwestafrika. Die Briefe erreichen Herbert nicht, er wird nie zurückkommen, denn er hat beschlossen, „ein Übermensch zu werden und Deutschland groß zu machen“. Olga wird  von einer riesigen Einsamkeit erfasst. Sie kann nicht mehr unterrichten, als sie 1945 fliehen muss, ist sie taub geworden und auf Hilfe von anderen angewiesen.    

Obwohl ich so viele Seiten über Olga lese, wirkt sie auf mich lange sehr eindimensional und bleibt mir als Figur in ihren Handlungen absolut fremd. Das ändert sich erst im letzten Teil. Durch die Briefe klären sich viele Andeutungen auf. Das ist wirklich gut, ziemlich auf den Punkt und – für Schlink typisch – schnörkellos erzählt. Außerdem erfahren wir als Leser*innen endlich, was Olga gedacht hat, wie sie sich fühlt, wie wütend sie auf Herbert ist, der sich aus falsch verstandenem Nationalstolz und Ehrgefühl einer Expedition ins Ungewisse anschließt. Durch Olgas Briefe an Herbert wird zudem ihre Beziehung noch einmal in ein neues Licht gerückt.

Das Gute an unserer Trennung ist, dass ich Dir schreiben kann, wie sehr ich Dich vermisse (S.245)

Schlink hat einen Roman über ein Frauenleben in Deutschland geschrieben, dem man etwas Zeit lassen muss, damit er funktioniert. Neben den vielen historischen Momenten, die fast leichtfüßig eingeflochten werden, stellt sich auch die Frage danach, was eine Liebesbeziehung aushalten kann und was nicht. Die Liebesgeschichte zwischen Herbert und Olga und die klare Analyse des deutschen Größenwahns in unterschiedlichen Epochen lohnen sich aber auf jeden Fall.

Bernhard Schlink – Olga. Diogenes 2018. 320 Seiten.

 

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Justizpalast

Das ist also unsere Gerechtigkeitsfabrik. Am Ende hoher, höhlenartiger Zimmer sitzen Richter wie Grottenolme auf Papierbergen, jeder für sich. Nach drei Wochen Aktenwühlerei fragte Thirza Frau Meindl nach den offenen Verfahren der beiden Kollegen und erhielt die Antwort: hundertdreißig und hundertfünfundvierzig.

(S. 101)

Thirza Zorniger hat es nicht leicht und hatte es nie leicht. Ihr Vater, ein erfolgreicher Schauspieler, hat die Familie verlassen. Die kleine Thirza kommt zu ihrem Großvater und zwei Tanten nach München. Hauptsache, sie funktioniert und macht keine großen Schwierigkeiten. Bei ihrem Großvater findet sie zwar stabile Verhältnisse, aber auch eine klare Vorstellung davon, wie das Leben zu sein hat. Als Thirza, genau wie der Großvater, Juristin werden möchte, bricht dieser in Gelächter aus. Ihr Großvater kann sich nicht vorstellen, dass Thirza in dieser Männerwelt bestehen kann. Die unaufgearbeitete Rolle des Großvaters während des Nationalsozialismus schwebt wie ein dunkler Schatten über der Geschichte.

Justizpalast

Thirza kämpft und will allen das Gegenteil beweisen. Sie beißt sich durch ihr Studium und gibt nicht auf, bis sie selbst eine Robe tragen darf. Sie wird Staatsanwältin, Richterin am Amtsgericht, dann am Landgericht, zum Schluss Vorsitzende einer Zivilkammer. Der Erfolg fällt Thirza nicht in den Schoss, sie gibt alles dafür. Allein, ihr Privatleben bleibt dabei auf der Strecke. Thirza ist auch in ihrer Freizeit eher Grottenolm. Sie fährt alleine in den Urlaub und manchmal geht sie sogar während ihres Urlaubs ins Gericht, so sieht Arbeitshaltung aus. Freunde hat sie kaum, diejenigen, die sie hat, sind ebenfalls Juristen. Thirza glaubt lange Zeit, dass diese Einsamkeit zu ihrem Leben dazu gehört. Der Justizpalast in München ist ihre Wirkungsstätte, die Fälle, mit denen sie zu tun hat, wirken mitunter erschreckend dröge und sehr echt.

Kein Wunder, denn Petra Morsbach hat mit über 50 Jurist*innen gesprochen und so Einblicke in den Arbeitsalltag am Gericht erhalten. Der Aktenstau, die offenen Verfahren, das Gefühl, den Geschädigten häufig nicht einmal Recht zuteil werden zu lassen – diese Aspekte des Richterberufs erfasst Morsbach klar und unglaublich präzise. Die kauzigen, arroganten, weisen und zum Teil überraschend leidenschaftlichen Jurist*innen, denen Thirza begegnet, haben eins gemeinsam: ihr Zuhause ist der Justizpalast. Thirza, ein funktionierendes Rädchen im Getriebe, gibt ihr Bestes und doch ist das häufig nicht genug. Mindestens 100 Fälle aus Thirzas Alltag werden den Leser*innen auf den knapp 500 Seiten präsentiert. Die steinreiche Millionenerbin, die um ein paar tausend Euro vor Gericht kämpft, ist genau so teil dieser illustren Sammlung von Fällen wie die Nachbarn, die sich darüber in die Haare kriegen, dass die Bäume ein paar Zentimeter gekürzt werden sollen. Das ist mal traurig, mal skurril (eine Frau verliert ihren Mann durch einen Wal, nun ja, solche Dinge passieren), manchmal eben auch etwas trocken zu lesen.

Startet Thirza noch voller Elan und Idealismus in ihre Karriere, wird ihr spätestens als Richterin klar, dass erfolgreiche Strafprozesse nach vier goldenen Regeln ablaufen. Erstens, Vergleiche sind das A und O, zweitens, am besten niemand klagt, drittens, wird ein Urteil aufgehoben, hat irgendeine richterliche Instanz versagt, weil das Urteil nicht hieb-und stichfest begründet wurde und viertens, Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe. Das Privatleben steht in starkem Kontrast zu dieser Welt der Akten und nicht immer gerechten Urteile. Nach einigen gescheiterten Versuchen findet Thirza mit Max dann doch das große Glück – wenn auch nicht für die Ewigkeit.

Morsbach hat einen herrlichen selbstironischen Stil, den man leicht überlesen kann. Thirza sagt zum Beispiel, sie als Hauptfigur, dürfe jetzt ohne Weiteres das Thema wechseln. Und als Thirza einmal ein Buch in die Hand nimmt, legt sie es mit den Worten: „Morsbach, keine Ahnung, was daran komisch sein soll“ wieder weg.

Hat man den Roman gelesen, hat man auch als juristischer Laie das Gefühl, irgendwie ein bisschen mehr verstanden zu haben. Davon wie Gesetze und das Justizsystem funktionieren und leider auch davon, wie Richter*innen, Sachbearbeiter*innen und alle Beamt*innen des Justizapparates leicht von dieser großen Aufgabe zerrieben werden können. Denn da Recht und Gerechtigkeit nicht immer zusammen fallen, kann es häufig nur eine Annäherung an ein vermeintlich gerechtes Urteil geben. Gerade deshalb ließ mich der Roman zum Ende hin, sehr melancholisch werden.  Misst sich das Können eines Richters an seinen gnadenlosen Urteilen, seinem Einfühlungsvermögen oder seinem Bearbeitungseifer, wenn es um offene Verfahren geht?

Als Petra Morsbach Anfang des Jahres in Bremerhaven war und bei der Literarischen Woche aus ihrem Roman Justizpalast las, war ich sofort begeistert und wollte den Roman unbedingt lesen. Mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht, der Roman ist toll. Im Gespräch, das sich der Lesung anschloss, erzählte Petra Morsbach, dass sie zehn Jahre für diesen Roman recherchiert habe. In einer heißen Phase, mietete sie sich eine Kabine auf einem Frachtschiff und schrieb ihren Roman auf hoher See, denn dort konnte sie nichts von ihrer Geschichte ablenken. Der Aufwand hat sich gelohnt. Für Justizpalast hat Morsbach den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017 erhalten.

Petra Morsbach: Justizpalast. Knaus 2017.

Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal erhalten. Vielen Dank! 

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Buch-Date

Was ist das Buch-Date? Hier hatte ich schon über die Aktion geschrieben, mir wurden drei Bücher von Wili empfohlen und ich habe mich für

Der Zwerg reinigt den Kittel 

entschieden, weil das Buch so schön pink ist und der Titel (Der Zweck heiligt die Mittel, anyone?) so toll klingt. Leider hat rebuy dann doch ein wenig länger gebraucht, als gedacht und ich musste ein wenig auf mein Päckchen warten, deswegen mit einiger Verspätung mein Beitrag.  Meiner Lesefreude hat das Warten allerdings keinen Abbruch getan.IMG_20180617_153622 (1)

 

Vier finster gestimmte Omas haben ihr vereinsamtes Dasein satt. Ihr geheimer Plan: sie machen auf pflegebedürftig und genießen den Lebensabend im Altenheim, ist ja fast wie ein Fünf-Sterne-Hotel und ein Erlebnisprogramm gibt es auch. Der Deal mit dem Pflegeheimleiter ist schnell eingefädelt. Karlotta, Marlen, Susanna und Almut  müssen nur bis zu ihrer Beurteilung den üblichen Verantwortlichen klar machen, dass sie auf jeden Fall zur Pflegestufe zwei gehören. Der Rest ist ein Kinderspiel – so stellen es sich die rüstigen Damen zumindest vor. Aber dann geht alles daneben und das Quartett landet im Knast. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Almut, die Chefin der Bande, muss jetzt den Psychiater Klupp davon überzeugen, dass er bloß eine vernünftige Beurteilung über die Damen schreibt. Und das ist gar nicht so einfach.

Der Roman ist bitterböse und richtig fies. Eine Abrechnung mit Sparzwang in Altenheimen und der Vorstellung, dass alte Menschen irgendwie vernünftig verwahrt werden könnten. Beim Lesen bleibt einem oft das Lachen im Hals stecken – und das macht den Roman so gut. Weil er auf drastisch überspitzte Weise vieles darstellt, was schon schief läuft in der Pflege. Und nicht nur das. Ungefähr in der Mitte des Buches, dreht sich die Story absolut unerwartet. Neben allen schweren Themen geht es dann nämlich auch noch um die Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung.  Das klingt jetzt schwer zu ertragen, aber der Roman ist so witzig, klug und genial, dass jede Seite Spaß macht und gleichzeitig zum Nachdenken anregt, denn das Buch ist voll von gekonnter Gesellschaftskritik. Und der Titel mit dem Hinweis auf das Sprichwort Der Zweck heiligt die Mittel bekommt am Ende des Romans noch einmal eine ganz neue Bedeutungsebene.

Ganz großes Kino und eine super  Buch-Date-Empfehlung! :)

Anita Augustin – Der Zwerg reinigt den Kittel. Ullstein 2013.

Eine Liebe, in Gedanken

 

„Eine hatte Freiheit gesucht.
Ihre Tochter hatte sich nach Beständigkeit gesehnt.
Und deren Tochter sehnte sich wieder nach Freiheit.“

Eine Liebe in Gedanken (2)

Selten hat mich ein Buch so bewegt, wie der neue Roman von Kristine Bilkau. Das Thema ist nicht einfach: nach dem Tod der eigenen Mutter räumt die Erzählerin die Wohnung aus und findet alte Liebesbriefe. Sie entdeckt, dass ihre Mutter einen Freund gehabt hat, von dem sie nie erzählt hat und beginnt alte Tagebücher zu lesen, in denen ihre Mutter Antonia sich in Edgar verliebt. Die größte Liebe ihres Lebens.

„Toni“ ist verträumt, erwartet viel vom Leben, wünscht sich, nach Paris zu gehen und lernt Edgar kennen, der ihr diese Wünsche erfüllen kann. In einer Zeit, als junge Singlefrauen noch argwöhnisch von Vermieterinnen beäugt wurden und Antonia beim Frauenarzt vergeblich darum bittet, die Pille verschrieben zu bekommen (erst ab 30 und für verheiratete Frauen*), findet die Liebe der beiden in Gedanken und Briefen statt und wird irgendwann doch sehr körperlich. Toni wird schwanger, entscheidet sich gegen das Kind und Edgar bekommt ein Jobangebot in Hongkong. Toni träumt vom Auswandern, aber Edgar wird sie nie ins Ausland nachholen. Und dann ist diese große Liebe auch schon wieder vorbei.

Mit den Tagebuchaufzeichnungen im Hinterkopf, begibt sich die Ich-Erzählerin auf die Suche nach Edgar.

Kristine Bilkau gelingt es meisterhaft ein Porträt einer Zeit zu zeichnen, in der zwar die moralische Strenge der 1950er gelockert wird, aber die sexuelle Befreiung der Frau reines Wunschdenken ist. Toni scheitert nicht nur an ihren großen Wünschen, sondern letztlich auch an gesellschaftlichen Erwartungen und man wird das Gefühl nicht los, dass sie ihrer Zeit weit voraus war. Umso erschreckender, welche Vorstellungen eines gelungenen Lebens noch bis vor einigen Jahren herrschten und wie vielen Erwartungen junge Frauen* zu entsprechen hatten.

Die Ich-Erzählerin arrangiert ein Treffen mit Edgar und kann dabei den Gedanken nicht abschütteln, dass dieser Mensch unter anderen Umständen ihr Vater geworden wäre. Wie anders hätte ihre Familie sein können? Mich haben viele Überlegungen unglaublich getroffen, als ich dieses schmale Buch innerhalb weniger Tage gelesen habe. Und während die junge Toni so voller Träume und Hoffnungen ist, ist es umso tragischer zu lesen, dass sich die wenigsten Dinge erfüllen werden, die sie sich im Leben wünscht.

„Ich überlegt, wie ich das Leben meiner Mutter zusammenfassen konnte. Ich hatte versucht, mir vorzustellen, wer sie als junge frau gewesen war, wer sie geworden war, doch es konnte ja immer nur ein Ausschnitt bleiben, Geschichten, von mir erdacht. Wie nah ich der Frau von damals und der Frau, die sie geworden war, hatte kommen können, das würde ich nie wissen.“

Bilkau erzählt nicht nur eine Geschichte über eine unglückliche Liebe, sondern auch über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, deren Intensität und Tiefe sich erst nach und nach entfaltet und die mich tief berührt hat. Erst nach dem Tod ihrer Mutter, gelingt es ihrer Tochter sie außerhalb ihres Familiengefüges als eigenen, ganz besonderen Menschen zu sehen, der sich sein Leben ganz anders vorgestellt hat. Auch viele Jahre nach dem Ende der Beziehung fährt Toni heimlich zum Haus von Edgars Eltern um zu sehen, ob er zu Besuch ist. Sie kann ihn nicht vergessen, wird nie sesshaft, führt ein chaotisches Leben. Ihre Tochter hat ihr dieses Chaos nie verzeihen können, aber versteht auch erst mit dem Tod der Mutter, dass sie die Chance vertan hat, nachzufragen, wie es wirklich damals gewesen ist. Ein Roman, den man nicht so schnell vergisst.

Kristine Bilkau – Eine Liebe, in Gedanken. Luchterhand 2018.

 

Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar bei vorablesen.de gewonnen. Vielen Dank!

 

Wiesenstein

IMG_20180322_072826Gerhart Hauptmann, Nobelpreisträger und Autor von Werken wie Bahnwärter Thiel und Die Weber, verlässt gemeinsam mit seiner Frau Margarete und einem Stab von Dienstboten im März 1945 ein Sanatorium und fährt zurück in die Heimatvilla. Das Anwesen Wiesenstein liegt in Schlesien, im Riesengebirge. Die Hauptmanns planen ein luxuriöses Leben im Chaos des Krieges. Ein Schutzbrief des sowjetischen Kulturoffiziers Sekolow ermöglicht es Hauptmann Wiesenstein nach wie vor zu bewohnen. Als „Festung in Saus und Graus“, als „Schutzhülle {m]einer Seele“ steht die Burg wie ein uneinnehmbarer Ort in der Nähe von Görlitz. Ein Masseur, eine Zofe, ein Butler, ein Gärtner, eine Köchin und eine Sekretärin stehen bereit, um dem großen Schriftsteller und seiner Frau Margarete den Lebensabend so fürstlich wie möglich zu gestalten. Die Romanhandlung verlässt diesen Ort auch kaum, auf Wiesenstein entfaltet sich ein intensives Kammerspiel das die letzten Tage des Nobelpreisträgers umfasst.

Auf Wiesenstein, so hofft Hauptmann, kann er zur Ruhe kommen. Seine Bekanntheit reicht über die Landesgrenzen hinaus, seine Stücke haben ihn zum gefeierten Schriftsteller gemacht. Wegen seiner sozial engagierten Dramen ist er auch  zum Kriegsende hin bei den Russen und Polen sehr beliebt, auch wenn er sich nie gegen den Nationalsozialismus positioniert hat, sondern oft genau wusste, von wem er in welcher Situation profitieren konnte.

Klare politische Statements scheinen ihm ohnehin nicht sehr gelegen zu haben. Pleschinski zeigt einen Schriftsteller, der sich oft nicht entscheiden konnte und für den stets die Kunst höhere Priorität als das politische Alltagsgeschäft hatte. Das ist nicht unbedingt leicht zu lesen, wünscht man sich doch jemanden, der eine klare Haltung hat. Es ist oft nicht leicht zu entscheiden, ob Hauptmann senil oder arrogant oder vielleicht zu ängstlich ist, um sich anders zu verhalten. Oder vielleicht einfach mit einem riesen großen künstlerischen Eskapismus gesegnet, der ihn auch dunkle Zeiten überstehen ließ. Ein Schriftsteller, der vor dem Ersten Weltkrieg gefeiert und dem schon in der Nachkriegszeit seine Nähe zu den Nationalsozialisten auf die Füße fiel. Pleschinski geht hier den großen Fragen nach: Wie viel Nähe zu den Machthabern ist legitim? Wie sehr dürfen sich Künstler*innen von autoritären Regimen hofieren lassen um beispielsweise Freunde oder die eigenen Kinder zu schützen?

Auf Wiesenstein lädt Hauptmann standesgemäße zu Feiern und Kinoabenden als wären Friedenszeiten. Man lästert über die Schriftsteller im Exil oder amüsiert sich über Dr. Spitz – so nannte Hauptmann Thomas Mann. Mann wiederum soll darunter gelitten haben, dass er „nur“ Mann, der andere immerhin „Hauptmann“ war – im Zauberberg parodiert er den Schriftstellerkollegen in der Figur des Mynheer Peeperkorn. Sprachduktus und Stottern inklusive. Hauptmann wird ihm diese künstlerische Freiheit nicht verzeihen.

Manchmal schmeißt Hauptmann sich in seine Mönchskutte, die er aus Italien mitgebracht hat, zieht sich in sein Turmzimmer zurück und trinkt und schreibt die ganze Nacht (vieles ist wunderschön: „In jedem Mensch ruht ein Tanz“). Sein Personal, die Krankenschwester Maxa, seine Sekretärin Annie Pollak und sein Masseur Paul Metzkow passen sich dem Lebensrhythmus an, auch wenn in den Dörfern um Wiesenstein herum, Flüchtlingstrecks vorbeiziehen und die Angst vor den fremden Soldaten immer größer wird. Aus den verschiedenen Perspektiven der Bewohner wird das Leben auf Wiesenstein greifbarer, auch wenn Wiesenstein Schutz bietet, weiß niemand, was als nächstes passieren wird. Die Zeit scheint auf der Burg still zu stehen.

Völlig unvorhersehbar war der Masseur mittlerweile zum Lieblingsvorleser des Hausherrn aufgerückt. Was im Lande geschah, drang nur spärlich zum Wiesenstein durch. Der Wiesenstein schien tatsächlich Sicherheit zu gewähren. Lesen und Vorlesen überbrückte nicht nur die Zeit, es füllte sie sogar. Metzkow entwickelte sich zum Hauptmann-Kenner. Keiner seiner alten Bekannten, sofern sie noch lebten, würde das glauben.  (S.293)

Auch die Nachkriegszeit und die anschließenden Plünderungen werden umfassend dargestellt und zeigen gekonnt und schockierend die Folgen des Krieges auf. Gert Hauptmann stirbt am 6. Juni 1946, seine Frau kurz darauf. Hans Pleschinski schreibt sehr ausführlich über die letzten Tage im Hause Hauptmann. Viele Figuren sind historisch belegt und Pleschinski reichert den Roman mit vielen unbekannteren Originaltexten an, die der junge Masseur Metzkow zum ersten Mal liest. Das ist wirklich gelungen und macht neugierig auf andere Werke des Schriftstellers. Wenn allerdings Annie Pollak als Stichwortgeberin für Interpretationsansätze  von Hauptmanns unterschiedlichen Texten herhalten muss, wirkt der Text etwas schwerfällig.   Trotzdem konnte mich der Roman beeindrucken.

Hans Pleschinski – Wiesenstein. C.H. Beck 2018.

Ich habe den Roman als Rezensionsexemplar bei einer Leserunde von Lovelybooks gewonnen. Vielen Dank! 

Weitere Rezensionen findet ihr hier:

Literatur leuchtet