Vom Bloggen an sich

Tobi von dem schönen Blog Lesestunden hat mal die Frage nach dem Bloggen an sich in den Raum geworfen. Wie bloggen andere oder wie organisieren andere Blogger*innen ihre Blog“arbeit“? Ich fand die Frage spannend und habe deswegen Tobis Fragen einfach mal beantwortet.

Wie entscheidest du, ob du über ein Buch bloggst oder nicht?

Bei vielen Romanen habe ich sofort ein Gefühl dafür, dass ich wirklich dringend genau zu diesem Roman eine Rezension schreiben muss. Bei manchen Romanen kommt dieses Gefühl erst ein bisschen später. Ich lasse deswegen Romane einfach neben dem Schreibtisch liegen und entscheide einige Wochen später, ob ich eine Rezension schreibe oder nicht. Das hat zur Folge, dass  hier im Arbeitszimmer schon ein kleinerer Buchstapel  herumliegt.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Beiträge?

Seitdem ich über Literatur blogge und viele andere Blogs regelmäßig lese, begegnen mir einfach sehr viel mehr interessante Romane als früher. Ihr schreibt einfach so toll. :) Lesetipps lauern deshalb an jeder Ecke und manchmal muss ich mich dann auch ein bisschen zurückhalten, einen SuB habe ich ja auch und die vielen tollen Romane sind da auch aus Gründen gelandet. ;)

Aber es gibt neben dem Blog eben auch die Offline-Welt und zum Glück kenne ich viele literaturaffine Menschen, die mir auch gerne Bücher empfehlen.
Was willst du mit deinem Blog erreichen?

Ruhm und Ehre. :D Und natürlich freue ich mich, wenn sich hier Leser*innen einfinden.
Wie viel Zeit nimmst du dir für das Verfassen eines neuen Beitrags?

Für eine Rezension nehme ich mir meistens 1,5 bis 2 Stunden Zeit. Meistens passt doch noch irgendetwas nicht oder das Zitat gefällt mir noch nicht oder der Text fühlt sich nicht rund an – es braucht seine Zeit bis ich zufrieden bin. Außerdem braucht die Recherche über die Schriftsteller*innen oder andere interessante Aspekte aus dem Text, die ich irgendwie aufnehmen möchte, auch ein bisschen Geduld. Ich merke aber meistens gar nicht, wie schnell die Zeit verfliegt. Das ganze macht nämlich unglaublich viel Spaß und lädt auch dazu ein, sich zu bestimmten Aspekten festzulesen. Hätte ich einen Chefredakteur, der mir auf die Finger schaut und fragt, wann der Beitrag fertig ist, wäre das etwas anderes. Da ich hier aber selbst Chefredakteurin bin, zelebriere ich meinen Status dann auch und mach alles so, wie ich es für richtig halte. ;)

Wie oft erscheint in deinem Blog ein Beitrag?

Ich glaube, dass einmal in der Woche schon gut ist. Ich möchte eigentlich öfter schreiben, aber manchmal klappt das auch nicht und das ist auch in Ordnung.

Bloggst du regelmäßig und hast feste Tage bzw. Abstände in denen Beiträge erscheinen?

Nein. Und auch einen regelmäßigen Sonntagsjazz versuche ich zwar, aber das kriege ich nicht hin.

Hast du einen festen Tag, an dem du Blogbeiträge schreibst und dich um deinen Blog kümmerst?

Nein.
Hast du mehrere Beiträge fertig verfasst als Entwurf, oder veröffentlichst du jeden Beitrag sofort?

Beiträge über Kurzfilme oder den Sonntagsjazz habe ich oft im Vorfeld geschrieben. Rezensionen schreibe ich an einem Tag und veröffentliche sie dann am nächsten Morgen.

Hast du Hilfsmittel, wie einen Planer, eine App oder irgendein Gadget?

Ich habe ein Notizbuch, das ist schon ziemlich viel Gadget finde ich. ;)
Schreibst du deine Beiträge direkt in WordPress bzw. der Blogsoftware, oder zuerst auf Papier oder in anderer Software?

Meistens direkt in WordPress, manchmal schreibe ich in Word vor.
Schreibt du die Beiträge auf einmal, oder in mehreren Schritten?

Alles in einem Rutsch.

Hast du schon einmal einen Beitrag komplett verworfen, weil du mit der Qualität nicht zufrieden warst?

Viele Rezensionen, die ich am Anfang geschrieben habe, würde ich heute so nicht mehr schreiben. Aber ich entwickele mich ja auch ständig weiter und vielleicht sage ich dasselbe in zwei Jahren auch über meine aktuellen Rezensionen. Unzufrieden war ich mit der Qualität bisher nicht, sonst hätte ich nicht veröffentlicht.

Wo schreibst du deine Beiträge (z.B. immer auf dem iPad Pro in der Badewanne)? Gibt es ein Bild von deinem „Blogarbeitsplatz“?

Nein, aber ich schreibe immer an meinem Schreibtisch. :)
Bloggst du alleine oder mit anderen zusammen?

Alleine.
Machst du für deine Beiträge eigene Fotos? Wenn ja, welche Rolle spielen sie für dich und wie bereitest du sie auf? Wie viel Zeit investierst du für deine Fotos?

Ist auf jeden Fall ein Projekt für die Zukunft. :)

Besprichst du auch Rezensionsexemplare und wie gehst du damit um?

Ja, ich habe in der letzten Zeit das Bloggerportal von Randomhouse entdeckt und ich mache zwischendurch bei Leserunden von Lovelybooks mit. Wenn ich ein Rezensionsexemplar bekomme, schreibe ich das unter meine Rezension. Ich finde das für die Transparenz ganz wichtig.

Wie wichtig sind für dich Social Media Kanäle und wie viel Zeit und Aufwand verbringst du, sie zu pflegen?

Ich habe vor kurzem Pinterest entdeckt!! :) Ich finde Pinterest toll, aber es ist auch ein kleines Zeitfresserchen. Ich finde es faszinierend, wie andere Blogger*innen, noch Instagram und Twitter nebenher jonglieren.
Wie viel Zeit investierst du in technische Anpassungen und Pflege deines Blogs?

Ähm. Ich hoffe, dass alle Verlinkungen stimmen und guck das zwischendurch immer wieder nach. Machen andere da noch mehr? ;)
Was recherchierst du, bevor du ein Buch rezensierst?

Informationen über die Schriftsteller*innen, ob der Roman ausgezeichnet wurde und eventuell Themen, die angeschnitten werden. Das kann sehr unterschiedlich sein und hängt auch von meinem Vorwissen ab.
Machst du auch einmal eine längere Pause vom Bloggen?

Klar, das passiert einfach.
Beeinflussen dich andere Blogger oder Verlage über Themen oder Bücher zu schreiben?

Beeinflussen klingt eher negativ, inspirieren gefällt mir besser. Natürlich gibt es Bücher, die ich ohne tolle Rezensionen von anderen nie gefunden hätte. Verlage haben mich noch nie beeinflusst, wie denn? Ich lese mittlerweile zwar Verlagsvorschauen auf anderen Buchblogs, aber ich schreibe selbst nichts dazu, denn ich kenne die Bücher ja nicht und kann deswegen auch noch nichts dazu sagen.

Wie groß ist dieser Einfluss?

Ich glaube schon, dass der Einfluss – gerade von anderen Blogger*innen – da ist, aber ich schätze ihn nicht höher ein als den Einfluss von Freund*innen, die begeistert von einem Buch erzählen. Und das gefällt mir ausgesprochen gut.

Wie entscheidend ist für dich die Aktualität eines Buches? Schreibst du lieber über aktuelle Bücher oder ist der Erscheinungszeitpunkt egal?

Ich habe das subjektive Gefühl, dass es eine klare Tendenz dazu gibt, entweder ganz aktuelle Romane zu besprechen oder kanonische Klassiker auszugraben. Beides ist interessant. Aber ich frage mich auch, was mit der ganzen guten Literatur dazwischen passiert. Lassen wir diese Romane einfach unter den Tisch fallen?

Wie ich genau dazu komme, einen bestimmten Roman ausgerechnet zu einem bestimmten Zeitpunkt zu lesen und wer mich da wie beeinflusst oder inspiriert hat, ist für mich gar nicht unbedingt nachzuvollziehen. Das ist ja gerade so spannend. Und manchmal führt mich ein Buch zu einem ganz anderen Buch. Und manchmal lese ich Romane wie Die Schneekönigin auch nur, weil es gerade so kalt ist und mich das Cover anspricht und ich erst danach feststelle, das ich einen ziemlich tollen Text entdeckt habe. Oder ich lese einen Roman von der Rory-Gilmore-Leseliste, weil ich mit der Challenge vorankommen möchte.

Im Moment lese ich zum Beispiel vier sehr unterschiedliche Romane parallel. Ich lese So wüst und schön sah ich noch keinen Tag von Elizabeth Laban, weil ich den Roman bei einer Lovelybooks-Leserunde gewonnen habe. Ich lese den Zauberberg von Thomas Mann, weil ich im Moment einen VHS-Lesekreis dazu besuche und den Roman schon seit meinem Praktikum im Buddenbrookhaus lesen wollte. Ich lese Es ist an der Zeit von Knausgard, weil ich sein Schreibprojekt Min Kamp so außergewöhnlich finde und wissen wollte, wie er sonst schreibt und ich habe angefangen Unendlicher Spaß zu lesen.

Wie entscheidet ihr denn, was ihr als nächstes lest? Lasst ihr euch da auch beeinflussen? :)

 

 

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Autor: the lost art of keeping secrets

29. Hat einen M.A. in Literatur- und Kulturwissenschaft. Verliebt.Verlobt. Verheiratet.

9 Kommentare zu „Vom Bloggen an sich“

  1. Noch Eine, die sehr entspannt unterwegs ist, das finde ich interessant. Ichh hatte anfänglich gedacht, dass es für viele Blogger „ernster“ ist. So old school finde ich das gar nicht, ich denke, bei Dir steht auch die Freude am Lesehobby im Vordergrund. Zumindest liest sich das so.

    Aber in einer Sache widerspreche ich ;-) :Pinterest ist kein kleines Zeitfresserchen. Es ist ein riesengroßes doppelzeitfressendes Ungeheuer. Ich bin dazu übergegangen, Pinterest zeitmäßig gnadenlos zu limitieren. Dort versackt man schlimmer als in ner Eckkneipe und merkt es nicht mal. Man hüpft von einem Suchbegriff zum Nächsten und findet dabei gleich noch zehn, die man zwar selber gar nicht auf dem Schirm hatte, aber da sie sich nun anbieten, muss man da auch noch gucken….und so kommt man vom Hölzchen auf`s Stöckchen.

    1. Hi Devona,

      danke für deinen Kommentar. Also dieses Gefühl bei Pinterest zu versacken, kenne ich. Ist immerhin nicht so rauchig wie in einer Eckkneipe und es wird weniger Darts gespielt, aber ansonsten kann ich dir nur zustimmen. ;)

      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Ich finde es immer wieder interessant, wenn jemand über sein Blogschreiben im allgemeinen berichtet. Wir können alle immer noch dazu lernen. Zuallererst soll das Bloggen aber Spass machen.
    LG Effi von Blogspione

  3. Hallo,
    ich habe das Bloggen erst vor zwei Monaten für mich entdeckt. Davor hatte ich dazu keine Zeit. Ich bin seit über 30 Jahren Bücherwurm, und zwar als Lektor, Redaktionsleiter und Verlagsleiter eines größeren Publikumsverlags, seit sechs Jahren freiberuflich. Mein Schwerpunkt sind hauptsächlich Ratgeber, aber privat und von meinen Interessen her bin ich Belle-Leser, das habe ich schließlich auch studiert. Ich blogge regelmäßig, in der Woche etwa zwei Beiträge – nicht nur Rezensionen, die nur einen Teil meiner Bloggerinteressen ausmachen -, und künftig werde ich auch eine Kategorie „Hinter den Kulissen in einem Verlag“ bedienen. Deinen Blog fand ich wegen Deines Mottos interessant: … lieber Thomas Mann. Ich lese so gut wie keine U-Literatur, dafür aber Texte, die man getrost zur Weltliteratur zählen darf, von Donna Tartt bis Harper Lee, die letzte Woche leider gestorben ist.
    Herzlich,
    josch p

    1. Hallo Josch,

      das ist ja eine spannende Perspektive, die du mitbringst. :) An Tobis Fragebogen gefällt mir, dass deutlich wird, wie viele unterschiedliche Herangehensweisen es gibt, aber auch wie viele unterschiedliche Menschen das Medium Blog so spannend finden.

      Ich hab mich direkt auf einen Gegenbesuch bei dir gemacht. :)

      Donna Tartt möchte ich auch noch unbedingt lesen, aber davor möchte ich erst noch den Zauberberg schaffen. Sieht ganz gut aus im Moment. ;)

      Herzliche Grüße,
      Eva

      1. … Der „Zauberberg“ ist wahrscheinlich der bedeutendste Text, den Thomas Mann produziert hat. Den Nobelpreis bekam er allerdings auf Buddenbrooks, was schade ist, denn der „Zauberberg“ ist literaturwissenschaftlich wesentlich interessanter. Ich wünsche Dir viel Spaß und Durchhaltevermögen bei diesem Jahrhundertwerk, der auch die Relativität der Zeit thematisiert…
        Herzliche Grüße
        josch p

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