[Konsumfasten 2014] Ein Rückblick

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Konsumfasten? Was ist das denn? Vor einiger Zeit hatte ich über die Aktion zweier Bloggerinnen berichtet, die sich für die Fastenzeit vorgenommen hatten, auf Konsumgüter unterschiedlichster Art zu verzichten. Irgendwie traf die Aktion einen Nerv bei mir. Es scheint fast zur Diskussion in den Buchblogs dazuzugehören: Wie groß darf ein SUB sein? SUB-Abbau-Aktionen. Hilfe, mein SUB wächst. Und immer wieder wird das Hamstern von Büchern thematisiert. Mal mit einem Achsel zucken, so als gehöre ein größer werdender SUB eben dazu. Mal mit einem dezenten Hinweis auf die Stapel anderer Menschen, die zum Teil schon die 200er Marke geknackt haben. Und irgendwie hört es da bei mir auf. So viele ungelesene Bücher möchte ich nicht anhäufen und nicht jedes Buch muss ich besitzen. Wenn es mir gefällt und ich begeistert bin, dann will ich das Buch auch haben. Sonst nicht. Und es ist schade, wenn Schätze auf dem SUB versauern und ich noch nicht einmal weiß, dass ich sie besitze. Mein Aha-Erlebnis war immer noch der Roman Die Vermessung der Welt, der wahrscheinlich mehr als drei Jahre in meinem Bücherregal herumschlummerte. Ich habe deshalb diese Aktion zum Anlass genommen, mein eigenes Konsumverhalten (das tatsächlich nur bei Büchern so exzessiv ist) unter die Lupe zu nehmen, einfach mal genauer hinzusehen. Und ich habe in den letzten Wochen festgestellt, dass ich nicht mehr so fixiert auf Bücher bin. Ich bin sehr viel bewusster durch die Buchläden gegangen und habe mich jedes Mal gefragt, ob ich den Roman jetzt wirklich, unbedingt jetzt, brauche. Und in den seltensten Fällen habe ich ein Buch mitgenommen. Allerdings hat es nicht nur positive Erfolgserlebnisse gegeben.

Zwei Mal bin ich schwach geworden. Einmal, als ich in einem Second-Hand-Laden Hemingways Wem die Stunde schlägt für 2 Euro gefunden habe, in derselben Ausgabe, in der ich auch schon Fiesta habe. In meinem Kopf klingelte es sanft und immer lauter werdend „Rory-Gilmore“, „Rory-Gilmore-Leseliste“, „RORY-GILMORE-Leseliste!!!“ und gleichzeitig dachte ich nur, dass es farblich so wunderbar zu Fiesta passt und beide bestimmt toll nebeneinander im Regal aussehen. Tja – und dann hatte ich den Roman auch schon eingekauft. Das andere Mal, als es in der Stadtbücherei einen Flohmarkt gab. Wirklich toll aussehende Bücher, die fast ungelesen wirkten, wurden für 2 Euro das Kilo verkauft. Und dann habe ich mich mit zwei Graphic Novels eingedeckt, die in jedem Fall so viel mehr Geld gekostet hätten, wenn ich sie zum Verkaufspreis hätte mitnehmen müssen. Deswegen sind jetzt die Graphic Novels Das Leben der Anne Frank von Sid Jacobson und Ernie Colón, sowie Die Sicht der Dinge von Jiro Taniguchi bei mir eingezogen. Trotz Fasten.

Bin ich jetzt also gescheitert? Vielleicht ein bisschen, zumindest an meinen hohen Erwartungen. So ganz ohne Bücher zu kaufen, komme ich eben auch nicht klar. Wie auch, wenn Lesen eben eine so schöne Beschäftigung ist und ich jedesmal denke, dass ein neues Buch mir eben auch für ein paar Stunden eine ganz neue Sicht, wunderbare Wörter und schöne Sätze schenken kann, meine Fantasie anspricht und mich zum Nachdenken anregt. Ein Buch ist eben doch wie ein Garten, den man in der Tasche trägt und ich trage gerne Gärten in Taschen (und wer weiß, von wem das Zitat ist, bekommt einen virtuellen Preis oder zumindest meine tiefste Anerkennung). Und Erde und Wurzeln und Wasser und Licht und alles was man für einen Garten so braucht (ich habe große Taschen). Trotzdem war die Aktion gut. Ich weiß zwar nicht, ob ich es jemals schaffen werde, einen SUB unter fünfzig zu erreichen oder unter achtzig, aber ich weiß jetzt, dass in meinem Regal noch eine ganze Menge tolle Entdeckungen auf mich warten. Denn irgendwie sind die vielen Romane da ja hingekommen, irgendetwas muss mich ja schon einmal angesprochen haben, sonst wären sie nicht bei mir. Ich freue mich jetzt darauf, meinen SUB wieder neu zu entdecken, ich bin aber auch nicht gestresst davon, wenn hier und da ein schönes Buch wieder bei mir einzieht. Sonst hätte ich heute am Welttag des Buches auch sicherlich nicht bei den unterschiedlichsten Verlosungen mitgemacht. ;) Zu Ostern habe ich mir auch direkt Rumo von Walter Moers gekauft. Als Geschenk für mich selbst und als Belohnung dafür, dass ich doch verhältnismäßig gut durchgehalten habe. Was die Aktion bewirkt hat – dieser Büchergier ist weg und ich fühle mich nicht mehr so, als bräuchte ich noch Roman xyz und zwar sofort. Und irgendwann in den nächsten Wochen kaufe ich mir die dritte Staffel Game of Thrones. Aber das kann auch noch etwas warten. :)

[Konsumfasten 2014]

Konsumfasten2014-300x212Da geht man ein bisschen durch die Blogwelt spazieren und dann fällt einem eine wunderbare Aktion in den Schoß: Konsumfasten. Katrin von BuchSaiten und Miriam von Pimis Bücher haben diese Aktion ins Leben gerufen und kaum hatte ich mir die unterschiedlichen Beiträge durchgelesen wusste ich – da will ich mitmachen! Aschermittwoch ist dabei doch die perfekte Gelegenheit, einfach mal wieder bewusster Dinge wahrzunehmen und auch das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.

Da jede_r selbst bestimmen kann, worauf verzichtet wird, habe ich beschlossen, mir in diesen fast sieben Wochen keine neuen DVDs, keine neuen CDs und auch keine neuen Bücher zu kaufen. Ein Medien-Konsumfasten sozugen. Das klingt für mich am sinnvollsten, denn hier liegt meine absolute Schwachstelle. Meine Regale quellen über und als ich letztens eine Freundin besuchte und ihr einreihiges Buchregal sah, war ich fast ein bisschen neidisch. Nicht das ich jetzt anfangen würde, Bücher wegzuwerfen. Aber es sah einfach übersichtlich aus und geordnet – und ich weiß manchmal nicht einmal in welcher Ecke sich welches Buch versteckt. Das fühlt sich nicht gut an. In den vergangenen Jahren habe ich schon vegetarisch oder vegan in der Fastenzeit gegessen oder auf Alkohol und Süßigkeiten verzichtet, aber ganz ehrlich? Es störte mich kaum (gut, die vegane Fastenzeit war hart), meine Süßigkeiten liegen sowieso seit Nikolaus (!) unangetastet in meinem Zimmer, Alkohol trinke ich vergleichsweise selten und in einer Woche esse ich vielleicht zwei Mal Fleisch. Aber Bücher kaufen? Huch. Da bin ich mittlerweile wirklich schon von mir selbst genervt – „Oh, Mängelexemplare!“ „Oh, 3 für 2!“ „Oh, das muss auch noch mit!“ „Rebuy, meine Liebe!“ – und so türmen sich die Bücherstapel und ich hamstere ständig weiter, ohne dass ich es schaffen würde, meine ganzen Schätze zu lesen. Der Kehlmann ist da das beste Beispiel. Die Vermessung der Welt, dieses geniale Buch, das mir so viel Spaß gemacht hat, dümpelte fast zwei Jahre in meinem Regal vor sich hin. Weil ich immer nur mehr, mehr, mehr gekauft habe. Das kann irgendwie nicht sein.

Deswegen müssen Änderungen her und deswegen kommt diese Aktion genau zur richtigen Zeit. Ich bin schon seit Wochen genervt von meinen Hamsterkäufen. Wenn ich es außerdem noch schaffe, Dinge auszumisten, bin ich vollends zufrieden. Letzte Woche habe ich schon bei meinen Eltern damit angefangen, alte Schulhefte wegzuwerfen – und es tat so unglaublich gut! Das befreit, das schafft Platz für Neues. Und wer will schon Kommentare wie „Diese Aufgabe ist aber unzureichend bearbeitet!“ unter uralten Bioklausuren lesen? Richtig, niemand (ist ja jetzt auch schon sieben Jahre her … *flöt*).

Ich habe mir deshalb vorgenommen bei dieser tollen Aktion mitzumachen und verzichte in der Fastenzeit auf das Kaufen von Büchern, CDs und DVDs. Denn es liegen einfach noch zu viele Schätze hier unentdeckt, ungelesen und ungesehen herum – da kann ich nicht noch mehr kaufen, das geht nicht. Außerdem versuche ich in meinem Zimmer auszumisten und Platz für neues zu schaffen, eventuell nehme ich da auch noch mal meinen SUB kritisch unter die Lupe. Will ich die Bücher wirklich alle lesen? Und wenn es Neuerscheinungen sind, denen ich entgegenfiebere – dann müssen sie eben warten. Das wird sicherlich nicht einfach (Game of Thrones *hust*), aber ich werde es mal versuchen und bin gespannt, wie es so klappt. Gut, dass ich heute morgen noch Howl von den Mighty Oaks und das Album der Lumineers gekauft habe. ;) Und wenn ich ganz dringend etwas neues aussuchen muss, nur um des Aussuchens willen, dann gibt es ja auch immer noch Büchereien, nicht wahr? (Da war mal so ein Vorsatz, lang lang ist’s her…) Ich freue mich sehr über diese Aktion und bin gespannt, wie ich wohl damit klar kommen werde, eben nicht wie eine Verrückte um jeden Grabbeltisch mit Mängelexemplaren herumzuspringen.